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Tradition ganz neu

Mittwoch, 28. März 2007, 15:15 Uhr
Nordhausen (nnz). Große Jubiläen werfen ihre Schatten voraus. Eines davon ist das 500 jährige des Nordhäuser Korns. Die Traditionsbrennerei hat sich dafür extra schick gemacht. nnz durfte schon einen Blick ins neue, historische Gebäude werfen.


Es ist kein Aprilscherz, daß die Nordhäuser Traditionsbrennerei ausgerechnet am 1. April ihre Tore für Neugierige öffnet. In den vergangenen fünf Monaten ist das 100 Jahre alte Gebäude umgestaltet und modernisiert worden. Unter dem Motto „Vom Korn zum Korn“ erlebt der Besucher eine Reise durch 500 Jahre Brenntradition und vom Feld in die Flasche. Eine interessante Maschine verwandelt ein oben hineingeworfenes Kornsäckchen sogar direkt in eine Flasche Echten Nordhäuser. Mehr wird dazu nicht verraten, das können Sie am Sonntag selbst ausprobieren.

Nicht nur Tafeln und teilweise über 120 Jahre alte Exponate sind zu sehen. Die gesamte Anlage der Brennerei ist voll funktionstüchtig. Für Technikfans wird gern mal die alte Dampfmaschine in Betrieb genommen. Die Verwaltung, der Zollkeller und das Lager sind originalgetreu eingerichtet. In einer erlebnisreichen Führung können sich Nordhäuser und Gäste über die landjährige Tradition der Stadt informieren. Danach kann man sich an der Bar stärken und im Museumsladen hauseigene Spezialitäten sowie Produkte rund um den Nordhäuser erwerben.

Die Zeitreise beginnt 1507, als der Brandwein erstmals urkundlich erwähnt wird, natürlich im Zusammenhang mit der Erhebung einer Steuer. Schon damals war das Brenngewerbe ein großer Wirtschaftsfaktor in Nordhausen. 1789 folgt das erste Reinheitsgebot für den Kornbrand. Wenigstens 2/3 Korn, für den Echten Nordhäuser natürlich Roggen, und höchstens ein Drittel Gerste oder Malz, dürfen die Brenner verwenden. Im 19. Jahrhundert sind die Nordhäuser nicht sicher vor Herstellern von minderwertigen Plagiaten. Der Zollverein wird gegründet um das Original zu schützen. Ab 1839 macht den Brennern dann ein anderes Produkt zuschaffen. Billiger Kartoffelschnaps drängt auf den Markt und sogar in den Nordhäuser.

1909 ist Schluß mit gepanschtem Korn. Ein deutschlandweites Reinheitsgebot wird eingeführt. Nordhausen ist in dieser Frage Vorreiter. Nach dem beinahe-Niedergang der Brennerei im Ersten Weltkrieg, der Wirtschaftskrise und der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erholte sich Nordhausen wieder. 1950 entsteht der VEB Nordbrand. Später gehörte er zu einem Kombinat, zu dem auch die Rotkäppchen Sektkellerei zählte. Nach der Zusammenarbeit mit Eckes von 1990 bis 2006 sind die beiden Unternehmen gewissermaßen wiedervereint. „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ zitierte Gunter Heise, der neue Miteigentümer von Nordbrand, den ehemaligen Kanzler Willi Brand.

Hans-Joachim Junker, Geschäftsführer von Nordbrand, will sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. „Wir möchten den Tourismus rund um die Marke „Nordhäuser Korn“ fördern. Nach den Korntürmen 2004 haben wir mit der neu gestalteten Traditionsbrennerei eine weitere Attraktion für Nordhausen geschaffen.“ Der Echte Nordhäuser hat noch mehr bekommen als nur ein erneuertes Erlebnismuseum. Sogar eine Hymne auf das Nationalgetränk der Stadt gibt es jetzt. Sie wurde heute von Nordhäuser Männerchor uraufgeführt.

Am Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr können Sie sich in der neu gestalteten Traditionsbrennerei umsehen und ein Programm rund um den Korn erleben. Wer den Termin verpaßt hat, kann täglich von Montag bis Freitag um 14.00 Uhr an einer Führung teilnehmen. Der Laden hat von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Gruppen ab 20 Personen können einen individuellen Termin für Führungen verabreden. Erwachsene zahlen 4 Euro, Azubis und Studenten 2 Euro und nehmen an der Verkostung teil. Schüler zahlen einen Euro.
Autor: wf

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