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Die (Weihnachts-)Glocken läuten – auch ohne Weihnachten
Samstag, 13. Dezember 2025, 10:33 Uhr
Klajner kann weitermachen – das war für mich als Liebhaberin unseres Theaters am 3. Dezember die schönste Adventnachricht. Nicht nur deshalb fieberte ich der Premiere seines Weihnachtsmusicals entgegen, für das er nach der Novelle »The Chimes« (1844) von Charles Dickens den Text schrieb und die Musik komponierte. Ich wusste: Was Daniel Klajner anfasst wird gut. Seine Intendanz ist ein Segen für Nordhausen, für unser Theater...
Gelungene Premiere (Foto: S. Schröder)
Aber zum Stück und erst einmal zur "Optik": Die gigantischen Glocken des Bühnenbilds in seiner durchdachten atmosphärischen Wandelbarkeit war wie immer ein kreatives, fantasievolles Meisterwerk von Wolfgang Kurima Rauschning und seinem Team. Und es wurde durch exzellente Künstler, zu denen auch viele Kinder gehörten, und die fantasievollen, ausdrucksstarken, detailreichen und zu den Rollen passenden Kostümen im Zusammenspiel mit unserem Lohorchester zum Leben erweckt. Anja Schulz-Hentrich und ihr Team beweisen immer wieder ihr meisterhaftes Können und überraschen und überzeugen damit.
Und die Geschichte dahinter? Sie ist (leider) so aktuell wie zu Dicken's Zeit: Es geht um die Schwachen und vom System Gebeutelten, die arm, aber im Herzen reich sind auf der einen Seite und die dekadent und in ihrer Oberflächlichkeit kaum zu überbietenden Reichen, die im Herzen arm sind. Die Handlung ging tief in die Seele, nahm die Zuschauer mit. Es war emotional berührend in Text und Musik, die situativ sehr abwechslungsreich und phasenweise auch überraschend war.
Klajner hatte im Interview im Vorfeld gesagt: "Wichtig war mir, dem Genius von Dickens durch die Musik noch eine weitere Dimension an Emotionalität hinzuzufügen. Der Originalgeschichte etwas von ihrer Düsternis zu nehmen und dem Optimismus, der Selbstermächtigung, der Wichtigkeit des familiären Zusammenhalts und der Befriedung Raum zu geben." Und genau das ist mehr als gelungen. Kurzum: Danke, TNLOS, für (wieder) eine sehr gelungene Uraufführung in der Inszenierung von Ivan Alboresi.
Nach der guten Nachricht vom Beginn folgte am 6. Dezember die schlechte: Ivan Alboresi geht. Ein großartiger und für mich genialer Ballettdirektor, dem wir in Nordhausen so viele Highlights zu verdanken haben.
Für mich war es nicht nur ein Weihnachtsmusical. Es hätte ebenso in einer anderen kalten Jahreszeit beheimatet sein können. Und mir fiel das Lied Und irgendwo lächelt das Christkind leise, nach dem wir im VHS-Kurs Tanze das Leben in der Weihnachtssession tanzten, ein. Darin heißt es u.a. weil wir noch glauben an das Licht und vergiss das Gute nicht. Vielleicht kann das für uns alle die wichtigste Weihnachtsbotschaft in diesem Jahr sein.
Sabine Schröder
Autor: psg
Gelungene Premiere (Foto: S. Schröder)
Aber zum Stück und erst einmal zur "Optik": Die gigantischen Glocken des Bühnenbilds in seiner durchdachten atmosphärischen Wandelbarkeit war wie immer ein kreatives, fantasievolles Meisterwerk von Wolfgang Kurima Rauschning und seinem Team. Und es wurde durch exzellente Künstler, zu denen auch viele Kinder gehörten, und die fantasievollen, ausdrucksstarken, detailreichen und zu den Rollen passenden Kostümen im Zusammenspiel mit unserem Lohorchester zum Leben erweckt. Anja Schulz-Hentrich und ihr Team beweisen immer wieder ihr meisterhaftes Können und überraschen und überzeugen damit.
Und die Geschichte dahinter? Sie ist (leider) so aktuell wie zu Dicken's Zeit: Es geht um die Schwachen und vom System Gebeutelten, die arm, aber im Herzen reich sind auf der einen Seite und die dekadent und in ihrer Oberflächlichkeit kaum zu überbietenden Reichen, die im Herzen arm sind. Die Handlung ging tief in die Seele, nahm die Zuschauer mit. Es war emotional berührend in Text und Musik, die situativ sehr abwechslungsreich und phasenweise auch überraschend war.
Klajner hatte im Interview im Vorfeld gesagt: "Wichtig war mir, dem Genius von Dickens durch die Musik noch eine weitere Dimension an Emotionalität hinzuzufügen. Der Originalgeschichte etwas von ihrer Düsternis zu nehmen und dem Optimismus, der Selbstermächtigung, der Wichtigkeit des familiären Zusammenhalts und der Befriedung Raum zu geben." Und genau das ist mehr als gelungen. Kurzum: Danke, TNLOS, für (wieder) eine sehr gelungene Uraufführung in der Inszenierung von Ivan Alboresi.
Nach der guten Nachricht vom Beginn folgte am 6. Dezember die schlechte: Ivan Alboresi geht. Ein großartiger und für mich genialer Ballettdirektor, dem wir in Nordhausen so viele Highlights zu verdanken haben.
Für mich war es nicht nur ein Weihnachtsmusical. Es hätte ebenso in einer anderen kalten Jahreszeit beheimatet sein können. Und mir fiel das Lied Und irgendwo lächelt das Christkind leise, nach dem wir im VHS-Kurs Tanze das Leben in der Weihnachtssession tanzten, ein. Darin heißt es u.a. weil wir noch glauben an das Licht und vergiss das Gute nicht. Vielleicht kann das für uns alle die wichtigste Weihnachtsbotschaft in diesem Jahr sein.
Sabine Schröder
