Selbstwert
Wenn wir uns selbst verleugnen
Sonntag, 04. Januar 2026, 08:15 Uhr
In meiner täglichen Arbeit als Heilpraktikerin begegne ich immer wieder Menschen, die sich in einem Netz aus Anpassung verloren haben. Dieses ständige Zurücknehmen ist jedoch kein Charakterfehler, sondern oft eine tief sitzende Überlebensstrategie.
Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse verleugnen, stecken meist zwei mächtige psychologische Motive dahinter: Die Sehnsucht nach Bindung oder die Vermeidung von Angst.
Die Wurzeln liegen in der Kindheit
Diese Verhaltensmuster entstehen meist früh im Leben und verankern sich als feste Glaubenssätze. Damals waren sie lebensnotwendig, um Sicherheit und Zugehörigkeit innerhalb der Familie zu gewährleisten. Wer als Kind lernte, dass Liebe nur bei Wohlverhalten oder Leistung gewährt wird, trägt dieses Programm oft bis ins Erwachsenenalter.
Der erste Schritt zur Veränderung ist es, diese Glaubenssätze überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Wenn wir erkennen: Das ist ein altes Programm, das mich früher geschützt hat, verliert es seine unbewusste Macht. Erst durch dieses bewusste Hinsehen können alte Muster Schritt für Schritt aufgelöst werden.
Selbsttest: Woran erkenne ich, dass ich mich selbst verleugne?
Unterwerfung aus Sympathie: Das Drama des Geliebt-werden-Wollens
Hier ist die Triebfeder die Hoffnung auf Verbundenheit. Man ordnet sich unter, um Zuneigung zu verdienen".
Unterwerfung aus Angst: Der Preis der Sicherheit
Hier geht es um die Vermeidung negativer Konsequenzen wie Kritik, Ausschluss oder Druck.
Wege zurück in die eigene Mitte: Was Sie für sich tun können
Wenn wir uns innerlich ständig beugen, verlieren wir den Kontakt zu unserem wahren Kern. Um wieder mehr Selbstwirksamkeit und Selbstachtung zu erfahren, können kleine Übungen helfen:
Sich aus alten Verstrickungen zu lösen, ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Doch mit jedem Mal, in dem Sie zu sich selbst stehen, wächst Ihr inneres Fundament und Ihre Selbstliebe.
Helene Kempe, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Autor: redWenn wir unsere eigenen Bedürfnisse verleugnen, stecken meist zwei mächtige psychologische Motive dahinter: Die Sehnsucht nach Bindung oder die Vermeidung von Angst.
Die Wurzeln liegen in der Kindheit
Diese Verhaltensmuster entstehen meist früh im Leben und verankern sich als feste Glaubenssätze. Damals waren sie lebensnotwendig, um Sicherheit und Zugehörigkeit innerhalb der Familie zu gewährleisten. Wer als Kind lernte, dass Liebe nur bei Wohlverhalten oder Leistung gewährt wird, trägt dieses Programm oft bis ins Erwachsenenalter.
Der erste Schritt zur Veränderung ist es, diese Glaubenssätze überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Wenn wir erkennen: Das ist ein altes Programm, das mich früher geschützt hat, verliert es seine unbewusste Macht. Erst durch dieses bewusste Hinsehen können alte Muster Schritt für Schritt aufgelöst werden.
Selbsttest: Woran erkenne ich, dass ich mich selbst verleugne?
- Fühle ich mich oft erschöpft, nachdem ich mit anderen zusammen war?
- Fällt es mir schwer, eine eigene Meinung zu äußern, wenn diese von der Mehrheit abweicht?
- Habe ich Angst, dass Menschen mich ablehnen, wenn ich einmal Nein sage?
- Glaube ich, dass ich für die Stimmung anderer verantwortlich bin?
- Fühle ich mich oft innerlich leer, weil ich gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich will?
Unterwerfung aus Sympathie: Das Drama des Geliebt-werden-Wollens
Hier ist die Triebfeder die Hoffnung auf Verbundenheit. Man ordnet sich unter, um Zuneigung zu verdienen".
- Das Anlieben gegen die Kälte: In Beziehungen wird oft massiv investiert, um Distanz oder Kritik des Partners auszugleichen. Man passt sich bis zur Unkenntlichkeit an, in der Hoffnung, dass die eigene Geduld das Gegenüber irgendwann erweicht.
- Das Aufwachsen im Schatten: Wer neben einem kranken oder sehr fordernden Geschwisterkind aufwuchs, lernte oft, sich unsichtbar zu machen. Dieser Schattenplatz wird oft lebenslang beibehalten, in der Hoffnung, endlich einmal gesehen zu werden.
- Der Fels in der Brandung: Die Angst, den Platz im Herzen anderer zu verlieren, führt dazu, dass man niemals Nein sagt. Der eigene Wert wird ausschließlich über die Nützlichkeit für andere definiert.
Unterwerfung aus Angst: Der Preis der Sicherheit
Hier geht es um die Vermeidung negativer Konsequenzen wie Kritik, Ausschluss oder Druck.
- Beruflicher Druck: Aus Sorge vor negativen Beurteilungen funktioniert man schweigend weiter, auch wenn die Belastung die psychische Gesundheit längst angreift.
- Soziale Anpassung: Man verleugnet eigene Werte, nur um nicht als schwierig zu gelten und plötzlich emotional isoliert dazustehen.
- Häusliche Eskalation: Man gibt bei jedem Konflikt sofort nach, um Lautstärke oder tagelanges Schweigen des Partners zu verhindern. Man opfert die eigene Wahrheit für einen brüchigen Frieden.
Wege zurück in die eigene Mitte: Was Sie für sich tun können
Wenn wir uns innerlich ständig beugen, verlieren wir den Kontakt zu unserem wahren Kern. Um wieder mehr Selbstwirksamkeit und Selbstachtung zu erfahren, können kleine Übungen helfen:
- Die Innehalten-Pause: Bevor Sie das nächste Mal sofort Ja sagen, atmen Sie dreimal tief durch. Fragen Sie sich kurz: Möchte ich das gerade wirklich oder möchte ich nur die Erwartung erfüllen?
- Kleine Wünsche benennen: Fangen Sie klein an. Äußern Sie Wünsche bei Dingen, die keine Gefahr bergen (z. B. bei der Wahl des Restaurants). Spüren Sie, dass die Welt nicht untergeht, wenn Sie eine eigene Meinung haben.
- Glaubenssätze entlarven: Schreiben Sie Sätze auf wie Ich bin nur wertvoll, wenn ich helfe. Fragen Sie sich ehrlich: Ist das heute noch wahr? Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?
- Selbstmitgefühl praktizieren: Behandeln Sie sich selbst wie eine gute Freundin. Würden Sie von ihr verlangen, sich bis zur Erschöpfung aufzuopfern?
Sich aus alten Verstrickungen zu lösen, ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Doch mit jedem Mal, in dem Sie zu sich selbst stehen, wächst Ihr inneres Fundament und Ihre Selbstliebe.
Helene Kempe, Heilpraktikerin für Psychotherapie
