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Tradition trifft Technikbegeisterung

Die Brockenhexe kehrt zurück

Dienstag, 09. Dezember 2025, 20:18 Uhr
Die Ausstellung im IFA-Museum Nordhausen blickt auf mehr als 100 Jahre Nordhäuser Industriegeschichte zurück. Schon früh wurden in Nordhausen Motorlokomotiven, Landmaschinen und innovative Motorentechnik gefertigt.


Mit viel Leidenschaft bewahrt und belebt der Verein heute als Betreiber des Museums eindrucksvoll ein einzigartiges Stück deutscher Techniktradition. Von Lokomotiven über Traktoren bis zum Motorenbau – eine bewegte Geschichte.

Der Verein zählt heute rund 130 Mitglieder, von denen viele aktiv am Erhalt und Betrieb des Museums mitwirken. Dadurch ist das Museum an fünf Tagen pro Woche für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Mit großem Engagement, Ideenreichtum und der Unterstützung der regionalen Industrie bewahren die Vereinsmitglieder die Geschichte der Nordhäuser Ingenieurskunst.

Kai Krauthöfer, Louis Piskulla und Udo Kürbis vor der bereits restaurierten Brockenhexe in der Ausstellung des IFA-Museums (Foto: Schachtbau) Kai Krauthöfer, Louis Piskulla und Udo Kürbis vor der bereits restaurierten Brockenhexe in der Ausstellung des IFA-Museums (Foto: Schachtbau)



Während des zweiten Weltkrieges wurde aus dem Fahrzeugbauer ein Rüstungsbetrieb. 1945 rekonstruiert die sowjetische Besatzungsmacht in der Region um Nordhausen Teile der Raketenproduktion aus dem Kohnstein. Als 1946 der Betrieb demontiert und Maschinen und Mitarbeiter in die Sowjetunion deportiert werden, blieben nur das Verwaltungsgebäude und zwei leere Hallen übrig. Doch die Mitarbeiter ließen sich nicht entmutigen. Die Hallen wurden wieder aufgebaut und das Werk baute Traktoren für die Landwirtschaft. Ab 1965 konzentrierte man sich auf die Dieselmotorenproduktion, die bis 1990 fortgeführt wurde. Neben Motoren entstanden zu DDR-Zeiten auch Konsumgüter wie etwa der legendäre IFA-Handwagen. Nur die Ventil- und die Fahrradfertigung überdauerten die Schließung des Motorenwerks im Jahr 1997 noch einige Jahre.

Ein besonderer technischer Schatz im Museum ist der ZT 300-Prototyp mit umschaltbarem Naturgas - Dieselantrieb aus dem Jahr 1984 – ein Beispiel für frühe alternative Antriebstechnologien.
Dank der liebevollen Zuwendung der Vereinsmitglieder um Udo Kürbis ist der hybride ZT300 noch immer funktionsfähig. Nun möchte der Verein einem weiteren DDR-Relikt neues Leben einhauchen.
Gemeinsam mit Schachtbau Nordhausen arbeiten die Vereinsmitglieder seit zwei Jahren an der Restaurierung einer „Brockenhexe“, eines robusten Radschleppers aus DDR-Zeiten.

Louis Piskulla, Kai Krauthöfer und Udo Kürbis vor der Brockenhexe, die gerade gemeinschaftlich instandgesetzt wird (Foto: Schachtbau) Louis Piskulla, Kai Krauthöfer und Udo Kürbis vor der Brockenhexe, die gerade gemeinschaftlich instandgesetzt wird (Foto: Schachtbau)

In enger Zusammenarbeit mit der Ausbildungsabteilung wird derzeit ein besonderes Projekt realisiert: die aufwändige Instandsetzung dieses legendären Radschleppers aus Nordhäuser Produktion.
Von diesem Traktor in Blockbauweise wurden von 1949 bis 1952 im Volkseigenen Betrieb (VEB) Schlepperwerk Nordhausen knapp 2.000 Stück produziert. Heute verfügt die Dauerausstellung des Museums bereits über eine restaurierte Brockenhexe mit Einzeleinspritzpumpen. Bis das zweite Exemplar ausstellungsreif ist, bedarf es noch einiger Zeit und Mühe.

Das nun in Restaurierung befindliche Exemplar wurde dem Museum von einer Privatperson zum Kauf angeboten. Originaldokumente dazu existierten jedoch nicht mehr. Anhand alter Skizzen und Zeichnungen als Basis, fertigte der Schachtbau-Azubi Louis Piskulla dafür ein neues Auspuffrohr. Der angehende Konstruktionsmechaniker, der aktuell sein drittes Ausbildungsjahr absolviert, hat das Rohr durch anreißen, zuschneiden und walzen gefertigt.

Mehrfach nahm er Anpassungen vor, bevor er es schließlich verschweißen konnte. Für Louis Piskulla war das eine gute Gelegenheit, seine Fertigkeiten auszubauen und zu vertiefen – für den Verein erwuchs daraus eine ebenso wertvolle wie effektive Kooperation. Neben dem Auspuff wurde auch die stark verbeulte Motorhaube von Schachtbau instandgesetzt und dabei der Flansch erneuert und überarbeitet. Mit großem Einsatz begleitet Vereinsmitglied Udo Kürbis das Projekt und berichtet stolz von der guten Zusammenarbeit mit Schachtbau-Ausbildungsmeister Kai Krauthöfer und Louis Piskulla.
Autor: red

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