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Offener Brief an Frauenstammtisch

Donnerstag, 07. Februar 2002, 11:54 Uhr
Nordhausen (nnz). In Nordhausen gibt es einen Frauenstammtisch. An diesem Stammtisch wird über Gott und die Welt geredet, auch über Nordhausen und die Altstadt. Vor einigen Wochen übergaben die Damen einen Brief mit vielen Fragen an Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).


Außerdem hatte die Frauen 427 Unterschriften gesammelt. Wie geht es weiter in der Altstadt? Wie wird die Stadtverwaltung die Entwicklung unterstützen? Diese und weitere Fragen beantwortete Rinke mit einem offenen Brief an den Stammtisch. nnz veröffentlicht das Schreiben im vollen Wortlaut:


Liebe Frauen vom Frauenstammtisch,
ich hoffe, Sie erlauben mir diese ungewöhnliche Form der Antwort auf Ihre öffentliche Initiative.

Vor einiger Zeit machten Sie auf sich aufmerksam mit einer Wunschliste für die Altstadt. Zentrale Wünsche waren, die Altstadt in die Konzepte der Landesgartenschau einzubeziehen und die Straßenbahn um das Rathaus herum in die Engelsburg und in die Kranichstraße zu führen. Des weiteren wurden Informationen zum Umbau in der Rautenstraße gewünscht sowie die Frage gestellt, ob der Wochenmarkt aus der Altstadt verlegt werden soll. Diese Wünsche wurden mit 427 Unterschriften der Stadtverwaltung übergeben. Durch all die gestellten Anfragen klang die Sorge, dass die Stadtverwaltung nicht genug für die Altstadt tue. Einige Fragen konnten in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt geklärt werden. Dennoch erachte ich es für notwendig, die Leistungen der Stadt im Rahmen der Altstadtsanierung innerhalb der letzten 10 Jahre noch mal in Erinnerung zu rufen sowie die geplanten Maßnahmen für die Jahre bis 2004 zum wiederholten Male öffentlich zu bestätigen.

Mit der förmlichen Festlegung im Jahre 1991, dass die gesamte Altstadt zum Sanierungsgebiet erklärt wird, wurde alle Grundstückseigentümer von Erschließungsbeiträgen befreit. Die Stadt unterstützte die Förderung privater Sicherungs- und Modernisierungsmaßnahmen mit einer Gesamthöhe von 25 Mio. DM. In Maßnahmen der Infrastruktur investierte die Stadt 9,2 Mio. DM zuzüglich der Maßnahmen, die durch den städtischen Eigenbetrieb, durch die Stadtwerke, durch die Städtische Wohnungsbaugesellschaft sowie durch den Wasserverband finanziert worden sind. Dazu kommen Kosten zur Reparatur der Stadtmauer in Höhe von 5,3 Mio. DM sowie übrige Maßnahmen in Jugendfreizeitobjekte mit Gesamtkosten von 4,2 Mio. DM. Mit der Fertigstellung der Sanierung des Torhäuschens konnte ein weiterer Anziehungspunkt geschaffen werden. Mit interessanten Ausstellungen in der Flohburg versuchten wir in der Altstadt neue kulturelle Impulse zu setzen. Im letzten Jahr veränderte der Stadtrat die Stellplatzablösesatzung, die auch für die Anwohner der Altstadt eine finanzielle Entlastung mit sich bringt.

Ich denke, das ist ein städtisches Engagement im Bereich der Altstadt, das sich mit anderen Städten in Thüringen messen lassen kann.

