nnz-online

Begegnung in Nordhausen

Donnerstag, 15. Februar 2007, 18:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Im Kunsthaus Meyenburg sind ab dem Wochenende Werke von Max Klinger zu sehen. Dazu eine Betrachtung in der nnz von Heidelore Kneffel.


Am 18. Februar 1857 in Leipzig zur Welt gekommen, am 4. Juli 1920 in Großjena bei Naumburg gestorben - damit sind zwei der Hauptorte im Leben des Max Klinger, nicht weit von Nordhausen entfernt, benannt. Man hat also Gelegenheit, diesem Grafiker, Maler und Plastiker intensiv begegnen zu können, ohne auf große Fahrt gehen zu müssen. Wer das doch tun möchte, kann sich auch hin gen Chemnitz und Hamburg zur Kunstschau begeben, denn die Sammlungen, die Klingers Werke besitzen, lassen es sich im Klinger-Jahr 2007 nicht nehmen, diesem Künstler ihre Referenz zu erweisen.

Im Museum der bildenden Künste in Leipzig steht die Jubiläumsschau unter dem Thema: „Eine Liebe – Max Klinger und die Folgen“. Der Kultursender mdr-Figaro nennt sein Reihe „Genius loci – Auf den Spuren Max Klingers in Mitteldeutschland“.

Das Max-Klinger-Haus Naumburg-Großjena, in den Weinbergen gelegen, ist 2006 rekonstruiert wieder eröffnet worden und ab 1. April bis in den Oktober hinein zu besichtigen. Dort sind auch Klingers Grabstätte und die sie umgebenden Plastiken zu sehen. Sein Radierhäuschen steht unweit davon. Ein schöner Ort!

Dass Nordhausen auch Werke von Klinger besitzt, soll nicht unerwähnt bleiben. Beim Umzug der Kreissparkasse 1992 aus ihrem Domizil am Markt 15 hin zum Kornmarkt 9 entdeckte man in einem Tresor Kunstmappen, die, so verkündete eine Notiz, dem Kunstverein Nordhausen gehörten. Dieser, 1852 gegründet und für zahlreiche Kunstausstellungen der jeweils modernen Künstler bekannt, kaufte immer auch Kunstwerke auf. So gelangten diese Grafikmappen in die Stadt am Fuße des Südharzes und überdauerten in einem Tresor die Nazizeit und die DDR. Wunder gibt es immer wieder, davon geben die Kunstwerke Augenschein! Da dieser Kunstverein in Nordhausen nicht mehr exsistiert, behielt die Kreissparkasse den Fund vorerst, übergab ihn jedoch im Jahr 2000 als Leihgabe an das Meyenburgmuseum. Gleichzeitig wurden 2000 DM zur behutsamen Behandlung durch eine Buchbinderin gespendet.

Zwei der Mappen beinhalten Grafikfolgen Max Klingers, „Der Handschuh“ und „Vom Tode II“. Letztere wird aus Anlass des Klingerjahres ab Samstag, 17. 2. 2007, im Kunsthaus Meyerburg gezeigt, wie von dort zu erfahren war.

Klinger nannte diese Folge Opus XIII, denn er war der Musik sehr verbunden. Als die Radierfolge 1898/1909 entstand, beschäftigte sich der Künstler mit dem Darwinismus, mit Schopenhauer, zeigte Neigungen zu buddhistischem Gedankengut und pflegte Freundschaft zu Wissenschaftlern der Universität Leipzig.

Seine 12 Blätter zu „Vom Tode II“ tragen die Titel: „Integer vitae selerisque purus“(sinngemäß: Ist ein Mensch reinen Herzens, braucht er den Tod nicht zu fürchten.), „Herrscher“, „Philosoph“, „Genie“, „Krieg“, „Elend“, „Pest“, „Und doch“, „Versuchung“; „Tote Mutter“, „Zeit und Ruhm“, und „An die Schönheit“.

Man gönne sich in unseren Breiten bis zum 18. März diese Max-Klinger-Schau, denn man sieht Radierkunst vom Feinsten!
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de