Ortsteilbürgermeister lehnen Gebühren für Vereine ab
Streit um Dorfgemeinschaftshäuser
Freitag, 23. Januar 2026, 17:00 Uhr
Eine neue Nutzungsordnung der Stadt sorgt für Unmut in den 13 Nordhäuser Ortsteilen. Künftig sollen auch Vereine und Ehrenamtliche für Dorfgemeinschaftshäuser zahlen. Die Ortsteilbürgermeister halten dagegen – und legen einen eigenen Vorschlag vor...
Die Bürgermeister der 13 Nordhäuser Ortsteile sind verärgert. Hintergrund ist eine neue Nutzungsordnung für die Dorfgemeinschaftshäuser, die die Stadt ihnen kurz vor Jahresende vorgelegt hat. Kern der Neuerung ist, dass künftig alle Nutzer – also auch Vereine und Ehrenamtliche – für die Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser zahlen sollen.
Michael Kramer (CDU), Ortsteilbürgermeister in Hesserode und Vorsitzender des Ausschusses für Ordnung und Stadtteile, bezeichnete den städtischen Vorschlag am Donnerstagabend als Nonsens. Wenn alle Ehrenamtlichen dafür bezahlen müssen, dass sie sich in den Orten engagieren, dann macht doch bald gar keiner mehr was, so Kramer. Wer das Zusammenleben im Dorf fördere, solle das Dorfgemeinschaftshaus kostenlos nutzen.
Diese Einschätzung teilen auch seine Amtskollegen aus den zwölf anderen Ortsteilen. Gemeinsam haben sie deshalb einen Gegenentwurf erarbeitet, der nun dem nächsten Stadtrat vorgelegt werden soll. Unser Vorschlag beschreibt eigentlich nur den Status quo, erklärt Kramer.
Konkret sieht der Entwurf vor, dass Vereine die Dorfgemeinschaftshäuser weiterhin kostenlos nutzen können. Gebühren sollen ausschließlich für private Nutzungen anfallen. Da die Mietpreise seit rund 20 Jahren unverändert sind, sollen diese für Privatfeiern angehoben werden – je nach Größe des Dorfgemeinschaftshauses auf 35 bis 60 Euro. Hinzu kommen 20 Euro Nebenkosten, die haben wir verdoppelt, ergänzt Kramer. In Hesserode sei das Dorfgemeinschaftshaus im vergangenen Jahr an 35 Wochenenden privat vermietet gewesen. Für Vereine gebe es an den Wochenenden ohnehin nur begrenzte Möglichkeiten, so Kramer.
Auch ein weiterer Punkt der städtischen Pläne löst bei den Ortsteilbürgermeistern Kopfschütteln aus. Die Stadt möchte das Vermietungsprozedere ändern. Bisher unterzeichnen die Ortsteilbürgermeister die Mietverträge, geben die Schlüssel aus und schicken den Vertrag an die Stadt. Diese schickt wiederum die Rechnung an den Mieter. "So können die Häuser auch mal recht spontan vermietet werden, was öfter vorkommt", beschreibt Susann Jäger, Ortsteilbürgermeisterin in Rodishain, die derzeitige Praxis.
Künftig soll die Vermietung aber direkt über die Stadt laufen, ohne Einbindung der Ortsteilbürgermeister. Das Geld soll mit der Vertragsunterzeichnung unmittelbar an die Stadt fließen, erst dann werden die Schlüssel ausgehändigt. Die Ortsteilbürgermeister halten das für viel zu bürokratisch. Bauamtsleiter Kay Alert bemühte sich am Donnerstagabend, eine Brücke zu bauen: Die neue Nutzungsordnung sei noch nicht in Stein gemeißelt.
Am Ende stimmten die Ausschussmitglieder bei einer Enthaltung von Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) für den CDU-Antrag, die Vergabe- und Nutzungsordnung noch einmal neu zu fassen. Am 3. Februar befasst sich nun der Finanzausschuss als nächstes mit dem Antrag.
Susanne Schedwill
Autor: sscDie Bürgermeister der 13 Nordhäuser Ortsteile sind verärgert. Hintergrund ist eine neue Nutzungsordnung für die Dorfgemeinschaftshäuser, die die Stadt ihnen kurz vor Jahresende vorgelegt hat. Kern der Neuerung ist, dass künftig alle Nutzer – also auch Vereine und Ehrenamtliche – für die Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser zahlen sollen.
Michael Kramer (CDU), Ortsteilbürgermeister in Hesserode und Vorsitzender des Ausschusses für Ordnung und Stadtteile, bezeichnete den städtischen Vorschlag am Donnerstagabend als Nonsens. Wenn alle Ehrenamtlichen dafür bezahlen müssen, dass sie sich in den Orten engagieren, dann macht doch bald gar keiner mehr was, so Kramer. Wer das Zusammenleben im Dorf fördere, solle das Dorfgemeinschaftshaus kostenlos nutzen.
Diese Einschätzung teilen auch seine Amtskollegen aus den zwölf anderen Ortsteilen. Gemeinsam haben sie deshalb einen Gegenentwurf erarbeitet, der nun dem nächsten Stadtrat vorgelegt werden soll. Unser Vorschlag beschreibt eigentlich nur den Status quo, erklärt Kramer.
Konkret sieht der Entwurf vor, dass Vereine die Dorfgemeinschaftshäuser weiterhin kostenlos nutzen können. Gebühren sollen ausschließlich für private Nutzungen anfallen. Da die Mietpreise seit rund 20 Jahren unverändert sind, sollen diese für Privatfeiern angehoben werden – je nach Größe des Dorfgemeinschaftshauses auf 35 bis 60 Euro. Hinzu kommen 20 Euro Nebenkosten, die haben wir verdoppelt, ergänzt Kramer. In Hesserode sei das Dorfgemeinschaftshaus im vergangenen Jahr an 35 Wochenenden privat vermietet gewesen. Für Vereine gebe es an den Wochenenden ohnehin nur begrenzte Möglichkeiten, so Kramer.
Auch ein weiterer Punkt der städtischen Pläne löst bei den Ortsteilbürgermeistern Kopfschütteln aus. Die Stadt möchte das Vermietungsprozedere ändern. Bisher unterzeichnen die Ortsteilbürgermeister die Mietverträge, geben die Schlüssel aus und schicken den Vertrag an die Stadt. Diese schickt wiederum die Rechnung an den Mieter. "So können die Häuser auch mal recht spontan vermietet werden, was öfter vorkommt", beschreibt Susann Jäger, Ortsteilbürgermeisterin in Rodishain, die derzeitige Praxis.
Künftig soll die Vermietung aber direkt über die Stadt laufen, ohne Einbindung der Ortsteilbürgermeister. Das Geld soll mit der Vertragsunterzeichnung unmittelbar an die Stadt fließen, erst dann werden die Schlüssel ausgehändigt. Die Ortsteilbürgermeister halten das für viel zu bürokratisch. Bauamtsleiter Kay Alert bemühte sich am Donnerstagabend, eine Brücke zu bauen: Die neue Nutzungsordnung sei noch nicht in Stein gemeißelt.
Am Ende stimmten die Ausschussmitglieder bei einer Enthaltung von Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) für den CDU-Antrag, die Vergabe- und Nutzungsordnung noch einmal neu zu fassen. Am 3. Februar befasst sich nun der Finanzausschuss als nächstes mit dem Antrag.
Susanne Schedwill

