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Mehr Häftlinge als Einwohner

Freitag, 06. April 2007, 08:56 Uhr
Nordhausen (nnz). In der Stadt Ellrich befanden sich seit dem Frühjahr 1944 zwei Konzentrationslager, in denen durchschnittlich 9000 Menschen inhaftiert waren. Ende 1944 lebten in Ellrich mehr KZ-Häftlinge als deutsche Einwohner. An sie soll in der kommenden Woche erinnert werden.

Historische Aufnahme des Eingangs (Foto: MB Dora) Historische Aufnahme des Eingangs (Foto: MB Dora)

Am Mittwoch, dem 11. April um 18 Uhr hält der Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Dr. Jens-Christian Wagner, im Rathaus Ellrich einen öffentlichen Vortrag über die Geschichte der Ellricher KZ-Außenlager. Er macht dabei deutlich, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht nur im diffusen „Osten“, sondern besonders gegen Kriegsende auch mitten in Deutschland verübt wurden – vor aller Augen und häufig mit Beteiligung Einheimischer. Exemplarisch für diese Entwicklung ist die Geschichte der beiden KZ-Außenlager in Ellrich, die die SS im Frühjahr 1944 einrichtete.

Das Lager Ellrich-Juliushütte, unmittelbar am Bahnhof gelegen, war mit durchschnittlich 9000 Insassen aus allen Ländern Europas das größte Außenlager des KZ Mittelbau. Im Vergleich mit den anderen Mittelbau-Lagern wies Ellrich-Juliushütte eine der höchsten Todesraten auf. Mindestens 4000 Menschen haben das Lager nicht überlebt. Das zweite KZ-Außenlager in der Stadt befand sich seit Mai 1944 auf dem Grundstück und in den Räumlichkeiten des Gasthofes „Bürgergarten“ am Schwanenteich – wie das Lager Juliushütte in unmittelbarer Nachbarschaft zur einheimischen Bevölkerung.

In seinem Vortrag wird der Historiker Wagner die Geschichte der beiden Lager und ihrer Insassen skizzieren und sich eingehend der Frage widmen, welche Beziehungen sich zwischen den Lagerinsassen und den Menschen im Umfeld der Lager entwickelten. Der Vortrag findet im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 62. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau statt. Der Eintritt ist frei.
Autor: nnz

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