Jetzt ist es raus
Montag, 23. April 2007, 16:26 Uhr
Nordhausen (nnz). Um dem demografischen Wandel in Nordhausen in den kommenden Jahren die politische Stirn zu bieten, nimmt die Rathausspitze junge Frauen ins Visier. Begründet wird das mit dem philosophischen Satz: Frauen, die einmal abgewandert sind, bekommen auch ihre Kinder nicht in Nordhausen - das hat weit reichende Folgen....
Die das sagte ist Nordhausens Bau- und Wirtschaftsdezernentin Inge Klaan beim Stadtkongress zum demografischen Wandel in der Nordhäuser Fachhochschule. Deshalb sei es Aufgabe von Wirtschaft und Gesellschaft, Frauen attraktive Angebote zum Hierbleiben in Nordhausen zu machen, so Frau Klaan.
In ihrem Vortrag sagte Frau Klaan, das Nordhausen zwischen 1998 und 2004 einen Bevölkerungsrückgang um 2298 Einwohner hatte. Dieser Rückgang setze sich zu fast gleichen Teilen aus dem Negativ-Saldo von Zuwanderung und Abwanderung - minus 1142 Einwohner - und von Strebeüberüberschuss zu Geburten mit einem Minus von 1156 Einwohnern zusammen. Sollte die Prognose zutreffen, werde Nordhausen bis zum Jahr 2020 weitere 4400 Einwohner verlieren. Die Hauptursache dafür werde in der geringen Zahl der Geburten (im Durchschnitt 307 pro Jahr) gegenüber der hohen Zahl der Gestorbenen (566 Personen pro Jahr) liegen - und nicht mehr in der Abwanderung, so Frau Klaan. Der Wanderungsverlust wird den Bevölkerungsrückgang bis 2020 nur unwesentlich bestimmen. Ab 2014 können wir von einem positiven Wanderungssaldo ausgehen.
Allerdings schlage auch dann negativ zu Buche, dass der Wanderungsverlust der Vorjahre vor allem von Frauen im gebärfähigen Alter und den mitwandernden Kindern dominiert wird. Dies werde zu einer weiteren Überalterung der Nordhäuser Bevölkerung führen.
Trotz des jahrelangen Rückgangs der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter habe sich die Zahl der Geburten seit 2000 stabilisiert und mit statistischen 1,4 Kindern pro Frau an das Niveau der alten Bundesländer angepasst.
Ebenfalls habe es Verschiebungen bei den Altersgruppen der Nordhäuser Bevölkerung gegeben: 1990 gab es noch 9914 Kinder, deren Zahl bis zum Jahr 2005 auf 4335 gesunken ist. Bis 2020 wird diese Zahl auf rund 4530 wieder steigen, sagte Frau Klaan. Der Anteil der Rentner habe zwischen 1990 und 2005 um 2692 zugenommen und werde bis 2020 nochmals um 983 ansteigen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung bedeute dies, dass sich die Zahl der Ruheständler verdoppeln werde auf ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der unter 15-jährigen werde sich dem gegenüber halbieren auf einen Anteil von 11 Prozent an der Gesamtbevölkerung, bei der Altersgruppe der 6- bis 18-jährigen werde der niedrigste Wert 2008 erreicht. Der Grund dafür sei der starke Geburtenrückgang zwischen 1989 und 1995. Eine Stabilisierung werde es - wie auch bei der Gruppe der bis 6-jährigen - bis zum Jahr 2020 geben.
Vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort gewandelt
Nordhausen hat sich seit 1989 von einem Industrie- zu einem Dienstleistungsstandort gewandelt. Insgesamt habe Nordhausen seit 1989 die Hälfte sämtlicher Arbeitsplätze verloren. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass Nordhausen eine hohe Arbeitsplatzzentralität hatte und immer noch hat. Hier konzentrieren sich die meisten Arbeitsplätze der Region."
