Insolvenzen und andere Kleinigkeiten
Dienstag, 05. Februar 2002, 11:37 Uhr
Nordhausen (nnz). Es ist in unserem Landkreis eigentlich alles klar definiert. Auch die Verantwortlichkeit für die Wirtschaftsförderung. Meistens ist sie Chefsache, manchmal auch Sache der Medien.
Die Medien sind immer dann gefragt, wenn es darum geht, Erfolgsmeldungen zu verkünden. Betriebstättenerweiterungen, hohe Besuche aus der Politik, Übergabe von Auszeichnungen und andere Highlights. Mitunter lassen sich Unternehmen und deren Geschäftsleitungen auch noch dazu hinreißen, auf die kommunale oder bundesrepublikanische Politik herumzureiten. Vor allem, wenn es um fehlende Unterstützungen, sprich Rahmenbedingungen geht.
Nun gibt es in manchen Unternehmen, wie überall im Leben, auch Meldungen, die mal nicht so erfreulich sind. Die aber doch in die Öffentlichkeit gelangen: Über die Mitarbeiter, die vielleicht schon fast drei Monate kein Gehalt gesehen haben, über Gewerkschaften, die immer skeptisch sind, an Stammtischen oder über öffentliche Bekanntmachungen im Insolvenzteil der Tagszeitung.
Fragen da Medien bei den betroffenen Unternehmen nach und bitten um Informationen, dann wird erst einmal dicht gemacht. Entweder schließen sich die Schotten gänzlich oder es wird abgewiegelt. Manchmal bittet man auch um Verständnis. So ging es der nnz in der noch jungen Woche in gleich zwei Fällen. Zum einen handelt es sich um ein Unternehmen der Metallbranche. Da läuft es schon seit Jahren nicht richtig rund, gucken die Mitarbeiter dumm in die Lohntüte. In den zurückliegenden drei Monate gab es überhaupt nichts zu gucken. Liquiditätsprobleme, so sagen die Geschäftsführer. Missmanagement nennen es die Gewerkschaften. Mitte Februar soll es eine entscheidende Runde mit den Banken geben. Seit Monaten versucht das Unternehmen Gewerbesteuerzahlungen bei der Stadt stunden zu lassen, mit Erfolg. Energierechnungen konnten nicht beglichen werden, da ließ dann auch die EVN mit sich reden. Zahlungsmodalitäten wurden vereinbart. Auch hierauf hatte die Stadtverwaltung einen nicht unwesentlichen Einfluß. Zum Strohhalm sind dann plötzlich die geworden, die noch vor einiger Zeit wegen mangelhafter Wirtschaftsförderung kritisiert wurden.
Gegen ein anderes, sehr innovatives Unternehmen, ist vor kurzem der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden. Das sei aus Sicht des betroffenen Unternehmens fast ein Versehen gewesen. Das wird wieder hingebogen. Mitte des Monats gibt es ein Gespräch mit dem Antragsteller, einer Krankenkasse.
Und nun sind wieder die Medien gefragt. Bitte, bitte veröffentlichen Sie nichts über unser Unternehmen, wird fast gefleht. Negative Nachrichten sind mitunter tödlich. Das ist richtig! Aber nicht der Überbringer der negativen Nachricht ist der eigentlich Böse, sondern der Verursacher. Und der Medienkonsument hat schließlich ein Recht auf Informationen, auf gute und weniger gute Nachrichten. Die Zeit der ausschließlichen Vermittlung von guten Nachrichten ist seit über zehn Jahren vorbei.
Trotzdem wird sich die nnz in der detaillierten Berichterstattung über die beiden betroffenen Unternehmen in Zurückhaltung üben. Befristet. Bis dahin schließen wir uns der Stadt an und betreiben indirekte Wirtschaftsförderung.
Autor: nnzDie Medien sind immer dann gefragt, wenn es darum geht, Erfolgsmeldungen zu verkünden. Betriebstättenerweiterungen, hohe Besuche aus der Politik, Übergabe von Auszeichnungen und andere Highlights. Mitunter lassen sich Unternehmen und deren Geschäftsleitungen auch noch dazu hinreißen, auf die kommunale oder bundesrepublikanische Politik herumzureiten. Vor allem, wenn es um fehlende Unterstützungen, sprich Rahmenbedingungen geht.
Nun gibt es in manchen Unternehmen, wie überall im Leben, auch Meldungen, die mal nicht so erfreulich sind. Die aber doch in die Öffentlichkeit gelangen: Über die Mitarbeiter, die vielleicht schon fast drei Monate kein Gehalt gesehen haben, über Gewerkschaften, die immer skeptisch sind, an Stammtischen oder über öffentliche Bekanntmachungen im Insolvenzteil der Tagszeitung.
Fragen da Medien bei den betroffenen Unternehmen nach und bitten um Informationen, dann wird erst einmal dicht gemacht. Entweder schließen sich die Schotten gänzlich oder es wird abgewiegelt. Manchmal bittet man auch um Verständnis. So ging es der nnz in der noch jungen Woche in gleich zwei Fällen. Zum einen handelt es sich um ein Unternehmen der Metallbranche. Da läuft es schon seit Jahren nicht richtig rund, gucken die Mitarbeiter dumm in die Lohntüte. In den zurückliegenden drei Monate gab es überhaupt nichts zu gucken. Liquiditätsprobleme, so sagen die Geschäftsführer. Missmanagement nennen es die Gewerkschaften. Mitte Februar soll es eine entscheidende Runde mit den Banken geben. Seit Monaten versucht das Unternehmen Gewerbesteuerzahlungen bei der Stadt stunden zu lassen, mit Erfolg. Energierechnungen konnten nicht beglichen werden, da ließ dann auch die EVN mit sich reden. Zahlungsmodalitäten wurden vereinbart. Auch hierauf hatte die Stadtverwaltung einen nicht unwesentlichen Einfluß. Zum Strohhalm sind dann plötzlich die geworden, die noch vor einiger Zeit wegen mangelhafter Wirtschaftsförderung kritisiert wurden.
Gegen ein anderes, sehr innovatives Unternehmen, ist vor kurzem der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden. Das sei aus Sicht des betroffenen Unternehmens fast ein Versehen gewesen. Das wird wieder hingebogen. Mitte des Monats gibt es ein Gespräch mit dem Antragsteller, einer Krankenkasse.
Und nun sind wieder die Medien gefragt. Bitte, bitte veröffentlichen Sie nichts über unser Unternehmen, wird fast gefleht. Negative Nachrichten sind mitunter tödlich. Das ist richtig! Aber nicht der Überbringer der negativen Nachricht ist der eigentlich Böse, sondern der Verursacher. Und der Medienkonsument hat schließlich ein Recht auf Informationen, auf gute und weniger gute Nachrichten. Die Zeit der ausschließlichen Vermittlung von guten Nachrichten ist seit über zehn Jahren vorbei.
Trotzdem wird sich die nnz in der detaillierten Berichterstattung über die beiden betroffenen Unternehmen in Zurückhaltung üben. Befristet. Bis dahin schließen wir uns der Stadt an und betreiben indirekte Wirtschaftsförderung.
