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Kabinett-Stücke in Nordhausen

Mittwoch, 14. Februar 2007, 11:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Im Kunsthaus Meyenburg wird derzeit wieder eine interessante Ausstellung vorbereitet. Was es da zu betrachten gibt, das hat die nnz erfahren.

Museumsmitarbeiterin Christiane Just (Foto: I. Bergmann) Museumsmitarbeiterin Christiane Just (Foto: I. Bergmann)

Ab Samstag (17.2.) zeigt das Kunsthaus Meyenburg anlässlich des 150. Geburtstages von Max Klinger eine kleine Sonderausstellung des Künstlers, die bis zum 18. März hier zu sehen sein wird. Die Kabinett-Ausstellung zeige erstmals in den Räumen des Nordhäuser Kunsthauses den vollständigen Zyklus „Vom Tode, II. Teil“, sagt Museumsmitarbeiterin und Kunsthistorikerin Susanne Hinsching. Max Klinger, in seiner Zeit als „deutscher Michelangelo“ bezeichnet, habe diesen Radier-Zyklus nach fast 20-jähriger intensiver Tätigkeit im Jahre 1909 vollendet.

Nur das Blatt „Krieg“, das er bereits 1888 konzipiert hatte, wurde erst 1911 herausgegeben und ergänzt dieses aus 12 Blättern bestehende Mappenwerk. Der Zyklus enthält die über Jahre gereifte Anschauung des Künstlers von Leben und Tod. In seinen Radierungen verbinden sich naturalistische und phantastisch-surreale Elemente auf geheimnisvolle, fast poetische Weise.

Der am 18. Februar 1857 in Leipzig geborene Künstler widmete sich neben der Malerei und Bildhauerei verstärkt den grafischen Techniken und führte insbesondere die „Griffelkunst“ Radierung zu technischen Meisterleistungen. Diese wurden in der Folgezeit von zahlreichen Künstlern wie Käthe Kollwitz, Alfred Kubin oder Max Beckmann als Inspirationsquelle genutzt.

Neben der ausgeprägten grafischen Technik bestechen seine zahlreichen Radier-Zyklen durch eine überraschende Bildwelt und einen realistischen Blick auf die sozialen Zustände seiner Zeit. Der Geschlechterkonflikt zieht sich ebenso wie Eros und Tod durch Klingers Schaffen.

„Die Behandlung von Liebe, Erotik und Tod in ihrer verhängnisvollen Verknüpfung sei in seinen Werken genauso eine kritische Auseinandersetzung mit einer sexualitätsfeindlichen Doppelmoral gewesen, wie die Bekundung der Notwendigkeit einer Sozialgesetzgebung“, so die Kunsthistorikerin. Doch als Vertreter einer bürgerlichen Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts habe Klinger Ruhm und Erfolg entgegen des landläufigen Künstlermythos nur zu seinen Lebzeiten erlangt und sei schon kurze Zeit nach seinem Tod 1920 nur noch Spezialisten bekannt gewesen.

„Die in der Nordhäuser Kabinett-Ausstellung gezeigte Grafikmappe ist eine der beiden Klinger-Mappen, die das Kunsthaus Meyenburg als Dauerleihgabe der Kreissparkasse Nordhausen besitzt“, sagt Susanne Hinsching. Der zweite grafische Zyklus, bestehend aus 10 Blättern – mit dem Titel „Der Handschuh“ werde im Sommer als Teil der großen Ausstellung „Jugendstil – Die geschwungene Ästhetik“ anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Villa Meyenburg präsentiert.
Autor: nnz

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