Natürlich sind bis zum Jahre 2004 weitere Maßnahmen in Planung, die die Attraktivität der Altstadt zielgerichtet erhöhen werden. Diese Maßnahmen stehen eng im Zusammenhang mit der Durchführung der Landesgartenschau bzw. sind Projekte der Landesgartenschau. Der Planungsstand des historischen Stadtrundgangs, der unterhalb der Stadtterrasse mit der neu entstehenden Lesserstiege über den Primariusgraben in die Altstadt führen wird, wird in einem der nächsten Bürgergespräche vorgestellt werden. Im Bereich der Planungen in der Promenade wird in diesem Jahr die „Nachtigallenpforte“ als Durchgang in die Altstadt eine neue historisch angemessene Gestaltung erhalten. Große Kopfschmerzen macht uns der Bereich Blasiistraße, wo es noch keine zufriedenstellenden Lösungen gibt. Außerdem werden im Zusammenhang mit dem historischen Stadtrundgang die Stadtmauer unterhalb der Kutteltreppe rekonstruiert und die anliegenden Flächen entwickelt. Höchste Priorität genießt in diesem Jahr die Entwicklung des alten Polizeistandortes am Pferdemarkt. Am 12. Februar findet mit der Thüringer Liegenschaftsgesellschaft die nächste Gesprächsrunde statt. Es bleibt nach wie vor bei dem erklärten Ziel, hier ein attraktives Eingangstor zur Altstadt entstehen zu lassen. Neben Einzelhandel und Dienstleistungen wird hier ein großzügiges Parkhaus entstehen. Natürlich gehen wir auch davon aus, dass die Blasiikirche bis zum Jahre 2004 einen erheblichen Teil ihrer Instandsetzungsarbeiten hinter sich hat. Bereits in diesem Jahr wird mit der Umsetzung der neuen Museumskonzeption anlässlich der 1075-Jahr-Feier der Stadt Nordhausen in der Flohburg ein neues Museum entstehen. Hiermit hoffen wir besonders Gäste und Touristen in die Altstadt zu ziehen. Mit dem diesjährigen Rolandsfest im Rahmen der 1075-Jahr-Feier wird selbstverständlich auch die Altstadt als Gründungsstätte besonders hervorgehoben. Am 12. Februar trifft sich das erste Mal das Festkomitee, zu dem ich öffentlich aufgerufen habe.

Derzeit wird an einem neuen Konzept für den Wochenmarkt gearbeitet, der selbst-verständlich weiterhin im Bereich des Blasiikirchplatzes bleiben soll. Die Verlagerung der Straßenbahnhaltestellen zum Rathaus und Theater ist in mehreren Veranstaltungen strittig diskutiert worden und die Mehrheit votierte für eine Verlegung. Dabei wurden zwei wesentliche Gründe genannt. Der neu gestaltete Rathausplatz soll der Eingang zur Altstadt werden und das Theater wird besser angebunden. Damit kann der Kornmarkt Verkehrsplatz bleiben. Auf Grund wirtschaftlicher Berechnungen kann die Straßenbahn nicht weiter in die Altstadt geführt werden. Auf die Frage „Was bringt die Landesgartenschau für die Altstadt?“ seien nach dem bereits Genannten die 400.000 bis 500.000 Besucher angeführt, die Umsatzerhöhungen für die Gastronomie, den Einzelhandel u. a. nach sich ziehen werden. Der Planungsansatz der Landesgartenschau, die von vielen vermisste Mitte zu schaffen und ein Bindeglied zwischen Altstadt und Bahnhofstraße herzustellen, soll durch die Umgestaltung der Rautenstraße wesentlich beeinflusst werden.

Unsere Teilnahme am Bundeswettbewerb „Stadtumbau Ost - für lebenswerte Städte und attraktives Wohnen“ wird natürlich die ganze Stadt im Blick haben. Unsere bisherigen Vorstellungen von Raum und Stadt müssen überdacht werden, insbesondere unter dem Aspekt des sozialen Strukturwandels. Das Ziel, die Kernstadt zu stärken und einer Zersiedlung in den Randbereichen entgegenzutreten, werden wir jedoch weiter verfolgen. Das wird auch der Altstadt gut tun. Ihren Wunsch „zu denken und zu handeln für alle“ kann ich nur unterstützen, denn genau das ist auch meine Verpflichtung als Oberbürgermeisterin dieser Stadt.
Rinke, Oberbürgermeisterin
Autor: nnz

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