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Schäden werden beseitigt

Freitag, 16. März 2007, 17:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Wer im Harz wandert, wird nach wie vor mit den Schäden des Sturms Kyrill konfrontiert. Auch die Beseitigung des Bruchholzes ist für den Wanderer keine Freude. nnz mit einem Zwischenbericht über den Fortschritt der Aufräumaktion.

Aufräumen (Foto: Wiethoff) Aufräumen (Foto: Wiethoff)

Kyrill hat im Forstamtsbereich Bleicherode-Südharz tüchtig reingehauen. 38.970 Festmeter Holz fielen dem Sturm zum Opfer. Betroffen ist vor allem der höhere Teil des Südharzes, Rothesütte, Sophienhof und Birkenmoor beispielsweise. 34.705 Festmeter sind Nadelholz. Der Borkenkäfer steht schon in den Startlöchern, deswegen müssen diese Bäume so schnell es geht aus dem Wald. Durch den ausgesprochen milden Winter hielt der Schädling nicht einmal Winterruhe, sondern war schon im Februar bei Temperaturen über 15 ° C aktiv.

14.194 Festmeter Bruch- und Wurfholz wurden bis gestern geborgen, wie Forstamtsleiter Klaus Brüggemann der nnz mitteilte. Das entspricht 44 Prozent. Der größte Teil davon stammt aus Privatwald, da vor allem kleine Waldbesitzer nicht auf dem Schaden sitzenbleiben sollen. Sie genießen Vorrang bei der Bearbeitung. 6.915 Festmeter von 9.295 fm Kyrillschäden wurden beseitigt. Im Staatswald sind von 21.010 Festmetern erst 6.739 aufgearbeitet.

In Handarbeit sei das nicht zu schaffen, sagte der Forstamtsleiter, der sich an frühere Stürme erinnert, als es noch keine Vollerntemaschinen gab. Diese Geräte mit den riesigen Rädern und dem gelenkigen Arm verarbeiten im 24 Stunden Betrieb täglich bis zu 300 Festmeter Holz. Eine dieser Maschinen war heute im Großen Nonnenforst zwischen Sophienhof und Netzkater im Einsatz (siehe Foto).

Wanderwegen bekommt diese Behandlung schlecht. Klaus Brüggemann bat die Spaziergänger um Verständnis. In einem vom Borkenkäfer befallenen Wald voller toter Bäume wolle ja auch niemand unterwegs sein, deswegen müssen diese Arbeiten jetzt durchgeführt werden. Hätte es einen kalten Winter gegeben mit Bodenfrost, dann würden auch die Vollerntemaschinen nicht einsinken und wesentlich geringere Spuren hinterlassen. Brüggemann sagte zu, daß die Schäden an den Wegen nach dem Ende der Arbeiten beseitigt werden. „Bis Mai oder Juni können wir das nicht hinbekommen. Es wird eine Aufgabe bis mindestens zum Jahresende sein.“ Sagte er. Die Aufräumaktion nach dem Sturm macht den Einsatz der Forstarbeiter auf den Windbruchstellen nötiger.

Obwohl sie effizient arbeiten, werden die Vollerntemaschinen häufig kritisiert. Achim Otto, Leiter der Forstinspektion Nord, meint, das geschähe zu Unrecht. Natürlich würde durch die große Maschine der Boden verdichtet und das Wurzelwerk geschädigt. Um das Problem zu minimieren müßten alle zehn bis 40 Meter Rückegassen angelegt werden. Von dort aus können die Maschinen arbeiten. Eine etwas gestiegene Windgefährdung durch den Kanaleffekt müsse man hinnehmen. Würden die Gassen so schmal wie möglich gehalten, minimiere sich die Gefahr. „Es gibt keine Alternative, denn den Wald nicht zu durchforsten macht ihn nicht stabiler.“ Sagte er.

Die Schäden durch Kyrill hätten noch größer sein können. Wäre der Sturm im Sommer über den Harz gefegt, wären ihm auch Laubbäume zum Opfer gefallen. Deshalb meinte Egon Primas, daß die Verteufelung der Fichtenbestände unsinnig ist. Im Forstamt Bleicherode-Südharz gibt’s zu 2/3 Laubwald und nur zu 1/3 Nadelwald. Ein Waldumbau ist deswegen nicht so dringend nötig. In den höheren Lagen wird es trotz des Klimawandels nicht möglich sein Laubwald zu pflanzen. Birke und Eberesche könnten die Nadelwälder aber auflockern.

Dieses Jahr muß der Forst der Schadensbeseitigung widmen. Wanderer sollten sich deshalb auf schlechte oder auch gesperrte Wege einstellen. Es werden auch noch weitere angebrochene Bäume umstürzen. Es ist also Vorsicht geboten, wenn man im Harz wandern möchte. Möglich ist es natürlich trotzdem.
Autor: wf

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