nnz-online

Die Jagd im Rabatt-Dschungel

Freitag, 08. Juni 2007, 13:52 Uhr
Nordhausen (nnz). „Wir spüren bei vielen Patienten eine große Verunsicherung, teilweise herrscht offene Unzufriedenheit“, berichtet der Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen, Danny Neidel über Probleme in der Arzneimittelversorgung. Weitere Details in Ihrer nnz.


Neidel weiter: „Die Apotheken sollen verordnete Medikamente abgeben, die nicht verfügbar sind. Damit sind Probleme in der Arzneimittelversorgung der Patienten an der Tagesordnung.“ Mit der Gesundheitsreform wurden die gesetzlichen Krankenkassen ermächtigt, mit Arzneimittelherstellern besondere Rabattverträge abzuschließen. Die Vertragsregelungen besagen, dass Apotheken bei ärztlichen Verordnungen stets ein rabattbegünstigtes Arzneimittel abgeben müssen. Auch wenn ein anderes, nicht rabattbegünstigtes Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff zur Verfügung steht, darf die Apotheke dieses in der Regel nicht aushändigen.

Inzwischen hatten die Thüringer Patienten und Apotheker zwei Monate Zeit, Erfahrungen mit diesen neuen Regelungen zu sammeln. Auf beiden Seiten fällt die Bilanz ernüchternd aus. Viele der Rabatt-Arzneimittel sind nicht lieferbar, weil einzelne Krankenkassen Verträge mit bis zu acht Kleinstherstellern geschlossen haben, die nicht in der Lage sind, die Vertragsanforderungen zu erfüllen. Auf der Strecke bleibt der Patient“, so Neidel.

„Viele Patienten bekommen ein komplett verändertes Arzneimittelpaket von uns, aber nicht, weil der Arzt medizinische Umstellungen vorgenommen hat, sondern weil die Rabattverträge dies so fordern. Gerade ältere Patienten sind dadurch völlig verunsichert und bieten sogar an, für ihr gewohntes Medikament draufzuzahlen. Aber wir Apotheker dürfen es trotzdem nicht abgeben, weil wir an die Rabattverträge gebunden sind“, erläutert Apotheker Neidel. Aber auch der Apotheker ist unzufrieden: „Wir sind praktisch nur noch damit beschäftigt, unseren Patienten die verworrene Situation zu erklären. Kaum bleibt noch Zeit für die Beratung zum Arzneimittel, für Erklärungen zu Risiken und Nebenwirkungen, wie es eigentlich unsere Aufgabe als Heilberufler ist.“

Die Rabattverträge sind nach Neidels Ansicht durchaus ein Instrument, um Kosten im Gesundheitswesen einzusparen. Doch müssen sich die Versicherten dann auch darauf verlassen können, dass ihre Krankenkasse nur Verträge abschließt, die auch eingehalten werden können. „Die derzeitige Situation ist für viele Patienten nur schwer ertragbar, das muss sich schnell ändern“, mahnt der Apotheker.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de