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Anwohner wollen Baum retten: Kommt Baum in den Stadtpark?

Streit um "Kletterkiefer" in Nordhausen geht weiter

Samstag, 14. März 2026, 09:43 Uhr
Schatten- und Sauerstoffspender, Klettergerät. Die Gebirgskiefer am Märchenbrunnen auf dem Blasiikirchplatz ist für einige Menschen genau das. Im Zuge der Platzsanierung soll die in einem Hochbeet gewachsene Kiefer jedoch verschwinden. Frank Tuschy, Gemeindepädagoge im benachbarten Kinderkirchenladen, will das nicht akzeptieren und hatte am späten Freitagnachmittag zu einem öffentlichen Treffen aufgerufen, um den Erhalt des Baumes zu thematisieren...Update, 12 Uhr: Mögliche Unterstützung von Granitbau

Die Initiative will die "Kletterkiefer" am Blasiikirchplatz erhalten. (Foto: ssc) Die Initiative will die "Kletterkiefer" am Blasiikirchplatz erhalten. (Foto: ssc)
Rund 15 Männer, Frauen und Kinder waren seinem Aufruf gefolgt. Unter ihnen Eltern, Großeltern und Anwohner wie Kati Porada, die ihr Versicherungsgeschäft am Blasiikirchplatz hat, sowie Kerstin Müller und Dieter Wittich, die am Pferdemarkt wohnen. „Der Kletterbaum muss erhalten bleiben und in das neue Konzept integriert werden“, brachte Kerstin Müller den gemeinsamen Tenor auf den Punkt.

Viele Kinder würden den Baum zum Klettern nutzen, zudem müsse ein gesunder Baum erhalten bleiben, so Tuschy. Pascal Leibbrandt, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, war gekommen, um den Entscheidungsprozess im Stadtrat noch einmal zu erläutern. Eine Änderung der Pläne, etwa eine Integration des alten Baumes in das neue Platzkonzept, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum mehr möglich, da die Bauarbeiten längst laufen. Die Stadtratsbeschlüsse seien bereits gefasst, und die Verwaltung setze diese nun um. Zudem sei die aktuelle Planung an Fördermittel gebunden.

Die Pläne zur Neugestaltung des Blasiikirchplatzes wurden am Freitag diskutiert.  (Foto: ssc) Die Pläne zur Neugestaltung des Blasiikirchplatzes wurden am Freitag diskutiert. (Foto: ssc)
„Wir müssen schauen, ob wir einen Kompromiss finden“, sagte Leibbrandt. Den Baum umzusetzen wäre ein solcher, wenn auch ein kostenintensiver. Man einigte sich darauf, nach einem Sponsor zu suchen, der die Umsetzung des Baumes finanziell unterstützen könnte.

Bereits am Dienstag hatte das zuständige Amt für Stadtentwicklung das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Initiative gesucht und die Entscheidung zur Fällung erläutert. Martin Juckeland und Mario Manolow vom Stadtentwicklungsamt waren am Freitag ebenfalls zum Treffen gekommen, um die Sicht der Stadt darzustellen.

Das Becken des Märchenbrunnens wird größer, das Areal abgesenkt.  (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen) Das Becken des Märchenbrunnens wird größer, das Areal abgesenkt. (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen) Die aktuell laufenden Baumaßnahmen betreffen die Kiefer noch nicht. Fakt sei jedoch: Sowohl die Birke als auch die Kiefer müssten im Zuge des dritten Bauabschnitts den Sanierungsmaßnahmen weichen – „in diesem Herbst“, so Manolow, der das Bauprojekt betreut. Man verstehe den Ärger der Initiative. „Wir fällen keine Bäume leichtfertig“, sagte Juckeland. In diesem Fall gebe es aber gleich mehrere Gründe, die für die Fällung sprechen. Zum einen werde das alte Hochbeet, in dem die Kiefer wächst und das noch aus DDR-Zeiten stammt, entfernt. Außerdem werde das Platzniveau abgesenkt, um Barrierefreiheit zu erhalten. Der Standort des Brunnens ändere sich leicht und erhalte ein neues, größeres Becken. Die Kiefer wachse viel zu dicht am Brunnen. Hinzu komme eine ungünstige Prognose für die Lebenserwartung des Baumes nach Einschätzung eines Baumsachverständigen. In wenigen Jahren würde das Wachstum des Baumes stark eingeschränkt, was zu vorzeitiger „Vergreisung und Absterbeerscheinungen“ führen könne. Gleichzeitig steige die Bruchgefahr, wodurch das Klettern im Baum mittelfristig gefährlich werde. Die Stadt hat zudem die Verkehrssicherungspflicht. Das heißt, der Baum muss in einem Zustand sein, dass von ihm keine Gefahr ausgeht.

