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"Wir sind steinreich!"

Freitag, 18. Mai 2007, 12:45 Uhr
Nordhausen (nnz). Landrat Joachim Claus (CDU) macht es seit Jahren vor, das Rathaus macht es jetzt nach: Besuche bei Unternehmen der Rolandstadt. Wohin die aktuelle Stippvisite führte, das hat die nnz erfahren.


Sourell, Klaan (Foto: PSV) Sourell, Klaan (Foto: PSV) „Uns geht es gut - nicht wegen irgendeines Wirtschaftsbooms, sondern aufgrund jahrelanger harter, hartnäckiger und akribischer Arbeit. Wir fahren praktisch jetzt die Ernte ein, nachdem wir 17 Jahre lang gesät haben“, sagt Thomas Sourell, Geschäftsführer des Nordhäuser Ziegelwerkes, bei einem Besuch von Nordhausens Bau- und Wirtschaftsdezernentin Inge Klaan (CDU).
Die Ziegelei befindet sich seit der Re-Privatisierung im Jahr 1990 wieder in den Händen der Familie Sourell. 15 Millionen Euro hat die Familie seit damals in die Firma investiert, „natürlich haben wir auch Fördermittel in Anspruch genommen, anders hätten wir das große Risiko gar nicht schultern können“, so Thomas Sourell.

Der Einsatz hat sich ausgezahlt: Der Nordhäuser Betrieb ist der einzige von 4 reprivatisierten der ehemaligen DDR, der nicht nur überlebt hat, sondern auch noch voll produziert. Auch dies sei keine Selbstverständlichkeit, denn der Ziegel-Markt werde im Prinzip von `big playern` beherrscht: „Es gibt den großen Marktführer und zwei weitere große Konzerne - das ist im Prinzip der Hauptanteil des deutsche Ziegel-Marktes“, so Thomas Sourell.

Und er sei durchaus stolz darauf, dass sich der eher kleine Nordhäuser Betrieb mit seinen 20 Mitarbeitern und den fünf mitarbeitenden Familienangehörigen sich dort nicht nur behaupten-, sondern auch gut mitspielen könne. „Das war allerdings jahrelange Arbeit: Der Aufbau von Vertriebswegen, die Tippel-Tappel-Tour durch die alten Bundesländer auf der Suche nach neuen Kunden und Partnern. Deshalb freue ich mich heute umso mehr über jeden Lastzug, der vollbepackt mit unseren Ziegeln vom Hof fährt. Zurzeit sind es immerhin rund 50 die Woche, aktuell vor allem aus Polen. Letzt hatten wir 15 Lastzüge an einem Tag. Da war ich stolz!“

Verkauft würden die Nordhäuser Ziegelsteine vor allem in einem Umkreis von 50 Kilometer um Nordhausen - und an andere Ziegeleien deutschlandweit. „Gerade dies ist ein wichtiges Standbein und sorgt für eine gewisse Kontinuität im Absatz“. Doch auch direkt in Nordhausen stößt Thomas Sourell auf die Produkte seiner Firma: „Die halbe Eigenheimsiedlung in Nordhausen-Ost ist mit unseren Steinen gebaut!“ Zur Produkt-Palette gehörten mehr als 50 Ziegelstein-Sorten, „wir haben pro Jahr 35 Millionen Normal-Format-Einheiten Produktionsausstoß“, so Sourell.

Ein weiteres Plus seiner Firma sieht Sourell „in den kurzen Wegen innerhalb der Firma und unserem guten Service: Wir haben 24 Stunden Rufbereitschaft, können also, wenn der Polier abends anruft, schon am nächsten Morgen unserer Steine auf die Baustelle liefern - so was zählt beim Kunden und ist deshalb wichtig!“ Auch in technologischer Sicht - bei der Verarbeitung des Tons bis hin zum Ziegel - geht das Unternehmen eigenen Wege - und diese beginnen im Kopf von Thomas Sourell: „Ich mache mir oft selbst Gedanken über den Aufbau einer Maschine, um die Produktions-Abläufe zu optimieren, und letztlich habe ich sie dann nach meinen Vorstellungen aus fertigen Komponenten zusammenbauen lassen. Viele der Anlagen bei uns sind deshalb Unikate.“, so Sourell.

Der wichtigste Faktor für den Erfolg des Unternehmens sei jedoch die Besonderheit im Vergleich zu vielen anderen Ziegeleien: „Wir haben den Rohstoff - den Ton - vor der Tür und bauen ihn selber ab.“ Und genau dies unterscheidet das Nordhäuser Ziegelwerk positiv von vielen anderen Rohstoff-Verarbeitern in der Nordhäuser Region - zum Beispiel der Gipsindustrie, sagte Dezernentin Klaan: „Denn im Gegensatz dazu bleibt beim Nordhäuser Ziegelwerk der gesamte Wirtschaftskreislauf - und damit die Wertschöpfung - vor Ort. Hier wird nicht nur abgebaut, sondern es erfolgt eine Arbeitsplatzbindung auch für die Verarbeitung an gleichem Standort.

Die Sourells heben sich da wohltuend ab, bis hin zur Verantwortung für die Umwelt, was sich in der erfolgreichen Renaturierung der Abbaufelder zeigt“, sagte Frau Klaan. Diese Maßnahme wurde erst kürzlich mit einem Preis versehen. Darüber freut sich die Stadt ganz besonders.

Grund des Besuches der Wirtschaftsdezernentin war es aber auch in Auswertung des Demographiekongresses der Stadt mit Herrn Sourell über die Bereitstellung von weiteren Ausbildungsplätzen zu diskutieren. Erörtert wurden dabei insbesondere die Problematik der drastischen Rückgänge der Schulabgängerzahlen ab 2008 und der damit verbundenen Fachkräftemangel in kleineren Unternehmen.
Autor: nnz

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