Schuhe oder Bahn?
Mittwoch, 11. April 2007, 17:51 Uhr
Nordhausen (nnz). Über die Zukunft des Nordhäuser Theaters scheint man in der Verwaltung dieser Stadt nicht allzu gerne zu diskutieren, es gibt klare Vorgaben. Jedenfalls wurde das in der heutigen Hauptausschusssitzung dem Publikum so mitgeteilt. Und dennoch kam es anders als erwünscht.
Die Diskussion zu zwei Beschlussvorlagen stand auf der Tagesordnung. Zum einen die sich in der ersten Lesung befindliche Vereinbarung mit dem Land Thüringen zur künftigen Finanzierung des Musentempels, zum anderen eine Vorlage, die es vermutlich noch gar nicht gibt, zumindest nicht in Schriftform. Wie Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) den Mitgliedern des Hauptausschusses mitteilte, habe sich Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) schon Gedanken zur Finanzierung der bedrohten Ballettsparte gemacht. 300.000 Euro zusätzlich soll der Stadtverwaltung Nordhausen und damit vermutlich auch den über 40.000 Bürgern die Ballettkompanie ab dem Jahr 2009 wert sein.
Exakt um diesen Betrag soll der städtische Anteil an der künstlerisch-kulturellen GmbH aufgestockt werden. Und dazu soll bereits in diesen Tagen ein Beschluß her. Ziemlich schnell und weit vorausgedacht erschien das unter anderem Dr. Manfred Schröter (CDU). Er habe bei diesem vorauseilenden Gehorsam so seine Bauchschmerzen. Als Mitglied des Aufsichtsrates der Energieversorgung Nordhausen GmbH (EVN) wisse er, dass die Gewinnsituation des Unternehmens über zwei Jahre hinweg nicht kalkulierbar sein. Netzgebühren, staatliche Eingriffe im Energiebereich – all das mache eine Prognose nur schwer möglich.
Die Gewinne der EVN sind allerdings ein entscheidender Baustein im städtischen Finanzkonstrukt, denn über die Holding für Versorgung und Verkehr (HVV) werden der kommunale Personennahverkehr (Busse und Straßenbahn) sowie die Bäderbetriebe subventioniert. Bei einer Veränderung der Gewinnsituation seitens der EVN könnte es hier eine Schieflage geben, die sich massiv auf die Einnahmeseite der Stadtverwaltung auswirken könne. Schon deshalb solle man sich nicht so frühzeitig auf eine Erhöhung der Zuschüsse für das Theater festlegen.
Überhaupt wolle Dr. Schröter wissen, welchen Anteil die Theaterzuschüsse an den Gesamtausgaben für Kultur und Sport in Nordhausen einnehmen und wie sich die Verteilung in den vergangenen zehn Jahren entwickelt habe. Auch ein Vergleich mit anderen Städten in Thüringen wäre eventuelle hilfreich. Einem möglichen Ergebnis eines solchen Zahlenspiels baute Matthias Jendricke schon mal vor. Die Masse der Kulturausgaben in Nordhausen geht ins Theater, da sind wir sicherlich Spitze in Thüringen.
Volker Fütterer (SPD) mahnte an, nach der Euphorie der Proteste im vergangenen Jahr nicht zu vergessen zu hinterfragen, welche Akzeptanz das Theater unter der Masse der Nordhäuser Bürger überhaupt habe und Sven Lutze (CDU) schob nach: Die Solidarität muss Grenzen haben, und scheinbar ist eine Grenze erreicht. Wir könnten Sportvereinen, Kulturgruppen und anderen kulturellen Einrichtungen in Nordhausen kaum vermitteln, wenn sie weniger Unterstützung erfahren würden, nur weil das Theater mehr Geld benötige. Man könne nicht auf der einen Seite einen großen Batzen vergrößern, auf der anderen Seite den kleinen Happen weiter auszehren.
Schließlich versuchte Bürgermeister Jendricke zu beschwichtigen, in dem er auf eine kommende Veränderung des kommunalen Finanzausgleiches orakelte. Vielleicht erhalten ja Städte wie Nordhausen wieder einen Sonderbonus, weil sie sich für ihr Theater so engagieren. Vielleicht...
Vor 15 Jahren titelte die damalige Nordhäuser Zeitung: Ballettschuhe oder Straßenbahn? Aktueller kann diese Fragestellung auch heute nicht sein. Es kommt auf die gewählten Stadträte an, wie sie beantwortet werden soll. Vielleicht ist ja ein Miteinander möglich. Fakt ist aber auch – sollte sich auf der Einnahmeseite im städtischen Haushalt nichts ändern, die zusätzlichen 300.000 Euro müssen irgendwo herkommen. Auch das muss dann gesagt werden...
