nnz-online

10.000 neue Jobs in Sicht

Montag, 22. Januar 2007, 07:17 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft wird immer besser. Der Konjunkturmotor läuft auf vollen Touren und die Unternehmer beurteilen ihre gegenwärtige Geschäftslage so gut wie lange nicht. Die nnz mit einer Analyse und einem Ausblick.


„Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, steigt rasant um 13 Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht 119 von 200 möglichen Prozentpunkten – den höchsten Wert seit 1994“, informiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser über die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 1.000 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen.

Besonders erfreulich sei die sich abzeichnende Wende auf dem Arbeitsmarkt: 22 Prozent der Industriebetriebe planten in den nächsten Monaten die Einstellung weiterer Mitarbeiter. „Wir rechnen im Jahresverlauf mit rund 10.000 neuen Jobs in Thüringen“, zeigt sich Grusser zuversichtlich mit Blick auf die vorliegenden Beschäftigungsindikatoren. Im Jahresdurchschnitt dürften dann sogar weniger als 150.000 Arbeitslose im Freistaat gezählt werden und die Arbeitslosenquote dauerhaft unter 14 Prozent sinken.

Inzwischen beurteilt branchenübergreifend die Mehrzahl der Unternehmer die aktuelle Situation mit gut bis befriedigend. Lediglich bei jedem Zehnten laufen die Geschäfte schlecht. Die Ertragslage hat sich weiter verbessert, 87 Prozent der Befragten arbeiten mit Gewinn bzw. kostendeckend.

„Den wirtschaftlichen Erfolg können sich allein die Unternehmer auf die Fahnen schreiben“, erklärt der IHK-Chef. Harte Umstrukturierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen in den Betrieben würden jetzt erste Früchte tragen. Die Bundesregierung habe dagegen nur wenig zur momentan guten konjunkturellen Entwicklung beigetragen. „Die erfreulichen Wirtschaftsdaten sind für die Politik Chance und Verpflichtung zugleich“, fordert Grusser wachstumsorientierte Schritte auf dem Arbeitsmarkt und bei den Unternehmenssteuern zur Verstetigung des Aufschwungs. Eine günstigere Zeit für Reformen werde sich der Regierung kaum bieten.

Die Erwartungen für die nächsten Monate seien zwar gut, aber deutlich weniger euphorisch als die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. 23 Prozent der Unternehmer rechneten auch künftig mit einer positiven Entwicklung, 18 Prozent zeigten sich jedoch eher skeptisch.

Auf der Sonnenseite der Konjunktur stehen insbesondere die Industriefirmen. Neben einem expansiven Auslandsgeschäft leistet zunehmend auch die Inlandsnachfrage ihren Beitrag zu den positiven Umsatzzahlen. Gestiegene Auftragseingänge und eine verbesserte Kapazitätsauslastung haben den Betrieben wieder mehr Geld in die Kassen gespült und weitere Investitionen ermöglicht. 70 Prozent der Manager wollen in den kommenden Monaten investieren. Besonders erfreulich: 35 Prozent der Firmenchefs planen dabei ihre Kapazitäten auszubauen.

Auch im Baugewerbe bleiben die Unternehmer optimistisch. Knapp jedem dritten Betrieb geht es gut. Inzwischen lasten 57 Prozent der Firmen ihre Kapazitäten zu 80 Prozent und mehr aus. Im vergangenen Jahr war das nur bei jedem Dritten der Fall. 38 Prozent der Befragten konnten zusätzliche Aufträge registrieren. „Insbesondere im gewerblichen Bau haben sich die Auftragsbücher wieder gefüllt; bei mehr als einem Drittel reicht der Bestand länger als vier Monate“, berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. Dementsprechend günstig werde die Entwicklung in der nahen Zukunft beurteilt. 22 Prozent der Unternehmer erwarteten eine weitere Verbesserung ihrer Geschäftslage und immerhin 64 Prozent rechneten mit einer zumindest gleich bleibend stabilen Entwicklung.

Trotz eines eher zufrieden stellenden Weihnachtsgeschäftes haben sich die Sorgenfalten im Einzelhandel noch nicht geglättet. Im harten Wettbewerb um den Kunden konnte die Mehrwertsteuererhöhung vielfach nicht auf die Preise umgelegt werden. Dies schmälert die Erträge und lässt die Umsatzzahlen auf dem niedrigen Niveau der Vorjahre verharren. Dementsprechend kritisch fällt der Blick auf die kommenden Monate aus. 26 Prozent der Befragten befürchten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftslage, dagegen äußern sich nur 13 Prozent zuversichtlich. Bleibt zu hoffen, dass durch die Belebung am Arbeitsmarkt auch die Konsumfreude der Verbraucher neuen Schwung erhält.

Fazit: Die Wirtschaft entwickelt sich ausgesprochen dynamisch. Für 2007 erwarten die Unternehmer eine Fortsetzung des Aufschwungs. Der Konjunkturmotor wird zwar im ersten Quartal infolge der Mehrwertsteuererhöhung etwas stottern, sollte dann aber wieder rund laufen. Nicht auszudenken, wenn die Politik diesen Prozess mit den erhofften Reformen noch unterstützt!
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de