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Kein Aprilscherz

Freitag, 30. März 2007, 15:14 Uhr
Nordhausen (nnz). Die ab Sonntag geltende Gesundheitsreform wird für viele gesetzlich Versicherte auch einen Wechsel bei ihren Medikamenten mit sich bringen. Darauf weisen die niedergelassenen Ärzte und die Apotheker des Landkreises Nordhausens in einer gemeinsamen Presseerklärung hin. Zu den Einzelheiten mit einem Klick.


Der Grund dafür sind umfangreiche Rabattverträge, die einige Krankenkassen mit Arzneimittelherstellern abgeschlossen haben. Die Ärzte sind dann gehalten, vorrangig diese Medikamente zu verordnen, erläutert Dr. Herbert Spiller, Vorsitzender der Kreisstelle der kassenärztlichen Vereinigung. Apotheker wiederum dürfen, wenn eine Krankenkasse für ein bestimmtes Präparat einen Rabattvertrag abgeschlossen hat, nur dieses abgeben. „Ausnahmen sind nur möglich, wenn der Arzt ausdrücklich auf einem anderen Präparat besteht und einen Austausch ausschließt“, erläutert Julie Garke, Pressesprecherin der Nordhäuser Apotheker.

Einige Krankenkassen haben für diese Präparate ganz oder teilweise auf die Zuzahlung der Patienten verzichtet. „In der Anfangszeit wird die Umstellung zu Verzögerungen in den Praxen und Apotheken führen“, bitten Ärzte und Apotheker bereits jetzt um Verständnis. Bis alle Informationen in die Computersysteme von Ärzten und Apothekern eingearbeitet sind, werden noch einige Wochen vergehen. Darüber hinaus bestehe, so Spiller und Garke, ein höherer Beratungsbedarf. Unsicher ist auch, ob alle Hersteller, mit denen die Kassen Rabattverträge abgeschlossen haben, lieferfähig sein werden. „Nach Medienberichten zeichnen sich bereits erste Engpässe bei einzelnen Präparaten ab“, sagt die Sprecherin der Apotheker.

„Wir bemühen uns in jedem einzelnen Fall um eine rasche Lösung im Interesse der Patienten“, betonen Spiller und Garke. Der Spielraum, den die Politik den Leistungserbringern dabei einräume, sei jedoch gering. Ungeklärt sei beispielsweise das Verfahren bei Nacht- und Notdiensten. „Kein Arzt kann bei Hausbesuchen eine Rabattliste mit sich herumtragen und keine Apotheke kann für alle Kassen sämtliche rabattierten Medikamente am Lager haben“, erläutert Julie Garke.

Trotz aller Ungereimtheiten – und nicht auszuschließender Anlaufschwierigkeiten während einer Übergangszeit – werden Ärzte und Apotheker alles tun, um eine angemessene Versorgung der Patienten sicherzustellen, versichern Spiller und Garke übereinstimmend. „Wir gehen davon aus, dass für alle Beteiligten – auch die Krankenkassen – das Wohl der Patienten im Mittelpunkt ihrer Bemühungen steht“, betonen sie.
Autor: nnz

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