Auch die benachbarte Birke habe das Ende ihrer Lebenszeit weitgehend erreicht. Durch die Absenkung des Platzes auf Straßenniveau würden sich die Standortbedingungen zusätzlich verändern.

„Unser Ziel ist es, den Blasiikirchplatz im nächsten Sommer zur 1100-Jahr-Feier in einem ansprechenden Zustand zu haben. Wenn wir jetzt die Bauarbeiten stoppen und neu planen, schaffen wir das nicht“, so Manolow. Zudem verliere man die EFRE-Fördermittel für nachhaltige Stadtentwicklung.

Gleichzeitig betreibe die Stadt einen großen Aufwand, um die Linden vor der Kirche zu erhalten: etwa durch Wurzelbrücken, neues Substrat und eine Bewässerung über das Kirchendach. „Wir hoffen, dass wir alle Bäume über die Bauarbeiten bekommen. Unser erklärtes Ziel ist es, die Linden zu retten.“ Lediglich eine Linde hätte man fällen müssen. Auch diese stand in einem Hochbeet, das im Zuge der Platzgestaltung entfernt wird.

Offen zeigten sich die Stadtvertreter für die Idee den Baum umzusetzen, beispielsweise in den Stadtpark. Die Kiefer sei aber schief gewachsen und müsste abgestützt werden – Klettern wäre dann wahrscheinlich ohnehin nicht mehr möglich.

Juckeland erläuterte zudem die aktuelle Planung für den Platz. Vorgesehen seien zwei Brunnen: darunter ein neuer Brunnen in Anlehnung an den früheren Pferdemarkt-Brunnen. Der Platz solle eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität erhalten, besser von der anliegenden Gastronomie und für Veranstaltungen genutzt werden können. Dafür würde er verkehrsberuhigt. Geplant seien außerdem neue Sitzgelegenheiten sowie insgesamt 23 neue Bäume, davon allein 16 vor den Geschäften in der Kranichstraße, die als eine Art Gründach wachsen werden. Dort sollen neue Spielgeräte sowie ein Trinkbrunnen entstehen. Der Platz solle künftig stärker auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet sein, nicht auf Autos. Die Kranichstraße wird in die Umgestaltung mit einbezogen.

Als sichere Alternative zum Baum könne man über ein Kletterspielgerät nachdenken. Dieses sei sicherer als ein Baum, der möglicherweise brechen könne. Überlegen könne man auch, den Kletterbaum, der derzeit unterhalb des Felix steht, auf den Blasiikirchplatz umzusetzen.

Zum Treffen waren allerdings weniger Menschen gekommen, als sich Initiator Frank Tuschy erhofft hatte. Entsprechend gedämpft fiel sein Fazit am Ende des Abends aus. Die Chancen, die Kiefer zu erhalten, schätzt er nach der Diskussion derzeit als gering ein. Den zahlreichen Argumenten der Stadtvertreter hätten die Unterstützer des Baumes in der Diskussion wenig entgegensetzen können. Trotz der ernüchternden Einschätzung zieht Tuschy dennoch ein positives Fazit: Es sei richtig, sich für den Erhalt der Kiefer einzusetzen. Für ihn wäre die Fällung des Baumes ein bedeutender Verlust für den Platz.

Update, 12 Uhr: Nach dem Treffen gibt es inzwischen erste Überlegungen für eine mögliche Alternative zum bisherigen Kletterbaum. Stadtrat Pascal Leibbrandt (Grüne) brachte die Idee ins Gespräch, auf der freien Fläche des ehemaligen Klimapavillons ein Kletterspielgerät zu errichten. Dazu wolle er einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat einbringen. Unterstützung für diese Idee signalisiert auch die bauausführende Firma. Stephan Ostermann von der Firma Granitbau erklärte, man sei im zweiten Bauabschnitt grundsätzlich bereit, sich mit einem Anteil am Sponsoring zu beteiligen. Zugleich verwies Ostermann auf Sicherheitsaspekte. Nach umfangreichen Bauarbeiten sei es schwierig, sich langfristig auf die Vitalität eines Baumes zu verlassen. Zudem müsse die Standsicherheit lückenlos dokumentiert werden. Ein Klettergerüst unterliege dagegen klaren Sicherheitsstandards und regelmäßigen Kontrollen, etwa durch den TÜV.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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