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nnz-doku: Der Freiherr

Montag, 14. Mai 2007, 11:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz berichtete am Wochenende über die Feierlichkeiten zum 10jährigen Bestehen der Einheitsgemeinde Werther. Dabei hielt auch der Kreischef des Gemeinde- und Städtebundes, Jürgen Hohberg, ein Grußwort. Die nnz veröffentlicht es innerhalb ihrer doku-Reihe.


Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hummitzsch, lieber Klaus!

Werte Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Werther!

Sehr geehrte Gäste!

Ich bedanke mich als Kreisverbandsvorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen für Ihre Einladung. Herr Hummitzsch „bat mich“ ein Grußwort an Sie zu richten. Mutig – Klaus! 1 Stunde reicht?? Ich nutze diese Chance. Im Namen der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie der Vorsitzenden der VG`s gratuliere ich der Gemeinde Werther zu Ihrem 10-Jährigem. Gratulation an die Bürger, wie sie diese (fast) Rosskur durchgestanden haben und noch weiter mit Bravour meistern.

Das gilt insbesondere den 6 Ortsfeuerwehren und den vielen Vereinen der Einheitsgemeinde. Von außen betrachtet: Kommunale Selbstverwaltung pur! Aber, aber ….. aber! Ein ehemaliger Vorsitzender des Rates des Kreises sagte nach der Wende einmal im Nordhäuser Kreistag u.a.: „…mit der Demokratie das ist so eine Sache...“. Ja das stimmt: IST ES…

Aber das für mich persönlich das Allerwichtigste in der Demokratie ist das Mittun. Demokratie lebt nur – vom MITTUN!!! So viel oder wenig – so gut oder schlecht wir mittun - so gut oder schlecht ist unsere Demokratie in Deutschland!! In diesem Jahr wird zu ihrem Jubiläum auch eines Mannes gedacht, der nach dem Tilsiter Frieden 1807 als leitender preußischer Staatsminister in der Bauernbefreiung und mit der Städteordnung die Grundlage für eine politische und soziale Ordnung schaffte und dem Staat selbst eine moderne Verwaltungsorganisation gab: Freiherr vom Stein.

In der Stille des alten Familiensitzes, da unten in Nassau, entstand 1807 die so genannte „Nassauer Denkschrift“. Man müsste sie eigentlich immer mal wieder lesen um zu sehen und zu verstehen, wie viel an komplexen Einzeldingen drinsteht. Und dahinter doch, verhalten, das Pathos einer großen Anschauung, wie die Deutschen zur Nation gebildet werden. Wichtiger als viele historische Baudenkmäler und Anlagen aus der Zeit des Freiherrn vom Stein von dem redlich sind seine Gedanken und Reformideen, die er als Preußischer Minister oder in anderen herausragenden Ämtern in zahllosen Briefen und Denkschriften niedergeschrieben hat. Die Abschaffung der Leibeigenschaft von Bauern, eine Finanz-, Heeres- und Verwaltungsreform, die kommunale Selbstverwaltung, sind nur einige Stichworte für seine Reformen, die er seinerzeit – immer wenn man ihn ließ – auch tatkräftig umsetzte.

Die „Nassauer Denkschrift“ von 1807 ist die bekannteste und bis heute wirksame Reformschrift, in der die Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und kommunale Verwaltung in eigener Regie der Bürger sogar zur Staatsräson erhoben wurde. Diesen Reformgeist des Freiherrn vom Stein lebendig zu erhalten, ihn für unsere Zeit und kommende Epochen fortzuentwickeln sollte für uns bleibendes Vermächtnis sein.

Für mich gilt dies auch hier und heute – da finanzielle Spielräume für Städte und Gemeinden immer enger werden, die Ansprüche unserer Bürgerinnen und Bürger aber nicht geringer werden (warum auch?) Es sind intelligente, praktikable Lösungen von uns gefragt! Sie haben zehn Jahre unter der Führung Ihrer Gemeinde und Ortschaftsräte aber insbesondere mit der Weit- und Umsicht Ihres Bürgermeisters wie bereits schon auf diesen Weg erreicht!

Für die nächsten Jahre wünsche ich Ihnen eine Fortsetzung zum Wohle Ihrer Bürger! Für heute aber, nach meiner kleinen Abschweifung in die Ursprünge kommunaler Selbstverwaltung, einen tollen Abend.
Glück auf!
Autor: nnz

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