Autor: nnzDie Diskussion zu zwei Beschlussvorlagen stand auf der Tagesordnung. Zum einen die sich in der ersten Lesung befindliche Vereinbarung mit dem Land Thüringen zur künftigen Finanzierung des Musentempels, zum anderen eine Vorlage, die es vermutlich noch gar nicht gibt, zumindest nicht in Schriftform. Wie Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) den Mitgliedern des Hauptausschusses mitteilte, habe sich Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) schon Gedanken zur Finanzierung der bedrohten Ballettsparte gemacht. 300.000 Euro zusätzlich soll der Stadtverwaltung Nordhausen und damit vermutlich auch den über 40.000 Bürgern die Ballettkompanie ab dem Jahr 2009 wert sein.
Exakt um diesen Betrag soll der städtische Anteil an der künstlerisch-kulturellen GmbH aufgestockt werden. Und dazu soll bereits in diesen Tagen ein Beschluß her. Ziemlich schnell und weit vorausgedacht erschien das unter anderem Dr. Manfred Schröter (CDU). Er habe bei diesem vorauseilenden Gehorsam so seine Bauchschmerzen. Als Mitglied des Aufsichtsrates der Energieversorgung Nordhausen GmbH (EVN) wisse er, dass die Gewinnsituation des Unternehmens über zwei Jahre hinweg nicht kalkulierbar sein. Netzgebühren, staatliche Eingriffe im Energiebereich – all das mache eine Prognose nur schwer möglich.
Die Gewinne der EVN sind allerdings ein entscheidender Baustein im städtischen Finanzkonstrukt, denn über die Holding für Versorgung und Verkehr (HVV) werden der kommunale Personennahverkehr (Busse und Straßenbahn) sowie die Bäderbetriebe subventioniert. Bei einer Veränderung der Gewinnsituation seitens der EVN könnte es hier eine Schieflage geben, die sich massiv auf die Einnahmeseite der Stadtverwaltung auswirken könne. Schon deshalb solle man sich nicht so frühzeitig auf eine Erhöhung der Zuschüsse für das Theater festlegen.
Überhaupt wolle Dr. Schröter wissen, welchen Anteil die Theaterzuschüsse an den Gesamtausgaben für Kultur und Sport in Nordhausen einnehmen und wie sich die Verteilung in den vergangenen zehn Jahren entwickelt habe. Auch ein Vergleich mit anderen Städten in Thüringen wäre eventuelle hilfreich. Einem möglichen Ergebnis eines solchen Zahlenspiels baute Matthias Jendricke schon mal vor. Die Masse der Kulturausgaben in Nordhausen geht ins Theater, da sind wir sicherlich Spitze in Thüringen.
Volker Fütterer (SPD) mahnte an, nach der Euphorie der Proteste im vergangenen Jahr nicht zu vergessen zu hinterfragen, welche Akzeptanz das Theater unter der Masse der Nordhäuser Bürger überhaupt habe und Sven Lutze (CDU) schob nach: Die Solidarität muss Grenzen haben, und scheinbar ist eine Grenze erreicht. Wir könnten Sportvereinen, Kulturgruppen und anderen kulturellen Einrichtungen in Nordhausen kaum vermitteln, wenn sie weniger Unterstützung erfahren würden, nur weil das Theater mehr Geld benötige. Man könne nicht auf der einen Seite einen großen Batzen vergrößern, auf der anderen Seite den kleinen Happen weiter auszehren.
Schließlich versuchte Bürgermeister Jendricke zu beschwichtigen, in dem er auf eine kommende Veränderung des kommunalen Finanzausgleiches orakelte. Vielleicht erhalten ja Städte wie Nordhausen wieder einen Sonderbonus, weil sie sich für ihr Theater so engagieren. Vielleicht...
Vor 15 Jahren titelte die damalige Nordhäuser Zeitung: Ballettschuhe oder Straßenbahn? Aktueller kann diese Fragestellung auch heute nicht sein. Es kommt auf die gewählten Stadträte an, wie sie beantwortet werden soll. Vielleicht ist ja ein Miteinander möglich. Fakt ist aber auch – sollte sich auf der Einnahmeseite im städtischen Haushalt nichts ändern, die zusätzlichen 300.000 Euro müssen irgendwo herkommen. Auch das muss dann gesagt werden...
