Keine Gewinner
Dienstag, 24. April 2007, 09:02 Uhr
Nordhausen (nnz). Vor einem Jahr stand die Nobas in Nordhausen in negativen Schlagzeilen: Insolvenz einer GmbH, Klagen vor dem Arbeitsgericht. Was ist daraus geworden? Die nnz mit Versuch einer Bestandsaufnahme.
Günter Papenburg, der Mann, dem die Nobas in Nordhausen gehört, war gestern in München. Dort findet derzeit die BAUMA, die weltgrößte Baumaschinenmesse statt. Papenburg telefonierte mit seinem Vor-Ort-Geschäftsführer Aribert Kupsch und hatte eigentlich gute Laune. Das kam in den zurückliegenden Monaten so oft nicht vor, wenn sich der Hannoveraner mit Nordhausen beschäftigen musste.
In München bietet die Nobas die gesamte Palette ihrer Grader an, von 7,5 bis 23 Tonnen, auch komplett neue Produkte sind zu finden. Der wirtschaftliche Aufschwung macht natürlich auch um uns keinen Bogen, sinniert Kupsch in seinem Büro mit dem aparten DDR-Charme. Trotzdem: Die Arbeit der Nordhäuser, die Qualität, die hier in die Grader gesteckt wird, die hat sich herumgesprochen. Die Auftragsbücher sind voll, wir könnten mehr produzieren, meint Kupsch. Motorgrader aus Nordhausen wälzen sich nicht nur in Deutschland oder Österreich über zu bauende Straßen, sie verrichten ihre Dienste unter anderem in amerikanischen Staaten, in Kenia oder in Ghana.
Fragt man Aribert Kupsch nicht nur nach Umsatz, sondern auch nach dem Gewinn, dann wird der Mann vorsichtig: Wir rechnen mit dem spitzen Bleistift, haben mit Preiserhöhungen im Energiebereich, vor allem aber bei den Zulieferern zu leben, die quasi am Markt eine Monopolstellung haben. Hinzu kommt der Umstand, dass die Nobas natürlich nicht die Kapazitäten abnimmt, wie die Giganten am Markt.
In diesem Jahr sollen in Nordhausen 180 Maschinen vom Band rollen. Eigentlich sollte es ein Grader pro Werktag sein. Doch Kupsch, der 62jährige, ist vorsichtig. Noch sind die Wogen Arbeitskämpfe und –verfahren in der Rothenburgstraße nicht geglättet. An den Arbeitsgerichten nehmen die Klagen und die folgenden Prozesse mittlerweile Formen an, die Stoff für mehrere juristische Fachbücher liefern könnten. Vielleicht aber können wir die Probleme kurzfristig lösen, sagt Aribert Kupsch zaghaft. Für ihn wie für die Arbeitnehmerseite ist es wichtig, klare Fronten zu bekommen. Inzwischen gibt es eine Einigungsstelle, dort arbeiten beide Seiten konstruktiv an Lösungen.
Beiden Seiten haben ein gemeinsames Ziel: Die Produktion in Nordhausen soll über das Jahr 2007 weitergeführt werden. Noch gibt es die Aussage von Günter Papenburg: Ende 2007 ist Schluß! Kupsch weiß: Dann hätten wir nur Verlierer. Verlierer sind erst einmal die Kollegen, die in der einst ausgegliederten Spezialstahlbau GmbH arbeiteten. Deren Arbeitsplätze sind futsch, der Insolvenzverwalter hatte die Reißleine gezogen, die Kündigungen verkündet (nnz berichtete mehrfach). Die Maschinen stehen noch, sie gehören zur Konkursmasse, da hat der Verwalter seine Hände drauf.
Die Vorfertigung, die einst in der Spezialstahlbau GmbH zu finden war, die wurde an Unternehmen in Ungarn, der Slowakei und in der hiesigen Region vergeben. 93 Frauen und Männer arbeiten noch an der Rothenburgstraße. Ob sie nun geklagt haben oder nicht – ich zolle ihnen allen meinen persönlichen Respekt für die qualitativ ordentliche Arbeit, die sie tagtäglich abliefern. Mit ihnen möchte Aribert Kupsch für das Jahr 2008 planen. Macht er auch, aber er muss sich wie der Geschäftsführer eines Bundesligavereins verhalten, der sowohl für die erste Liga als auch für den Abstieg planen muss.
Die Zeit birgt viele Ungewißheiten. Wie Kupsch agiert derzeit auch die IG Metall in Nordhausen sehr behutsam. Keine Anwürfe von beiden Seiten, nur keinen Druck auf die andere Seite ausüben. Es steht viel auf dem Spiel – mehr als 90 Arbeitsplätze. In seinem Büro aus VEB-Zeiten träumt Aribert Kupsch indes von der Attraktivität des Nordhäuser Standortes. Der könnte vielleicht verkauft werden, mit allem drum und dran. Unser Produkt als solches hätten wir schon lange an einen Mitbewerber verkaufen können. Doch darum geht es nicht, wir müssen den Standort für einen Einstieg fit machen. Dazu gehört eine exzellente Infrastruktur, dazu gehören vor allem motivierte Mitarbeiter, die in vielen Dinge mit der Chefetage mitziehen können. Ich sehe einige Ansätze. Allerdings: Bislang gab es in den zurückliegenden Wochen und Monaten nur Verlierer, das ist schade.
