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Das Museumsprogramm für 2026

Clowns, Kunst und Kuriositäten

Mittwoch, 21. Januar 2026, 11:30 Uhr
Im Kunsthaus wird am kommenden Samstag die erste neue Ausstellung des Jahres eröffnet, man blickt mit Künstleraugen auf den Clown. Was die Nordhäuser Museen sonst noch für 2026 vorbereiten, wurde gestern vorgestellt…

Im Kunsthaus widmet man sich ab dem Wochenende der Welt der Clowns  (Foto: agl) Im Kunsthaus widmet man sich ab dem Wochenende der Welt der Clowns (Foto: agl)

Der Clown. Ein Symbol für Freude und Klamauk, für Unsinn und Satire aber auch für das Verborgene hinter der Maske, für Depression und versteckte Trauer. Vom Spaßmacher im Zirkuszelt bis zu Pierrot der Ikone des „traurigen Clowns“ haben die vielen Facetten und Emotionen der Clownerie auch viele namhafte Künstlerinnen und Künstler beschäftigt.

Clowns, Karikaturen, Papierkunst und Expressionismus

Im Kunsthaus Meyenburg wird man ab kommenden Samstag eine gewohnt fein kuratierte Auswahl an Werken rund um den Clown präsentieren, darunter Arbeiten von Pablo Picasso, Oskar Kokoschka, Erich Heckel, Otto Dix, Kare Appel, Bernhard Buffet, Otto Müller, Alfred Kubin, Wilhelm Lachnit, Heinrich Zille und Ilsetraut Glock.

v.l.: Kunsthauschefin Susanne Hinsching, Volontärin Alisa Behrens, Bürgermeisterin Alexandra Rieger und Jürgen Rennebach, Leiter des Museums Tabakspeicher (Foto: agl) v.l.: Kunsthauschefin Susanne Hinsching, Volontärin Alisa Behrens, Bürgermeisterin Alexandra Rieger und Jürgen Rennebach, Leiter des Museums Tabakspeicher (Foto: agl)

Passend zum Thema hat man ein erheiterndes Rahmenprogramm gebastelt, berichtet gestern Kunsthausleiterin Susanne Hinsching anlässlich der Vorstellung des Museumsprogramms. Auf dem Plan stehen unter anderem ein Malwettbewerb für Kinder und Erwachsene, eine Selfie-Aktion, die Lesung „Gelacht und Geweint“ mit Anja Eisner und ein Vortrag zu Pablo Picasso von Alisa Behrens.


Nur einen Aspekt des Clowns hat man ausgelassen: den Horror. Monsterhafte Gestalten wie aus Stephen Kings „Es“ werden in der Ausstellung fehlen, wem Clowns nicht so ganz geheuer sind. der muss dem Kunsthaus also nicht unbedingt fernbleiben. Die Ausstellung ab dem 24. Januar bis zum 6. April zu sehen, die Vernissage beginnt am kommenden Samstag um 16 Uhr.

Welch ein Glück!
Erheiternd geht es ab dem 18. April weiter, das Kunsthaus wendet sich mit dem Ausstellung „Welch ein Glück!“ dann der Karikatur zu, genauer dem umfangreichen und künstlerisch durchaus beachtenswertem Werk Gerhard Glücks. Der Karikaturist hat mit seinem unverwechselbarem Stil die Hessische Allgemeine, die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung und auch den Eulenspiegel bereichert, Glück gehört damit zu den bedeutendsten Vertretern seiner Zunft hierzulande.

Scherenschnitt international
Anlässlich des 100. Geburtstages der Nordhäuser Ehrenbürgerin Erika Schirmer widmet man sich vom 27. Juni bis zum 30. August der Welt der Scherenschnitte. Allerdings wird man die bekannten Werke der Nordhäuser Künstlerin dieses mal nicht alleine stehen lassen, sondern ihr internationale Papierkunst zur Seite stellen. Frau Schirmer wird sich also neben den Großen der Kunstwelt wiederfinden, darunter Luise Neupert und Henri Matisse.

Die Expressionisten
Seinen Abschluss findet das Kunstjahr mit einem Blick auf den Expressionismus und seine Nachwirken bis in die heutige Zeit. Bekannte Künstlerkollektive wie „Die blauen Reiter“ oder „Die Brücke“ prägten die Stilrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ihr Einfluss ist aber bis heute in Malerei, Grafik und Plastik spürbar. Entsprechend wird man vom 12. September bis zum 5. Januar auch nicht nur „flache Ware“ zeigen, sondern die ganze Bandbreite der expressionistischen Kunst darbieten, unter anderem mit Werken von Archipenko, Barlach, Heckel, Campendonk, Kollwitz und Kandinsky.

150 Jahre Nordhäuser Museen

Im stadthistorischen Museum Flohburg bereitet man sich auf einen runden Geburtstag vor: am 29. September 1876 wurde das erste Nordhäuser Museum eröffnet, also vor 150 Jahren. Bis zur Geburtstagsfeier im Herbst stehen aber noch ein paar Tage auf dem Kalender und auch die wird man zu füllen wissen.