Den größten absoluten Rückgang der Zahl der Arbeitsplätze habe es seit 1989 im Bereich des produzierenden Gewerbes bzw. der Industrie sowie der Bauwirtschaft gegeben. Prozentual am größten sei der Rückgang der Arbeitsplätze mit einem Minus von 90 Prozent bei Landwirtschaft und Bergbau gewesen. Im Bereich von Handel, Dienstleistung, Banken und Versicherungen sei der Rückgang mit 17 Prozent am geringsten ausgefallen. Nur wenn es gelingt, eine moderne Wirtschaftsstruktur mit einem hohen Wachstumspotential zu entwickeln, wird es möglich, den demografisch bedingten Erosionsprozess (insbesondere durch negative Wanderungssalden) zu mildern und auch finanzpolitische Spielräume zu gewinnen, um weitere staatliche Maßnahmen zum Gegensteuern zu finanzieren, sagte die Dezernentin. Die Nordhäuser Wirtschaft sollte sich hierbei auch auf überregionale und ausländische Märkte ausrichten und versuchen, in Regionen wettbewerbsfähiger zu werden, die nicht so stark dem demografischen Wandel unterliegen.
Da die Gewinnung von Fachkräften außerhalb Thüringens schwerer sei als die Nutzung des vorhandenen einheimischen Potentials, muss der Abwanderung entgegengewirkt werden, um auch ein Absinken der Innovationskraft zu verhindern, appellierte die Dezernentin. Die personalpolitischen Handlungsmöglichkeiten der Unternehmen würden in den kommenden Jahren durch den starken Rückgang der Schulabgängerzahlen eingeschränkt. Dadurch wird die Konkurrenz um gut ausgebildete Fachkräfte zunehmen, sagte Frau Klaan.
Als mögliche Handlungsoptionen nannte Frau Klaan die folgenden Punkte:
Die Schaffung von Anreiz- und attraktiven Entlohnungssystemen; Entwicklung der eigenen beruflichen Erstausbildung auch in Kooperation mit anderen interessierten Unternehmen;
die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter; das Überdenken der jugendzentrierten Unternehmensleitbilder;
die Einbeziehung der älteren Arbeitnehmer in die Weiterbildungsmaßnahmen;
Entwicklung neuer Formen der Mitarbeiterbeteiligung und das Bereitstellen von Wiedereingliederungsmaßnahmen von Frauen und Männern nach der Familienpause.
Bei all diesen Maßnahmen ist der hohen Erwerbsbeteiligung von Jugendlichen höchste Priorität einzuräumen.
Autor: nnzDie das sagte ist Nordhausens Bau- und Wirtschaftsdezernentin Inge Klaan beim Stadtkongress zum demografischen Wandel in der Nordhäuser Fachhochschule. Deshalb sei es Aufgabe von Wirtschaft und Gesellschaft, Frauen attraktive Angebote zum Hierbleiben in Nordhausen zu machen, so Frau Klaan.
In ihrem Vortrag sagte Frau Klaan, das Nordhausen zwischen 1998 und 2004 einen Bevölkerungsrückgang um 2298 Einwohner hatte. Dieser Rückgang setze sich zu fast gleichen Teilen aus dem Negativ-Saldo von Zuwanderung und Abwanderung - minus 1142 Einwohner - und von Strebeüberüberschuss zu Geburten mit einem Minus von 1156 Einwohnern zusammen. Sollte die Prognose zutreffen, werde Nordhausen bis zum Jahr 2020 weitere 4400 Einwohner verlieren. Die Hauptursache dafür werde in der geringen Zahl der Geburten (im Durchschnitt 307 pro Jahr) gegenüber der hohen Zahl der Gestorbenen (566 Personen pro Jahr) liegen - und nicht mehr in der Abwanderung, so Frau Klaan. Der Wanderungsverlust wird den Bevölkerungsrückgang bis 2020 nur unwesentlich bestimmen. Ab 2014 können wir von einem positiven Wanderungssaldo ausgehen.
Allerdings schlage auch dann negativ zu Buche, dass der Wanderungsverlust der Vorjahre vor allem von Frauen im gebärfähigen Alter und den mitwandernden Kindern dominiert wird. Dies werde zu einer weiteren Überalterung der Nordhäuser Bevölkerung führen.
Trotz des jahrelangen Rückgangs der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter habe sich die Zahl der Geburten seit 2000 stabilisiert und mit statistischen 1,4 Kindern pro Frau an das Niveau der alten Bundesländer angepasst.
