Abenteuer eines Zug-Gereisten
Freitag, 30. März 2007, 23:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Vier Monate unterwegs, über 200 kg Gepäck und eine Strecke von 16.000 Kilometern zurückgelegt, wer von so einer Reise zurück kommt, kann nicht nur was erzählen, sondern einen Film drehen und ein Buch schreiben. Dirk Sager hat es getan und war heute Abend zu Gast in Nordhausen.
Es war im Sommer 2005 als Dirk Sager sich zu der Reise von Berlin nach Saigon überzeugen ließ. Ein Kollege hatte schon länger diese Idee der längsten Zugreise der Welt gehabt, mit dem ehemaligen Rußlandkorrespondenten in der Hauptrolle. Der weigerte sich beharrlich. Über Asien wisse er einfach zu wenig. Doch dann entdeckte er ein wichtiges Detail der Reise, einen roten Faden neben den Schienen. Die schrecklichsten Diktatoren des vergangenen Jahrhunderts hatten hier gewütet, Hitler, Stalin, Mao. Es reizte Sager die Spuren ihrer Herrschaft in seiner vierteiligen Reportage darzustellen.
Neben der Fernsehreportage entstand ein Buch Berlin-Saigon, Eine Reise in die andere Hälfte der Welt. Heute Abend laß der weitgereiste Korrespondent vor rund 130 Zuhörern im Audimax der Fachhochschule daraus vor. Mit vielen Fragen bestürmte ihn das Publikum. Vor allem interessierte, wie in den einzelnen Ländern mit dem westlichen Fernsehteam umgegangen wurde. Gab es da die Aufpasser der Geheimdienste? Die waren natürlich da, erinnert sich Dirk Sager. Besonders an die vielen Begleiter im Nordwesten Chinas erinnert er sich erheitert. Man kann es auch als Ehrung verstehen. Hier kommen ganz selten Journalisten hin. Innenministerium, Geheimdienst und ein Fernsehteam der Chinesen folgten ihnen bei einem Dorfbesuch. Andernorts wurde den Deutschen allenfalls ein Aufpasser zur Seite gestellt. In China hatten wir eine Begleiterin vom Staatsfernsehen. Sie war eine hilfsbereite Kollegin und gute Dolmetscherin. Wir haben sie keinen Moment als Gängelung wahrgenommen.
Dirk Sager sucht die Menschen hinter den Nachrichten. Besuche bei den Fischern am Aralsee bedeuten ihm viel. Von diesen direkten Einblicken in die Häuser und Töpfe der einfachen Leute leben seine Reportagen. Die servierten Fischköpfe beim chinesischen Dorffest nimmt er dafür gern in Kauf. Der Schafskopf in Südkasachstan gehörte dann doch zu den weniger appetitlichen Episoden. Der wichtigste Gast bekommt den gekochten Kopf. Zuerst muß er die Augen essen, dann das Fleisch von den Knochen kratzen und verteilen. Berichtet der Reporter. Runterspülen konnten die Gäste das Schaf dann mit Selbstgebranntem aus dem fünf Liter Kanister. Die Gelegenheit hat sich der Parteivorsitzende des Ortes nicht nehmen lassen.
Auf den schönsten Teil seiner Reise will sich Dirk Sager nicht festlegen lassen. Waren es die jungen Leute in Weißrußland, die sich in Minsk ihrem Diktator entgegenstellen? Ist es die langjährige zweite Heimat des Korrespondenten, Sibirien? Oder das sehr einladende und liebenswerte Vietnam? Nur Moskau ist es nicht. Diese Stadt hat sich zu sehr verändert in den letzten Jahren. Da möchte ich nicht mehr leben. Sagt er.
Wer Dirk Sagers längste Zugreise verfolgen möchte, sollte nächsten Dienstag um 20.15 Uhr das ZDF einschalten. Drei Teile der Reportage werden noch ausgestrahlt. Nachzulesen sind Sagers Erlebnisse im Buch Berlin-Saigon. Bilder der Reise finden Sie im Internet unter www.berlin-saigon.de
Autor: wfEs war im Sommer 2005 als Dirk Sager sich zu der Reise von Berlin nach Saigon überzeugen ließ. Ein Kollege hatte schon länger diese Idee der längsten Zugreise der Welt gehabt, mit dem ehemaligen Rußlandkorrespondenten in der Hauptrolle. Der weigerte sich beharrlich. Über Asien wisse er einfach zu wenig. Doch dann entdeckte er ein wichtiges Detail der Reise, einen roten Faden neben den Schienen. Die schrecklichsten Diktatoren des vergangenen Jahrhunderts hatten hier gewütet, Hitler, Stalin, Mao. Es reizte Sager die Spuren ihrer Herrschaft in seiner vierteiligen Reportage darzustellen.
Neben der Fernsehreportage entstand ein Buch Berlin-Saigon, Eine Reise in die andere Hälfte der Welt. Heute Abend laß der weitgereiste Korrespondent vor rund 130 Zuhörern im Audimax der Fachhochschule daraus vor. Mit vielen Fragen bestürmte ihn das Publikum. Vor allem interessierte, wie in den einzelnen Ländern mit dem westlichen Fernsehteam umgegangen wurde. Gab es da die Aufpasser der Geheimdienste? Die waren natürlich da, erinnert sich Dirk Sager. Besonders an die vielen Begleiter im Nordwesten Chinas erinnert er sich erheitert. Man kann es auch als Ehrung verstehen. Hier kommen ganz selten Journalisten hin. Innenministerium, Geheimdienst und ein Fernsehteam der Chinesen folgten ihnen bei einem Dorfbesuch. Andernorts wurde den Deutschen allenfalls ein Aufpasser zur Seite gestellt. In China hatten wir eine Begleiterin vom Staatsfernsehen. Sie war eine hilfsbereite Kollegin und gute Dolmetscherin. Wir haben sie keinen Moment als Gängelung wahrgenommen.
Dirk Sager sucht die Menschen hinter den Nachrichten. Besuche bei den Fischern am Aralsee bedeuten ihm viel. Von diesen direkten Einblicken in die Häuser und Töpfe der einfachen Leute leben seine Reportagen. Die servierten Fischköpfe beim chinesischen Dorffest nimmt er dafür gern in Kauf. Der Schafskopf in Südkasachstan gehörte dann doch zu den weniger appetitlichen Episoden. Der wichtigste Gast bekommt den gekochten Kopf. Zuerst muß er die Augen essen, dann das Fleisch von den Knochen kratzen und verteilen. Berichtet der Reporter. Runterspülen konnten die Gäste das Schaf dann mit Selbstgebranntem aus dem fünf Liter Kanister. Die Gelegenheit hat sich der Parteivorsitzende des Ortes nicht nehmen lassen.
Auf den schönsten Teil seiner Reise will sich Dirk Sager nicht festlegen lassen. Waren es die jungen Leute in Weißrußland, die sich in Minsk ihrem Diktator entgegenstellen? Ist es die langjährige zweite Heimat des Korrespondenten, Sibirien? Oder das sehr einladende und liebenswerte Vietnam? Nur Moskau ist es nicht. Diese Stadt hat sich zu sehr verändert in den letzten Jahren. Da möchte ich nicht mehr leben. Sagt er.
Wer Dirk Sagers längste Zugreise verfolgen möchte, sollte nächsten Dienstag um 20.15 Uhr das ZDF einschalten. Drei Teile der Reportage werden noch ausgestrahlt. Nachzulesen sind Sagers Erlebnisse im Buch Berlin-Saigon. Bilder der Reise finden Sie im Internet unter www.berlin-saigon.de

