nnz-Rückspiegel: 8. Februar 2001
Freitag, 08. Februar 2002, 08:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden. Heute:
Platzpatronen, Ersatzvornahme und Standardwerk
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora wird sich verändern
Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau eines neuen Verwaltungs- und Museumsgebäudes in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora begonnen werden. Dafür werden das Land und der Bund rund drei Millionen Mark bereitstellen. Das neue Lern- und Dokumentationszentrum soll Bestandteil einer völligen Umgestaltung des Geländes der Gedenkstätte sein. Bereits im Jahr 2004 soll das neue Gebäude stehen und eine neu konzipierte Ausstellung auf einer Fläche von 500 Quadratmeter - das Doppelte der jetzigen - aufnehmen. Außerdem sollen eine Bibliothek und bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Gedenkstätte geschaffen werden. Dazu wird das bisherige Verwaltungsgebäude abgerissen, das schon lange nicht mehr den Anforderungen einer effektiven Forschungsarbeit entsprach. Bevor die Arbeiten auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte überhaupt beginnen können, muß die Stadt Nordhausen wesentliche Vorarbeiten leisten. Ausführlich im nnz-Archiv
Bald soll sie aus Weimar kommen, die Ersatzvornahme!
Es kann sich nur noch um Tage handeln, so die Botschaft aus dem Landesverwaltungsamt Weimar. In der kommenden Woche soll die Ersatzvornahme zur Aufhebung der Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten aus dem Schreibtisch des LVA-Präsidenten gezogen und auf die Reise nach Nordhausen geschickt werden. Mit dem Thüringer Behörden Kurier versteht sich. Das LVA wolle erst noch die vom Verwaltungsgericht gesetzte Einspruchsfrist abwarten. Sollten sich die behördlichen Kuriere dann auch noch ein bißchen sputen, dann könne der Fahrplan für die Neuausschreibung der beiden Stellen eingehalten werden. Die Ausschreibung soll schnellstmöglich im Kreisausschuß oder im Ältestenrat des Kreistages diskutiert werden, dann werde die Ausschreibung mit geänderten Bewerbungskriterien veröffentlicht. Vielleicht, so hoffen es Insider, könne die Wahl dann erfolgreich durchgezogen werden. Landrat Claus sagte einst in der nnz, daß er dann auch von seinem Vorschlagsrecht nach der Sichtung der Bewerbungen Gebrauch machen werde.
CDU-Ausschußmitglieder schossen mit Platzpatronen
Der Finanzausschuß zog in der vergangenen Woche demonstrativ eine Pistole aus dem Halfter und setzte sie Landrat Joachim Claus (CDU) quasi auf dessen Verwaltungsbrust. Sollte kein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden, dann soll das Defizit durch Kürzung der Personalausgaben abgebaut werden, stand auf der Patronenhülse. Ist das überhaupt möglich? War es ein Schuß nach hinten? Was sich die drei Mitglieder der CDU-Fraktion (Scholz, Höche und Hohberg) da in der vergangenen Woche ausgedacht haben, kann wohl jetzt schon lediglich als ein moralischer Wink mit dem demokratischen Zaunpfahl gewertet werden. Mehr als fünf Millionen Mark durch Kürzung der Personalausgaben einzusparen, das bedeutet die Kündigung von rund 80 Mitarbeitern im Landratsamt. Selbst wenn dieser Weg auch nur angedacht werde, durchführbar ist er überhaupt nicht. Die Kreisverwaltung unterliegt dem Tarifrecht, als Partner fungiert die ÖTV. Deren Funktionäre wachen mit Argusaugen auf die Einhaltung des bestehenden Tarifvertrages (siehe ÖTV-Reaktionen zu Jugendsozialwerk und Stadtwerke). Bei einer Umsetzung des angedrohten Kreistagsbeschlusses müßte ein Haustarifvertrag her, da aber ist wieder der Personalrat mit im Spiel. Sollte all dies jedoch realisiert werden, dann rechnen Tarifexperten schon jetzt mit Klagen ohne Ende.
Künftiges Standardwerk zum KZ Mittelbau-Dora
Im März soll die erste umfassende Monographie zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora auf den Markt kommen. Vorgelegt wird sie vom wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner. Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, sagte, daß die Arbeit von Wagner kurz- und mittelfristig zu den Standardwerken zur Geschichte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora gehören werde. In Abgrenzung zu den bisherigen Studien, bei denen die Produktion der sogenannten V-Waffen im unterirdischen Mittelwerk im Zentrum stand, stellt der Autor das KZ Mittelbau-Dora als ausgesprochenes Bau-KZ dar, in dem es angesichts des nahen Kriegsendes kaum noch zu einer nennenswerten Rüstungsproduktion kam. Tausende von Häftlingen starben auf den Baustellen dieses Lagerkomplexes an den Folgen der Zwangsarbeit. Den thematischen Schwerpunkt der Studie bilden folgende Bereiche: Zum einen untersucht Wagner die Kooperation von SS und Rüstungsindustrie, zum anderen analysiert er die Einbindung der Lager in ihr gesellschaftliches Umfeld. Er beantwortet auf den 688 Seiten Fragen wie: Welche Auswirkungen hatte das Hineinwachsen des Lagersystems in die Tätergesellschaft, wie wirkte sich die Präsenz der KZ-Häftlinge auf die Bevölkerung in der Umgebung des Lagers aus? Die detaillierte Analyse von Motivations- und Rechtfertigungsstrukturen bietet Erklärungsmodelle für eine gesellschaftliche Entwicklung, die durch eine breite Mittäter- und Komplizenschaft geprägt war.
