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nnz-Rückspiegel: 7. Februar 2001

Donnerstag, 07. Februar 2002, 08:22 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden. Heute:
Unwissen, Mittelalter und überzogen


Unwissen und Ignoranz führen zu falschen Behauptungen
Die nnz veröffentlichte einen Beitrag, in dem Mitglieder der Bürgerinitiative befürchten, daß die etwaigen Ausgleichsmaßnahmen für das geplante Industriegebiet zur Finanzierung der Landesgartenschau in Nordhausen herangezogen werden sollen. Auf diesen Vorwurf der Bürgerinitiative reagiert der Dezernent der Stadtverwaltung Nordhausen, Dietrich Beyse (CDU). Der Bebauungsplan für das Industriegebiet „Goldene Aue“ wird gemäß feststehender Paragraphen des Baugesetzbuches und demokratischer Regeln durchgeführt. Unter anderem werden bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt öffentliche und private Belange abgeprüft. Mit den Trägern der Belange werden intensive Klärungsgespräche geführt. Es ist nicht seriös, wenn Bürger Ergebnisse dieser Prüfung vorwegnehmen und polemisch interpretieren. Es ist Unsinn, von einer Finanzierung der Landesgartenschau durch das Industriegebiet zu sprechen. Unwissen und Ignoranz des Bauleitplanverfahrens können nur zu solch völlig falschen Vermutungen führen. Entsprechend Baugesetzbuch § 1a (3) ist die Behandlung von Ausgleichsflächen geregelt. Eine andere Handhabung ist weder von der Stadt noch vom Planungsverband vorgesehen. Die Stadtverwaltung Nordhausen ist sehr betroffen über den Versuch, die Landesgartenschau in diesem Zusammenhang schlecht zu reden. Die bisherigen Unterlagen machen den Planungsverband und die Stadt sicher, dass das Industriegebiet und die Landesgartenschau zu einem enormen Aufschwung in allen Bereichen führen werden.
Von einem umstrittenen Industriegebiet zur reden ist spekulativ. Die Mehrheit der Nordthüringer Bevölkerung ist für die Schaffung von industriellen Arbeitsplätzen und deshalb für das Industriegebiet „Goldene Aue“. Bei der bekannten Quote der Arbeitslosigkeit ist es nicht zu verstehen, wenn mit Vermutungen, Spekulationen und bewusster Irreführung Verhinderungspolitik gemacht wird. Der Planungsverband hält sich an die Regeln des Baugesetzbuches und wird die Bevölkerung nach dem Abgleich der anstehenden Probleme über Lösungen informieren. Dabei sind die Mitgliedsgemeinden in der Lage, für sich selbst zu sprechen.
Dietrich Beyse, Dezernent

Wird die Autobahn A 38 rechtzeitig fertig?
Nach dem jetzigen Kenntnis- und Planungsstand wird die A 38 Ende 2005 von Göttingen bis nach Halle durchweg befahrbar sein. Diese Aussage traf heute der verantwortliche Bereichsleiter der DEGES, Joachim Wintjen, gegenüber nnz. Bereits in diesen Tagen können aufmerksame Beobachter entlang der Bundesstraße 80 zwischen Werther und Wipperdorf weitere Bauarbeiten verfolgen. Acht Brücken müssen auf dem rund zehn Kilometer langen Abschnitt gebaut werden. Der Auftrag für die erste und längste Brücke über den Rodegraben sei vergeben, sie wird durch die Firma Teerbau errichtet. Südlich der B 80 werden zur Zeit große Massen an Mutterboden abgeschoben, hier wird eine wichtige Vorarbeit für den weiteren Streckenbau geleistet. Das Streckenlos ging an die Leipziger Firma Kirchhoff. Deren Vertreter verhandeln laut Wintjen mit einer Firma aus Erfurt und mit der Schachtbau Nordhausen GmbH über die Subunternehmerschaft. Im Herbst kommenden Jahres soll der Abschnitt zwischen Werther und Wipperdorf freigegeben werden. Ausführlich im nnz-Archiv


