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Zukunft Jugendarbeit?

Mittwoch, 07. März 2007, 21:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Früher reichten ein Basketballkorb und die Möglichkeit andere Kinder zu treffen, das war mal. Neben Mittelkürzungen plagt die Jugendarbeiter das Problem, daß ihre Zielgruppe so schwer zu begeistern ist. Eine Diskussion zu Wunsch und Wirklichkeit fand heute statt.


Nach wie vor verfügen der Landkreis und die Stadt Nordhausen über eine große Anzahl an Trägern der freien Jugendhilfe und zum Teil auch über Einrichtungen und Treffs. Doch die professionelle Jugendarbeit mit hauptamtlichen Mitarbeitern ist seit Jahren auf dem Rückzug. Kein Wunder, denn seit dem Stand von 1995 wurden 50 Prozent der Mittel gekürzt. 317.000 Euro wird das Land Thüringen zur Verfügung stellen, rund 277.000 der Landkreis. Somit entfallen auf jedes Kind und jeden Jugendlichen bis 26 Jahren 12 Euro, im Jahr.

Mit dem Geld sind große Sprünge undenkbar. Die Ausstattung der Jugendhäuser mit neuen Medien und Computern bleibt auf der Strecke. Weiterbildungskurse für Haupt- und Ehrenamtliche können nicht finanziert werden. Jugendarbeit wird immer mehr zu Jugendhilfe für Kinder aus Problemfamilien. Und das schafft neue Probleme für die Träger. „Normale“ Jugendliche möchten mit den Kindern nicht unbedingt zusammen sein. Sie bleiben weg und nutzen kostenpflichtige Freizeitangebote wie Fitneßstudios oder Tanzkurse. Randgruppen bleiben somit unter sich.

Offene Tür Angebote sind nicht mehr so häufig zu finden wie in den 90er Jahren. Treffmöglichkeiten mit Gesellschaftsspielen oder das Fußballtor reichen heute kaum aus um die Jugend in die Klubs zu locken. Die Jugend sucht vielmehr nach dem ultimativen Kick, den bieten herkömmliche Ferienspiele nicht mehr. Manuel Thume berichtete , daß die Junge Union verschiedene Angebote im Sommer unterbreitet habe, aber nur einige Fahrten sehr gut angenommen worden sind. Für Detlef Schmidt, den Vorsitzenden des Kreisjugendrings, war es schwer Jugendliche für Projekte wie „Meine Stadt“ zu begeistern. Viele hätten zwar Interesse gezeigt, aber schon so viel in der Schule zu tun, daß sie nachmittags nicht noch was machen wollten.

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die zu Konflikten zwischen den Jugendlichen und der restlichen Bevölkerung führen. Wer sich schon mal über die vielen Skateboarder in der Stadt geärgert hat, sollte bedenken, daß deren Treffmöglichkeiten im Winter ziemlich schlecht sind. Nach dem Ende der Landesgartenschau wurde denen nämlich das Licht auf dem Petersberg abgeschaltet. Mehrere Gespräche mit der Stadt hätten ergeben, daß die Stadt Energie- und damit Geld sparen muß und die Laternen nicht brennen lassen kann, berichtete Rüdiger Neitzke. Er meinte, daß die Jugendlichen mit wenig zusätzlichen Kosten so auf ihrer an sich attraktiven Sportanlage gehalten werden könnten.

Zwar wurde viel über mangelndes Geld geredet, aber auch von Visionen. Die Vertreter der Jugendarbeit wollen sich im Mai oder Juni zusammensetzen zu einer Zukunftswerkstatt. Wie Jugendarbeit in zehn Jahren aussehen kann soll da besprochen werden. Welche Visionen Wirklichkeit werden, liegt dann natürlich wieder am Geld, vielleicht aber auch an Ehrenamtlichen und an Unternehmern, die Zeit, Material und Geld in Projekte investieren.
Autor: wf

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