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nnz-Forum: Nachahmenswert

Sonntag, 27. Mai 2007, 19:10 Uhr
Nordhausen (nnz). Der Forum-Beitrag von Jürgen Nagel in der nnz fand viel Beachtung. Dazu ein weiteres Statement eines nnz-Lesers.


Ich fand die Haltung von Jürgen Nagel (nnz-Forum: Eine schwere Aufgabe......?, 26.Mai 2007, 16.53 Uhr), Veranstaltungen zu meiden, deren Ergebnis im vornherein feststeht, sehr nachahmenswert. Nun, ich höre schon den Protest gegen Herrn Nagel: Anstatt der pauschalen Kritik hätte er lieber aktiv mit diskutieren sollen, sich konstruktiv einbringen mögen. Er nörgle nur, wo andere bemüht sind zu gestalten. Das kenne ich noch gut aus DDR-Zeiten: Recht zur Kritik habe nur, wer auch aktiv mitarbeitet. Nur gegen etwas zu sein, das reiche nicht aus. Wir haben uns seit weiland `89 entwickelt, das lässt sich hieran nicht abstreiten. Wer heute, und sei’s nur aus dem diffusen und sicher nicht so ganz falsch liegenden Gefühl heraus, dass mit dieser Welt etwas nicht stimme, in Heiligendamm demonstrieren möchte, kommt schon mal in den Verdacht der Staatsfeindlichkeit. Aus Nörglern und Dissidenten werden so gefährliche Terroristen. Herr Schäuble macht’s möglich.

Mal ehrlich, liebe Leserinnen und Leser. Muss man sich wirklich alles antun, was da von Parteien, Organisationen und Verbänden veranstaltet wird, damit wir mündigen Bürger auch spüren, wie wichtig all diese Einrichtungen und Leute sind? Wer kennt sie nicht, diese Alibiversammlungen, die dann als Beispiel funktionierender Demokratie herhalten müssen. Das Wesen der Demokratie liegt aber gerade nicht in der Vertretung des Souveräns durch eine politische Klasse, die dann ab und zu mal gewählt werden darf oder sich, wie im Falle des Bundeskanzlers und diverser Wahlbeamter in den Kommunen, sogar teilweise selbst wählt.

Demokratie besteht in der Möglichkeit, seine Geschicke selbstbestimmt in die Hand nehmen zu können und dafür in der Gemeinschaft die Bedingungen vorzufinden. Dieses Verständnis schließt übrigens die Möglichkeit und das Recht des Sich-Verweigerns und des Nörgelns mit ein.

Ich schlage vor, dass die nnz eine Zeitbörse eröffnet. Ich könnte mir z. B. folgende Transaktion vorstellen: Tausche 2 Stunden Teilnahme an einem Bürgerforum gegen gleiche Zeitmenge Ruhe und Besinnung unter einem Baum im Stadtpark. Wenn einige der potentiellen Forumsteilnehmer dann noch denselben Einfall hätten und man sich friedlich und vielleicht auch schweigend unter der Blätterkrone wieder finden würde, käme möglicherweise sogar etwas beim Bürgerforum heraus.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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