Mittelalter-Flair soll in Nordhausen Einzug halten
Der Mittelalterverein Nordhausen plant für Ende Mai ein Mittelalterfest in der Rolandstadt. Anlaß ist das Jahr der Ottonen, das heuer bundesweit begangen wird. Da Otto der Große hier seine Jugend verbrachte und auch alle seine Geschwister in Nordhausen geboren wurden, könne das Jahr auch in Nordhausen gebührend gefeiert werden, schlugen Landratsamt und Mittelalterverein vor. Die Stadtverwaltung zeigte sich über das Vorhaben erfreut, will aber keine Mittel für das Fest lockermachen. Laut Verein soll sich das Mittelalterfest durch mehr Informationsgehalt von anderen unterscheiden. Wer hier also die üblichen Marktstände vermutet, der wird sich wundern. Er wird vielmehr Persönlichkeiten von damals Hof halten sehen, wie König Heinrich den Ersten oder die Äbtissin Richburga. Alte Gewerke werden vorgestellt, mittelaltertypische Waren feilgeboten. So offeriert ein tschechischer Stand sogenanntes Waldglas. Die Stücke entstanden nach Vorlagen alter Fundstücke. Dem Verein liegen Bewerbungen von Künstlern, Handwerkern und Schaustellern aus allen Bundesländern und sogar dem Ausland vor. Auch der Harzfalkenhof Bad Sachsa wird mit seinen Tieren vertreten sein, denn die Falknerei war ja damals üblich. Im Dom zeigt eine Ausstellung das mittelalterliche Leben. Und wenn alles klappt, soll dort ein Bild enthüllt werden, das die Verabschiedung Ottos des Ersten von seiner Mutter Mathilde zeigt.Ausführlich im nnz-Archiv


Planungen in Goldener Aue werden fortgesetzt
Gestern hatte der Planungsverband "Industriegebiet Goldene Aue" Windehausen zu einer Informationsveranstaltung in das Schloss Heringen eingeladen. Was dort beraten wurde, welche Schlußfolgerungen für die künftige Arbeit getroffen wurden, das lesen Sie nur in der nnz. Neben den Mitgliedern des Plagungsverbandes nahmen an der Veranstaltung Vertreter der beteiligten Verwaltungen, des Landratsamtes, des Arbeitsamt, der IHK, der Kreishandwerkerschaft, des DGB und der Arbeitsloseninitiative Thüringen teil. Ziel der Veranstaltung war, Informationsdefizite abzubauen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu finden. Anfangs informierte das beauftragte Planungsbüro über den Stand und die wesentlichen Inhalte des Bebauungsplanverfahrens. Anschließend nutzten alle Anwesenden die Möglichkeit, ihr eigenes Statement zum Industriegebiet abzugeben. Übereinstimmend wurden die im Verfahren bereits abgegebenen positiven Stellungnahmen nochmals bekräftigt. Gerade unter dem Aspekt der jüngst veröffentlichten, wiederum gestiegenen Arbeitslosenzahlen wurde die Notwendigkeit der Entwicklung dieses Industriegebietes betont. Der Planungsverband wurde aufgerufen, die Planungen konsequent und zügig fortzuführen, um Rahmenbedingungen für die Ansiedlung von Industrie zu schaffen. Die Gäste boten dem Planungsverband ihre Unterstützung hinsichtlich der erforderlichen Information der Bevölkerung und Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit an.


Becker: Landkreis hat Hoheit für Berufsschulausbildung
Den Wirbel um die beabsichtigte Verlagerung von 250 Ausbildungsplätzen vom Standort Nordhausen nach Sondershausen wird nicht überall geteilt. In der nnz sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker, warum sie die Reaktionen aus dem Landratsamt für überzogen hält. „Der Träger für die Ausbildung an den Berufsschulen ist und bleibt der Landkreis. Deshalb liege die politische Verantwortung für den Standort Nordhausen einzig und allein bei der Kreisverwaltung, insbesondere bei Landrat Joachim Claus (CDU)“, so Dagmar Becker zur nnz. Im Thüringer Kultusministerium sei lediglich ein Vorschlag zur Diskussion unterbreitet worden. Das Ministerium könne jedoch nach Beckers Meinung nicht in die Entscheidungshoheit der Landkreise eingreifen. Letztlich müsse sich der Landkreis für den Standort stark machen, dabei könne er sich aber auch der im Kreistag vertretenen Parteien, zumindest der SPD, sicher sein. Die entscheidenden Impulse müsse allerdings die Verwaltung geben. Dagmar Becker fordert Landrat Claus auf, die Haltung des Landkreises zu dieser Problematik klar darzustellen. Morgen soll es im Thüringer Kultusministerium zur Zukunft der Berufsschulstandorte im Baubereich eine Anhörung geben. Der Entwurf des Kultusministerium sieht vor, in Nordhausen und Mühlhausen je 250 Berufsschulplätze und im Landkreis Eichsfeld 300 Plätze zu streichen. Dafür solle die Ausbildung der Bau-Azubis in Sondershausen konzentriert werden. Gegen diese Pläne hatten sich die Landräte der betroffenen Kreise sowie Gewerkschaften stark gemacht.
Autor: nnz

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