Voll der Osten
Den Auftakt gibt man mit der Fotoausstellung „Voll der Osten - Leben in der DDR“. Bebildert wurde die Sammlung von Harald Hauswald, die Texte stammen aus der Feder von Stefan Wolle. Die Wanderausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung ist vom 12. Februar bis zum 17. Mai zu sehen und wird natürlich auch durch Exponate und Erinnerungsstücke aus dem Nordhäuser Fundus ergänzt werden.

Wer ein Leben rettet
In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Mittelbau-Dora wird man vom 04. Juni bis zum 06. September die Ausstellung „Wer ein Leben rettet… Lebensgeschichten von Kindern des verlorenen Transports“ erstmals nach Thüringen holen. Die Wanderausstellung veranschaulicht die Biografien von acht exemplarisch ausgewählten jüdischen Kindern und Jugendlichen, die im April 1945 mit dem „Verlorenen Transport“ aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert und bei dem Bergarbeiterdorf Tröbitz in der Lausitz befreit wurden.

Die aus elf Stelen bestehende Ausstellung zeigt anhand von zumeist unbekannten privaten Fotografien und Illustrationen das Leben der jüdischen Familien in den besetzten Ländern, die Deportation in die Durchgangs- und Konzentrationslager des „Dritten Reichs“ sowie die unterschiedlichen Lebensverläufe nach der Befreiung in Tröbitz.

Der Geburtstag
Pünktlich zum Eröffnungstag des „Städtischen Altertums-Museums“ am 29. September vor 150 Jahren wird man das Jubiläum auch in der Flohburg feiern. Anders als im alten Museum - die Anfänge machte man damals mit einem einzigen Raum im Gebäude der „Höheren Töchterschule“ in der Blasiistraße - hat man heute viel Platz und vor allem viele Artefakte, die sonst im Depot schlummern, über anderthalb Jahrhunderte zusammengetragen von fleißigen Sammlern. Und eben um das „Sammeln“ als Kernaufgabe des musealen Auftrags soll sich die Ausstellung drehen. Gezeigt werden unter anderem Münzen und Porzellan, die Nordhäuser Muschelsammlung und andere Naturalien, historische Siegel, Waffen und Gemälde.

Das Spiel der Könige, kuriose Kostbarkeiten und Klo-Geschichten

Der Tabakspeicher ist zwar auch Museum, hat sich über die Jahre aber auch als Veranstaltungsort einen Namen gemacht. Museumsleiter Jürgen Rennebach begann seinen Überblick denn gestern auch nicht mit den diesjährigen Ausstellungen sondern mit einem Ausblick auf das sonstige Kulturprogramm.

Musik, Mörder und Liebesbriefe
Sieben Konzerte sind für das neue Jahr geplant, berichtet Rennebach, mit dem Kulturbund für Europa wird man einige hochkarätige Künstler nach Nordhausen holen. Mit der platonischen Liebesgeschichte „Love Letters“, einer Lesung des Zeichners und Schriftstellers Robert Gernhardt und der Wiederkehr des „Mordsharz“ kommt auch die Literatur nicht zu kurz. Das „Wilde Geplauder“ wird im Oktober in seine 11. Runde gehen und mit der Reihe „Kunst, Gott und die Welt“ wird man auch der Kunstwissenschaft Raum im Tabakspeicher geben.

Das Spiel der Könige
Die erste Ausstellung des Handwerksmuseums wird sich mit der Geschichte und den Ausprägungen des Schach befassen und die Geheimnisse des uralten Strategiespiels erkunden. Die Bandbreite sei erstaunlich groß, sagt Rennebach, auch mit Blick auf die Ausstellungsstücke, für die man auf Leihgaben der beiden deutschen Schachmuseen in Ströbeck und Löberitz zurückgreifen konnte. Die Schachausstellung wird man 14. März eröffnet und wird bis zum 07. Juni zu sehen sein.

Kuriose Kostbarkeiten
Vom 20. Juni bis zum 17. Oktober geht es dann ausgefallen weiter. Für die Ausstellung „Kuriose Kostbarkeiten aus einer anderen Zeit“ hat man Raritäten und „Dingsdas“ des 18. und 19. Jahrhunderts zusammengetragen. Gemeint sind damit vor allem Gegenstände, die einem vielleicht bekannt und vertraut vorkommen mögen, deren tatsächliche Nutzung heute aber vielleicht nicht mehr jedem geläufig ist, ein „Dingsda“ eben.

Eine ganze Reihe solcher Objekte hat der Thüringer Sammler Robert Heyne zusammengetragen, der dem Tabakspeicher viele seiner Exponate für die Ausstellung zur Verfügung stellt.

Drauf geschissen 2.0
Auch zum Jahresende bleibt sich der Tabakspeicher treu und hat eine Kulturgeschichte gefunden, die nicht alle Tage erzählt wird. In „Drauf geschissen 2.0“ blickt man auf die Geschichte des „Stillen Örtchens“ - vom alten Ägypten, über die „Cloaca Maxima“ der Römer bis zum Mittelalter und der hygienischen Errungenschaft des Wasserklosetts.

Diese Sonderausstellung ist eine Präsentation derStaatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen die man in Zusammenarbeit mit dem Römerkastell Saalburg, Bad Homburg nach Nordhausen holen kann, zu sehen ist die Schau bis zum 17. Januar 2027.
Angelo Glashagel
Autor: red

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