Und was macht die insolvente Spezialstahlbau GmbH? Die Antwort kommt dazu aus Mühlhausen. Dort ist ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig, unter anderem wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Aber das ist eine andere Baustelle. Oder etwa nicht?
Autor: nnzGünter Papenburg, der Mann, dem die Nobas in Nordhausen gehört, war gestern in München. Dort findet derzeit die BAUMA, die weltgrößte Baumaschinenmesse statt. Papenburg telefonierte mit seinem Vor-Ort-Geschäftsführer Aribert Kupsch und hatte eigentlich gute Laune. Das kam in den zurückliegenden Monaten so oft nicht vor, wenn sich der Hannoveraner mit Nordhausen beschäftigen musste.
In München bietet die Nobas die gesamte Palette ihrer Grader an, von 7,5 bis 23 Tonnen, auch komplett neue Produkte sind zu finden. Der wirtschaftliche Aufschwung macht natürlich auch um uns keinen Bogen, sinniert Kupsch in seinem Büro mit dem aparten DDR-Charme. Trotzdem: Die Arbeit der Nordhäuser, die Qualität, die hier in die Grader gesteckt wird, die hat sich herumgesprochen. Die Auftragsbücher sind voll, wir könnten mehr produzieren, meint Kupsch. Motorgrader aus Nordhausen wälzen sich nicht nur in Deutschland oder Österreich über zu bauende Straßen, sie verrichten ihre Dienste unter anderem in amerikanischen Staaten, in Kenia oder in Ghana.
Fragt man Aribert Kupsch nicht nur nach Umsatz, sondern auch nach dem Gewinn, dann wird der Mann vorsichtig: Wir rechnen mit dem spitzen Bleistift, haben mit Preiserhöhungen im Energiebereich, vor allem aber bei den Zulieferern zu leben, die quasi am Markt eine Monopolstellung haben. Hinzu kommt der Umstand, dass die Nobas natürlich nicht die Kapazitäten abnimmt, wie die Giganten am Markt.
In diesem Jahr sollen in Nordhausen 180 Maschinen vom Band rollen. Eigentlich sollte es ein Grader pro Werktag sein. Doch Kupsch, der 62jährige, ist vorsichtig. Noch sind die Wogen Arbeitskämpfe und –verfahren in der Rothenburgstraße nicht geglättet. An den Arbeitsgerichten nehmen die Klagen und die folgenden Prozesse mittlerweile Formen an, die Stoff für mehrere juristische Fachbücher liefern könnten. Vielleicht aber können wir die Probleme kurzfristig lösen, sagt Aribert Kupsch zaghaft. Für ihn wie für die Arbeitnehmerseite ist es wichtig, klare Fronten zu bekommen. Inzwischen gibt es eine Einigungsstelle, dort arbeiten beide Seiten konstruktiv an Lösungen.
Beiden Seiten haben ein gemeinsames Ziel: Die Produktion in Nordhausen soll über das Jahr 2007 weitergeführt werden. Noch gibt es die Aussage von Günter Papenburg: Ende 2007 ist Schluß! Kupsch weiß: Dann hätten wir nur Verlierer. Verlierer sind erst einmal die Kollegen, die in der einst ausgegliederten Spezialstahlbau GmbH arbeiteten. Deren Arbeitsplätze sind futsch, der Insolvenzverwalter hatte die Reißleine gezogen, die Kündigungen verkündet (nnz berichtete mehrfach). Die Maschinen stehen noch, sie gehören zur Konkursmasse, da hat der Verwalter seine Hände drauf.
Die Vorfertigung, die einst in der Spezialstahlbau GmbH zu finden war, die wurde an Unternehmen in Ungarn, der Slowakei und in der hiesigen Region vergeben. 93 Frauen und Männer arbeiten noch an der Rothenburgstraße. Ob sie nun geklagt haben oder nicht – ich zolle ihnen allen meinen persönlichen Respekt für die qualitativ ordentliche Arbeit, die sie tagtäglich abliefern. Mit ihnen möchte Aribert Kupsch für das Jahr 2008 planen. Macht er auch, aber er muss sich wie der Geschäftsführer eines Bundesligavereins verhalten, der sowohl für die erste Liga als auch für den Abstieg planen muss.
Die Zeit birgt viele Ungewißheiten. Wie Kupsch agiert derzeit auch die IG Metall in Nordhausen sehr behutsam. Keine Anwürfe von beiden Seiten, nur keinen Druck auf die andere Seite ausüben. Es steht viel auf dem Spiel – mehr als 90 Arbeitsplätze. In seinem Büro aus VEB-Zeiten träumt Aribert Kupsch indes von der Attraktivität des Nordhäuser Standortes. Der könnte vielleicht verkauft werden, mit allem drum und dran. Unser Produkt als solches hätten wir schon lange an einen Mitbewerber verkaufen können. Doch darum geht es nicht, wir müssen den Standort für einen Einstieg fit machen. Dazu gehört eine exzellente Infrastruktur, dazu gehören vor allem motivierte Mitarbeiter, die in vielen Dinge mit der Chefetage mitziehen können. Ich sehe einige Ansätze. Allerdings: Bislang gab es in den zurückliegenden Wochen und Monaten nur Verlierer, das ist schade.
Und was macht die insolvente Spezialstahlbau GmbH? Die Antwort kommt dazu aus Mühlhausen. Dort ist ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig, unter anderem wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Aber das ist eine andere Baustelle. Oder etwa nicht?
