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Kleine Sensation

Donnerstag, 10. Mai 2007, 13:47 Uhr
Nordhausen (nnz). Es ist schon ziemlich lange her, da aus Nordhausen eine Sensation gemeldet wurde. Jetzt war die Zeit dazu wieder mal reif. Die nnz mit ersten Einblicken in eine weit entfernte Zeit.


Einen interessanten Fund haben jetzt Grabungsexperten in Nordhausens Stadtmitte gemacht: Bei Erdarbeiten für die Sanierung des Wohnquartiers rund um die Engelsburg wurde eine Wasser-Zisterne aus dem hohen Mittelalter entdeckt. „Dass ist schon eine kleine Sensation - zum einen wegen des technisch aufwändigen Baus und zum andern, dass dieser bis heute so gut erhalten ist. Hinzu kommt, dass es erst die zweite Zisterne ist, die wir im Stadtgebiet bei Grabungen gefunden haben“, sagte Jürgen Grönke, Leiter des Stadtarchivs. Neben der Zisterne wurden weitere Funde gemacht: Reste eines historischen Tonnengewölbes vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, gleich daneben weitere Kellerreste, vermutlich aus dem 18. Jahrhundert und schräg gegenüber der Grundriss eines alten Hauses sowie ein Keller-Schacht.

Wolfgang Müller, Grabungsleiter, beschreibt Aufbau und Funktion der Zisterne, die in Rund einem Meter Tiefe gefunden wurde an der Stelle, an der sich früher der Spielplatz hinter dem Gebäude Engelsburg 2-4 befand: „Die Zisterne diente der Sammlung und Aufbewahrung von Trink- und Brauchwasser. Wahrscheinlich von den Dächern der früher umliegenden Häuser wurde das Regenwasser auf den Boden und dann in die Zisterne geleitet, die von einer dicken wasserdichten Tonwand begrenzt wurde. Das Wasser sickerte dann durch eine Kiesschicht weiter nach innen, reinigte sich dabei und sammelte sich anschließend in einer mehreren Meter tiefen Brunnenröhre, aus der es dann entnommen wurde. Das war schon eine aufwändige Technik!“ Der Ton-Rand der Zisterne sei sehr gut erhalten, auch den Schacht könne man noch erkennen, der allerdings im 16. Jahrhundert verfüllt worden sei. Damit sei die Zisterne zu diesem Zeitpunkt außer Betrieb gegangen.

In den kommenden zwei Wochen werde man sämtliche Funde weiter freilegen und aufbereiten, um sie anschließend zu fotografieren und abzuzeichnen - „damit ist der Fund für die Ewigkeit dokumentiert.“ Man werde dabei auch quer durch die Zisterne graben, und zugleich in die Tiefe gehen bis auf den Grund des Schachtes, „damit wir den Fund auch nach unten dokumentieren können“, erklärte Müller.

Beim gefundenen Tonnengewölbe habe man Mörtelproben entnommen und ins Labor geschickt, um das alter des Gewölbes bestimmen zu können. Und das Haus-Fundament werde man in den nächsten Tagen weiter freilegen. „Ich vermute dass dieses Haus an der ehemaligen Krämerstraße stand, die früher in Sichtweite des Rathauses und parallel zu ihm an dieser Stelle verlief“, so Müller.
Autor: nnz

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