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nnz-Betrachtung: Ein Volk wird weggesperrt

Mittwoch, 30. Mai 2007, 15:45 Uhr
Nordhausen (nnz). Heiligendamm – einst stand dieser Ort an der Ostseeküste für Noblesse, dann für Tristesse. Jetzt verkommt er zu einem Synonym für eine weggesperrte Republik.


Was mag die Frau Merkel nur dazu getrieben haben, sich für das Treffen, dieser unlegitimierten, selbst ernannten Weltregierung ausgerechnet Heiligendamm auszusuchen? War es die unmittelbare Nähe zur Küste, wollte sie ihrem Heimat(bundesland)land zu weltweiter Geltung verhelfen? Egal, die Antwort zu suchen ist müßig.

Heiligendamm wird jedoch für mich mit vielen unangenehmen Eindrücken verbunden sein. Ein Millionen Euro teurer Zaun ist mittlerweile zum Sinnbild geworden für das, was sich Politik nennt. Man sperrt das Volk weg, man schottet sich ab, man hat Angst. Angst vor den Menschen? Ja, mein Gott, dann geht doch sonst wo hin, mit Eurem Treffen, das schon jetzt keine Erfolge bringen wird, wie es heißt.

Laßt die Menschen, die ihr regieren wollt, in Ruhe, vor allem aber in Frieden. Geht auf eine einsame Insel, irgendwo in einem Ozean, weit weg von jeglicher Zivilisation. Dort kann der Oberregierer Bush einige seiner Flugzeugträger um das Eiland schippern lassen und kein friedlicher Protestierer würde sich nähern. Auch müsste man potentiellen Störern nicht den Führerschein abnehmen. Man müßte auch keine Geruchsproben nehmen und konservieren. Alles könnte so friedlich verlaufen.

So aber werden die Gräben zwischen denen da drinnen und denen da draußen nur noch breiter, tiefer, unüberwindlicher. Vielleicht ist das auch so gewollt. Vielleicht sollten sich die großen Acht wirklich neue Völker suchen? Nein, denn noch sind die derzeitigen Stämme regierbar, noch funktioniert das System, scheinbar. Aber, der Trend zum Wegsperren hält an. Nicht nur, wenn dieses Land „liebe Gäste“ aus sieben anderen Staaten empfängt. Selbst bei innerdeutschen Gelegenheiten, ob in Berlin, Bonn oder Erfurt – da ist man lieber unter sich. Man kennt sich, man tauscht Nettigkeiten aus, läßt die diversen Lobbyisten frei laufen und ihren Geschäften nachgehen.

Danach, so wird man verlauten lassen, habe man konstruktiv gearbeitet. Für wen? Für die Sicherung der eigenen Pfründe, der eigenen Macht, der Claims?

Wenn dann noch so ein Mammutwerk, wie zum Beispiel die Gesundheitsreform herauskommt oder in Heiligendamm ein scheinbar fauler Kompromiss zum Klimaschutz, dann kommen an der Konstruktivität leichte Zweifel an.

Doch von all der Unzufriedenheit werden die „Großen Acht“ in ihrer abgeschotteten Trutzburg nicht viel mitbekommen. Sie genießen die ganz besondere Gastfreundschaft. Die aber haben sie selbst zu verantworten, nicht der eigentliche Gastgeber, die Menschen in diesem Land.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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