Autor: nnzPlatzpatronen, Ersatzvornahme und Standardwerk
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora wird sich verändern
Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau eines neuen Verwaltungs- und Museumsgebäudes in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora begonnen werden. Dafür werden das Land und der Bund rund drei Millionen Mark bereitstellen. Das neue Lern- und Dokumentationszentrum soll Bestandteil einer völligen Umgestaltung des Geländes der Gedenkstätte sein. Bereits im Jahr 2004 soll das neue Gebäude stehen und eine neu konzipierte Ausstellung auf einer Fläche von 500 Quadratmeter - das Doppelte der jetzigen - aufnehmen. Außerdem sollen eine Bibliothek und bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Gedenkstätte geschaffen werden. Dazu wird das bisherige Verwaltungsgebäude abgerissen, das schon lange nicht mehr den Anforderungen einer effektiven Forschungsarbeit entsprach. Bevor die Arbeiten auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte überhaupt beginnen können, muß die Stadt Nordhausen wesentliche Vorarbeiten leisten. Ausführlich im nnz-ArchivBald soll sie aus Weimar kommen, die Ersatzvornahme!
Es kann sich nur noch um Tage handeln, so die Botschaft aus dem Landesverwaltungsamt Weimar. In der kommenden Woche soll die Ersatzvornahme zur Aufhebung der Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten aus dem Schreibtisch des LVA-Präsidenten gezogen und auf die Reise nach Nordhausen geschickt werden. Mit dem Thüringer Behörden Kurier versteht sich. Das LVA wolle erst noch die vom Verwaltungsgericht gesetzte Einspruchsfrist abwarten. Sollten sich die behördlichen Kuriere dann auch noch ein bißchen sputen, dann könne der Fahrplan für die Neuausschreibung der beiden Stellen eingehalten werden. Die Ausschreibung soll schnellstmöglich im Kreisausschuß oder im Ältestenrat des Kreistages diskutiert werden, dann werde die Ausschreibung mit geänderten Bewerbungskriterien veröffentlicht. Vielleicht, so hoffen es Insider, könne die Wahl dann erfolgreich durchgezogen werden. Landrat Claus sagte einst in der nnz, daß er dann auch von seinem Vorschlagsrecht nach der Sichtung der Bewerbungen Gebrauch machen werde.
CDU-Ausschußmitglieder schossen mit Platzpatronen
Der Finanzausschuß zog in der vergangenen Woche demonstrativ eine Pistole aus dem Halfter und setzte sie Landrat Joachim Claus (CDU) quasi auf dessen Verwaltungsbrust. Sollte kein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden, dann soll das Defizit durch Kürzung der Personalausgaben abgebaut werden, stand auf der Patronenhülse. Ist das überhaupt möglich? War es ein Schuß nach hinten? Was sich die drei Mitglieder der CDU-Fraktion (Scholz, Höche und Hohberg) da in der vergangenen Woche ausgedacht haben, kann wohl jetzt schon lediglich als ein moralischer Wink mit dem demokratischen Zaunpfahl gewertet werden. Mehr als fünf Millionen Mark durch Kürzung der Personalausgaben einzusparen, das bedeutet die Kündigung von rund 80 Mitarbeitern im Landratsamt. Selbst wenn dieser Weg auch nur angedacht werde, durchführbar ist er überhaupt nicht. Die Kreisverwaltung unterliegt dem Tarifrecht, als Partner fungiert die ÖTV. Deren Funktionäre wachen mit Argusaugen auf die Einhaltung des bestehenden Tarifvertrages (siehe ÖTV-Reaktionen zu Jugendsozialwerk und Stadtwerke). Bei einer Umsetzung des angedrohten Kreistagsbeschlusses müßte ein Haustarifvertrag her, da aber ist wieder der Personalrat mit im Spiel. Sollte all dies jedoch realisiert werden, dann rechnen Tarifexperten schon jetzt mit Klagen ohne Ende.
Künftiges Standardwerk zum KZ Mittelbau-Dora
Im März soll die erste umfassende Monographie zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora auf den Markt kommen. Vorgelegt wird sie vom wissenschaftlichen Mitarbeiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner. Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, sagte, daß die Arbeit von Wagner kurz- und mittelfristig zu den Standardwerken zur Geschichte des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora gehören werde. In Abgrenzung zu den bisherigen Studien, bei denen die Produktion der sogenannten V-Waffen im unterirdischen Mittelwerk im Zentrum stand, stellt der Autor das KZ Mittelbau-Dora als ausgesprochenes Bau-KZ dar, in dem es angesichts des nahen Kriegsendes kaum noch zu einer nennenswerten Rüstungsproduktion kam. Tausende von Häftlingen starben auf den Baustellen dieses Lagerkomplexes an den Folgen der Zwangsarbeit. Den thematischen Schwerpunkt der Studie bilden folgende Bereiche: Zum einen untersucht Wagner die Kooperation von SS und Rüstungsindustrie, zum anderen analysiert er die Einbindung der Lager in ihr gesellschaftliches Umfeld. Er beantwortet auf den 688 Seiten Fragen wie: Welche Auswirkungen hatte das Hineinwachsen des Lagersystems in die Tätergesellschaft, wie wirkte sich die Präsenz der KZ-Häftlinge auf die Bevölkerung in der Umgebung des Lagers aus? Die detaillierte Analyse von Motivations- und Rechtfertigungsstrukturen bietet Erklärungsmodelle für eine gesellschaftliche Entwicklung, die durch eine breite Mittäter- und Komplizenschaft geprägt war.