Ebenfalls habe es Verschiebungen bei den Altersgruppen der Nordhäuser Bevölkerung gegeben: 1990 gab es noch 9914 Kinder, deren Zahl bis zum Jahr 2005 auf 4335 gesunken ist. Bis 2020 wird diese Zahl auf rund 4530 wieder steigen, sagte Frau Klaan. Der Anteil der Rentner habe zwischen 1990 und 2005 um 2692 zugenommen und werde bis 2020 nochmals um 983 ansteigen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung bedeute dies, dass sich die Zahl der Ruheständler verdoppeln werde auf ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der unter 15-jährigen werde sich dem gegenüber halbieren auf einen Anteil von 11 Prozent an der Gesamtbevölkerung, bei der Altersgruppe der 6- bis 18-jährigen werde der niedrigste Wert 2008 erreicht. Der Grund dafür sei der starke Geburtenrückgang zwischen 1989 und 1995. Eine Stabilisierung werde es - wie auch bei der Gruppe der bis 6-jährigen - bis zum Jahr 2020 geben.
Vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort gewandelt
Nordhausen hat sich seit 1989 von einem Industrie- zu einem Dienstleistungsstandort gewandelt. Insgesamt habe Nordhausen seit 1989 die Hälfte sämtlicher Arbeitsplätze verloren. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass Nordhausen eine hohe Arbeitsplatzzentralität hatte und immer noch hat. Hier konzentrieren sich die meisten Arbeitsplätze der Region."
Den größten absoluten Rückgang der Zahl der Arbeitsplätze habe es seit 1989 im Bereich des produzierenden Gewerbes bzw. der Industrie sowie der Bauwirtschaft gegeben. Prozentual am größten sei der Rückgang der Arbeitsplätze mit einem Minus von 90 Prozent bei Landwirtschaft und Bergbau gewesen. Im Bereich von Handel, Dienstleistung, Banken und Versicherungen sei der Rückgang mit 17 Prozent am geringsten ausgefallen. Nur wenn es gelingt, eine moderne Wirtschaftsstruktur mit einem hohen Wachstumspotential zu entwickeln, wird es möglich, den demografisch bedingten Erosionsprozess (insbesondere durch negative Wanderungssalden) zu mildern und auch finanzpolitische Spielräume zu gewinnen, um weitere staatliche Maßnahmen zum Gegensteuern zu finanzieren, sagte die Dezernentin. Die Nordhäuser Wirtschaft sollte sich hierbei auch auf überregionale und ausländische Märkte ausrichten und versuchen, in Regionen wettbewerbsfähiger zu werden, die nicht so stark dem demografischen Wandel unterliegen.
Da die Gewinnung von Fachkräften außerhalb Thüringens schwerer sei als die Nutzung des vorhandenen einheimischen Potentials, muss der Abwanderung entgegengewirkt werden, um auch ein Absinken der Innovationskraft zu verhindern, appellierte die Dezernentin. Die personalpolitischen Handlungsmöglichkeiten der Unternehmen würden in den kommenden Jahren durch den starken Rückgang der Schulabgängerzahlen eingeschränkt. Dadurch wird die Konkurrenz um gut ausgebildete Fachkräfte zunehmen, sagte Frau Klaan.
Als mögliche Handlungsoptionen nannte Frau Klaan die folgenden Punkte:
Die Schaffung von Anreiz- und attraktiven Entlohnungssystemen; Entwicklung der eigenen beruflichen Erstausbildung auch in Kooperation mit anderen interessierten Unternehmen;
die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter; das Überdenken der jugendzentrierten Unternehmensleitbilder;
die Einbeziehung der älteren Arbeitnehmer in die Weiterbildungsmaßnahmen;
Entwicklung neuer Formen der Mitarbeiterbeteiligung und das Bereitstellen von Wiedereingliederungsmaßnahmen von Frauen und Männern nach der Familienpause.
Bei all diesen Maßnahmen ist der hohen Erwerbsbeteiligung von Jugendlichen höchste Priorität einzuräumen.
