Beim Handwerk angekommen
Montag, 30. April 2007, 07:21 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft hat auch dem Thüringer Handwerk einen Konjunkturfrühling beschert. Seit langem ist das Handwerk nicht mehr so zuversichtlich in ein neues Jahr gestartet. Die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage hat die nnz für Sie aufbereitet.
Das beste Ergebnis einer Frühjahrsumfrage seit über zehn Jahren zeugt von einem deutlich verbesserten Geschäftsklima der Betriebe. Steigende Umsätze und optimistische Grundstimmung finden laut Umfrage allerdings noch keinen positiven Niederschlag in der Beschäftigtenentwicklung. Die Handwerkskammer hofft aber, dass mit einer weiteren Stabilisierung der Konjunktur und entsprechender Auftragsentwicklung die Betriebe ab dem 3. Quartal - stärker als heute prognostiziert - Einstellungen vornehmen werden.
"Wir sind optimistisch, aber nicht überschwänglich, was die künftige wirtschaftliche Entwicklung hier in Deutschland und damit auch die Handwerkswirtschaft angeht. Jetzt sollten sich alle politischen Entscheidungen darauf konzentrieren, diesen Konjunkturschwung aufzugreifen und zu verstetigen," erläutert Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt. "Reformen wie die Unternehmenssteuerreform oder die Reform der Erbschaftssteuer sollten vor allem dort ankommen, wo sie den stärksten Nutzen erzielen können, nämlich bei den kleinen und mittleren Betrieben."
Konjunkturumfrage konkret
Der Aufschwung des vergangenen Jahres wirkte über den Jahreswechsel hinweg und sorgt trotz aller Unsicherheiten über künftige Belastungen aus Steuern und Sozialabgaben für eine optimistische Grundstimmung im Handwerk. Insgesamt bewerteten 72 Prozent aller befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Dies sind knapp 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit festigte sich der seit 2006 festzustellende positive Trend, der sich im Konjunkturklima-Index widerspiegelt.
Zum positiven Stimmungsbild tragen alle Branchen – wenn auch stark differenziert – bei. Die zum Ende des vergangenen Jahres überzeichnete Nachfrage infolge der angekündigten Mehrwertsteuererhöhung verschaffte den Bau- und Ausbaubetrieben Auftragsreserven. Zudem fiel die saisonübliche Eintrübung der Geschäftsaktivitäten dank des milden Winters nur gering aus.
Das nächste Quartal ist von Zuversicht geprägt. 85 Prozent aller Betriebe hoffen auf eine anhaltend gute oder befriedigende Geschäftslage, steigende Umsätze und hohe Betriebsauslastung. Nennenswerte Beschäftigungseffekte wird es allerdings nicht geben. Nur jeder zehnte Betrieb möchte Mitarbeiter einstellen, Auftragsspitzen werden offensichtlich auch im Handwerk zunehmend mit Zeitarbeitskräften bewältigt. Für steigende Beschäftigungszahlen braucht das überwiegend regional agierende Handwerk ein stabiles wirtschaftliches Umfeld mit langfristiger Perspektive.
Während die handwerklichen Zulieferer vom dynamischen Industriewachstum profitieren und 82 Prozent dieser Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend bezeichnen, sind jeweils 60 Prozent der von Binnennachfrage und privatem Konsum abhängigen Handwerksbetriebe des KFZ-Gewerbes, der Gesundheitsberufe und personenbezogenen Dienstleister mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Diese Werte liegen deutlich über denen der Vergleichsquartale der Vorjahre. Allerdings mussten diese Betriebe nach den recht zufriedenstellenden Werten der Herbstumfrage stärkere Umsatzeinbußen hinnehmen - deutliches Indiz für vorgezogene, größere Ausgaben bis zum Jahresende, um die Erhöhung der Mehrwertsteuer noch zu umgehen.
Erfreulich ist die Entwicklung im Nahrungsmittelhandwerk
77 Prozent dieser Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Nach den wesentlich niedrigeren Umfragewerten der vergangenen Jahre zeichnet sich offensichtlich eine Konsolidierung der Lage ab. Leider folgen die Beschäftigtenzahlen dieser insgesamt guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht. Neun Prozent aller Betriebe stellten Mitarbeiter ein, 17 Prozent mussten ihren Personalbestand verringern. Damit bleibt der Saldo negativ. Investitionsabsichten in allen Branchen lassen nach der Zurückhaltung in den vergangenen Jahren auf längst fällige Modernisierungsmaßnahmen und angesichts gestiegener Betriebsauslastung auf notwendige Kapazitätserweiterungen schließen.
Hohe Energiekosten sowie steigende Rohstoff- und Beschaffungspreise dämpfen nach wie vor die Hoffnung auf eine spürbar bessere Ertragslage, denn nur die wenigsten Betriebe können höhere Verkaufspreise bei den Kunden durchsetzen.
