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Dauergast in Nordhausen

Donnerstag, 01. Februar 2007, 20:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Unter den „großen“ Parteien macht die SPD im Landkreis Nordhausen traditionell den Abschluß der Neujahrsempfänge. Nicht mehr im Ratskeller, dafür in einem Cafè. Doch die Sozialdemokraten halten auch bei der Besetzungsliste an Traditionen fest. Matthias Platzeck war wiederum Gast in Nordhausen.

Kurt Wolf, Matthias Platzeck (Foto: nnz) Kurt Wolf, Matthias Platzeck (Foto: nnz)

Zum fünften Mal besuchte Matthias Platzeck die Rolandstadt. Quasi ziehen sich diese Abstecher wie ein roter Faden durch seine Polit-Karriere. Mal als brandenburgischer Umweltminister, mal als Oberbürgermeister von Potsdam, mal als Ministerpräsident. Nur der Besuch als Parteivorsitzender fehlt.

Platzeck machte heute denn auch nicht in Sachen Wahlkampf, vielmehr stellte er dem Auditorium die sozialdemokratische Version des kommenden Sozialstaates vor. Das eigentliche Bekenntnis der heutigen SPD war überflüssig, es ist selbst für die anderen Parteien im Grundgesetz festgeschrieben. Auf jeden Fall aber will die deutsche Sozialdemokratie in punkto Sozialstaat umsteuern und vordenken. Deutschland soll ein vorsorgender Sozialstaat werden. Was die Idee der SPD stört, das sind „ständig steigende Sockelarbeitslosigkeit, eine strukturell wachsende Armut, Bildungsdefizite eines Großteils der jungen Menschen, aber auch eine übergewichtige Bevölkerung und stetig steigende Suchtprobleme“.

Das war denn sogar für die Beschallungsanlage zuviel, sie gab ihren „Geist“ auf. Und so wurde es auch leiser, als der kurzzeitige Parteivorsitzende davon sprach, die Mitte der Gesellschaft für den vorsorgenden Sozialstaat zu gewinnen. Vielmehr sollten sich die Arbeitnehmer des 21. Jahrhunderts daran gewöhnen, mindestens dreimal in ihrem Arbeitsleben umzulernen. Zeit dazu haben sie genug, letztlich machte ja Ur-Sozi Franz Müntefering die Rente mit 67 politikfähig.

Dagmar Becker, die SPD-Kreisvorsitzende, bedauert zu Beginn ihrer Begrüßung, dass es mit der Landratswahl für die vereinigte Linke im vergangenen Jahr nicht geklappt habe. Noch immer müsse man mit einem schwachen Landrat vorlieb nehmen, der alles aussitze. Wohl aber bekannte sich Becker zu einer starken Kreisstadt, was auch immer aus Sicht einer Kreisvorsitzenden das bedeuten mag.

Für die Kreisstadt war traditionell Oberbürgermeisterin Barbara Rinke am Rednerpult. Sie war im vergangenen Jahr mit absoluter Mehrheit gewählt worden. Vermutlich wäre dieser Umstand auch eingetreten, wenn sie nicht das rote Parteibuch in ihrer Tasche gehabt hätte. Rinke erwähnte neue Ansiedlungen im Gewerbegebiet an der Darre (nnz berichtete bereits), Fortschritte beim Industriegebiet, zehn Jahre Fachhochschule, aber auch die anstehenden Stadtfeste.

Es war eigentlich wie immer. Die SPD erwies sich selbst in Nordhausen als Partei der Traditionen. Auch in der Folge der Redner: Becker, Platzeck, Rinke.
Autor: nnz

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