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nnz-Forum: Provoziert?

Dienstag, 05. Juni 2007, 07:56 Uhr
Nordhausen (nnz). nnz-Leser sind ein umtriebiges Völkchen. Sie sind auch bei den Demos gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm dabei. Ein Leser hat seine Eindrücke im Forum aufgeschrieben.

Nordhäuser in Rostock (Foto: nnz) Nordhäuser in Rostock (Foto: nnz)

Am 2. Juni war ich in Rostock und möchte hier einen Eindruck von der Demo wiedergeben. Mein erster Eindruck war, dass man den verantwortlichen Polizisten das Zählen beibringen muss. Es waren nicht 25 000 Demonstranten, sondern 80 000 bis 90 000, aber von der Polizei bin ich gewohnt, dass Demonstrationen, die gegen den Staat gerichtet sind, zahlenmäßig nach unten gedrückt werden, um die Sache zu verharmlosen. Das habe ich bei den vielen Demos gegen Hartz–IV oft feststellen müssen. Anderseits stellt sich die Polizei selbst ein Armutszeugnis aus. Sie sagen, es waren 25 000 Demonstranten und die Polizei hatte 5 000 Mann im Einsatz, d. h. auf fünf Demonstranten kam ein Polizist und trotzdem ist es der Polizei nicht gelungen, für Ordnung zu sorgen.

Die Demonstration verlief auch ganz ruhig, bis sich die beiden Demonstrationszüge im Stadthafen trafen. Als genügend Demonstranten auf dem Platz versammelt waren, begann die Polizei mit ihren Attacken. Zeitweise standen zwei Hubschrauber über den Köpfen der Menschen. In einer Höhe von ca. 150 Meter machten die Rotoren solch einen Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Ich hatte den Eindruck, dass sie die Demonstranten einzuschüchtern wollten. Kinder, die ich sah, schmiegten sich vor Angst an ihre Eltern, aus Angst, die Hubschrauber könnten abstürzen.

Ich frage mich, ob es überhaupt zulässig ist, was die Polizei da mit den Hubschraubern veranstaltet hat. Auch kam es mir so vor, als ob die Polizei den Kampf gesucht hat, denn Herr Schäuble benötigt ja einen Anlass, um seine umstrittenen Stasimaßnahmen durchsetzen zu können- z.B. die Geruchsproben, das Abhören der Telefone und das Ausspionieren privater Computer. Ja sogar vor Wanzen in den Wohnungen schreckt er nicht zurück. Dazu kommt noch der Einsatz der Bundeswehr, dass die Polizei auf einen solchen Kampf vorbereitet war, bekam ich erst so richtig mit, als wir uns auf dem Heimweg befanden.

In der Lübecker–Straße kamen uns 12 Wasserwerfer entgegen. In der Hamburger-Straße lieferten sich rund 50 Polizeiwagen mit Sirene und Blaulicht ein Wettrennen. Aus einen der hinteren Wagen wurde das Ganze mit einer Kamera festgehalten. Man merkte richtig, wie heiß die Polizei auf einen Kampf war. Ich nehme an, hier trainierten sie den Einsatz, den sie in Heiligendamm noch vor sich haben.

Auf der Autobahn wimmelte es von Polizeiwagen. Noch weit weg von Rostock kamen uns Polizeiautos entgegen, die in einem kleinen Wäldchen ihr Versteck hatten. Meiner Meinung nach hatte sich die Polizei auf einen harten Kampf eingestellt. Das bestätigt mich in meiner Vermutung, dass die Polizei den Krawall durch V-Männer angezettelt hat. Es passt alles in das Konzept von Herrn Schäuble, der ja alle Bürger erst einmal vorsorglich für Terroristen hält. Übrigens von allen Spitzenpolitikern, die sich gegen den G8- Gipfel aussprachen, konnte ich nur Frau Roth von den Grünen ausmachen. Es ist aber möglich, dass sich noch mehr Politiker in dem anderen Demonstrationszug befanden.

Wenn die Regierenden soviel Angst vor ihren Volk haben, sollte man für ähnliche abgehobene Veranstaltungen einen abgeschiedenen Veranstaltungsort organisieren. Warum baut man nicht ein Kongresszentrum auf einer für Demonstranten schwer zugänglichen Insel? Die „Großkopfeten“ bräuchten sich dann nicht einzäunen, und es würden Millionen Steuergelder eingespart. Herr Bush kennt bestimmt eine solche Insel, vielleicht besitzt er selber eine. Es würde mich nicht wundern.
Harald Buntfuß, Nordhausen
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Autor: nnz

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