Autor: nnzDas beste Ergebnis einer Frühjahrsumfrage seit über zehn Jahren zeugt von einem deutlich verbesserten Geschäftsklima der Betriebe. Steigende Umsätze und optimistische Grundstimmung finden laut Umfrage allerdings noch keinen positiven Niederschlag in der Beschäftigtenentwicklung. Die Handwerkskammer hofft aber, dass mit einer weiteren Stabilisierung der Konjunktur und entsprechender Auftragsentwicklung die Betriebe ab dem 3. Quartal - stärker als heute prognostiziert - Einstellungen vornehmen werden.
"Wir sind optimistisch, aber nicht überschwänglich, was die künftige wirtschaftliche Entwicklung hier in Deutschland und damit auch die Handwerkswirtschaft angeht. Jetzt sollten sich alle politischen Entscheidungen darauf konzentrieren, diesen Konjunkturschwung aufzugreifen und zu verstetigen," erläutert Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt. "Reformen wie die Unternehmenssteuerreform oder die Reform der Erbschaftssteuer sollten vor allem dort ankommen, wo sie den stärksten Nutzen erzielen können, nämlich bei den kleinen und mittleren Betrieben."
Konjunkturumfrage konkret
Der Aufschwung des vergangenen Jahres wirkte über den Jahreswechsel hinweg und sorgt trotz aller Unsicherheiten über künftige Belastungen aus Steuern und Sozialabgaben für eine optimistische Grundstimmung im Handwerk. Insgesamt bewerteten 72 Prozent aller befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Dies sind knapp 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit festigte sich der seit 2006 festzustellende positive Trend, der sich im Konjunkturklima-Index widerspiegelt.
Zum positiven Stimmungsbild tragen alle Branchen – wenn auch stark differenziert – bei. Die zum Ende des vergangenen Jahres überzeichnete Nachfrage infolge der angekündigten Mehrwertsteuererhöhung verschaffte den Bau- und Ausbaubetrieben Auftragsreserven. Zudem fiel die saisonübliche Eintrübung der Geschäftsaktivitäten dank des milden Winters nur gering aus.
Das nächste Quartal ist von Zuversicht geprägt. 85 Prozent aller Betriebe hoffen auf eine anhaltend gute oder befriedigende Geschäftslage, steigende Umsätze und hohe Betriebsauslastung. Nennenswerte Beschäftigungseffekte wird es allerdings nicht geben. Nur jeder zehnte Betrieb möchte Mitarbeiter einstellen, Auftragsspitzen werden offensichtlich auch im Handwerk zunehmend mit Zeitarbeitskräften bewältigt. Für steigende Beschäftigungszahlen braucht das überwiegend regional agierende Handwerk ein stabiles wirtschaftliches Umfeld mit langfristiger Perspektive.
Während die handwerklichen Zulieferer vom dynamischen Industriewachstum profitieren und 82 Prozent dieser Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend bezeichnen, sind jeweils 60 Prozent der von Binnennachfrage und privatem Konsum abhängigen Handwerksbetriebe des KFZ-Gewerbes, der Gesundheitsberufe und personenbezogenen Dienstleister mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Diese Werte liegen deutlich über denen der Vergleichsquartale der Vorjahre. Allerdings mussten diese Betriebe nach den recht zufriedenstellenden Werten der Herbstumfrage stärkere Umsatzeinbußen hinnehmen - deutliches Indiz für vorgezogene, größere Ausgaben bis zum Jahresende, um die Erhöhung der Mehrwertsteuer noch zu umgehen.
Erfreulich ist die Entwicklung im Nahrungsmittelhandwerk
77 Prozent dieser Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Nach den wesentlich niedrigeren Umfragewerten der vergangenen Jahre zeichnet sich offensichtlich eine Konsolidierung der Lage ab. Leider folgen die Beschäftigtenzahlen dieser insgesamt guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht. Neun Prozent aller Betriebe stellten Mitarbeiter ein, 17 Prozent mussten ihren Personalbestand verringern. Damit bleibt der Saldo negativ. Investitionsabsichten in allen Branchen lassen nach der Zurückhaltung in den vergangenen Jahren auf längst fällige Modernisierungsmaßnahmen und angesichts gestiegener Betriebsauslastung auf notwendige Kapazitätserweiterungen schließen.
Hohe Energiekosten sowie steigende Rohstoff- und Beschaffungspreise dämpfen nach wie vor die Hoffnung auf eine spürbar bessere Ertragslage, denn nur die wenigsten Betriebe können höhere Verkaufspreise bei den Kunden durchsetzen.
Downloads:
- Konjunktur in Zahlen (145 kByte)
