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nnz-Forum: Zur geplanten Kita-Schließung in Nordhausen

Besorgte Mutter und Erzieherin mit Brandbrief

Freitag, 21. November 2025, 17:48 Uhr
In einem offenen Brief an die Stadt thegeplanten Kita-Schließungen den Begriff "Kinderfreundliche Kommune" und fragt, ob das nur ein leeres Versprechen in Nordhausen ist?

​Nordhausen trägt seit Anfang 2025 stolz das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“. Es ist eine Auszeichnung, die den Willen zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention würdigt. Doch während die Stadt die Plakette feiert, erleben wir Eltern, Kinder und pädagogisches Fachpersonal eine ganz andere Realität. Die Frage, die uns alle quält, lautet: Wofür genau hat Nordhausen diese Auszeichnung erhalten, wenn die tatsächliche Kinderfreundlichkeit auf der Strecke bleibt?

Wenn Kitas schließen, stirbt das Herz der Gemeinschaft
​Der aktuell diskutierte Vorschlag, gleich drei etablierte und hochgeschätzte Kindergärten – darunter das „Haus Kunterbunt“, das „Domschlösschen“ und das „Tierhäuschen“ – zu schließen, ist ein Schock und steht im krassen Widerspruch zum Siegel.
​Gerade das „Haus Kunterbunt“ steht beispielhaft für das, was Kinderfreundlichkeit bedeutet: Es lebt von einer tiefen Vernetzung mit der Schule, dem Seniorenheim und der Gemeinschaft, bietet vielfältige Nachmittagsangebote und entlastet so aktiv die Familien. Dies sind keine bloßen Betreuungsstätten, sondern stabile Bildungsorte und tragende Säulen unseres Soziallebens.
​Die Verwaltung begründet die Schließungen mit dem Geburtenrückgang und Überkapazitäten. Doch warum trifft es Einrichtungen, die noch gute Belegungszahlen aufweisen und deren pädagogisches Konzept und Engagement unbestritten sind? Warum werden nicht alternative, womöglich sanierungsbedürftigere oder weniger frequentierte Einrichtungen im Osten der Stadt priorisiert? Hier fehlt es an Transparenz und einer kindzentrierten Abwägung.
​Spielplätze verschwinden, Wohnraum explodiert
​Die Probleme hören nicht bei den Kitas auf. Schaut man sich im Stadtgebiet um, so sieht man, dass die Zahl attraktiver und sicherer Spielplätze stetig sinkt. Öffentliche Räume für Kinder, in denen sie sich frei entwickeln und bewegen können, werden zur Mangelware.
​Gleichzeitig verschärft sich die Wohnraumknappheit für Familien massiv. Viele kinderreiche Familien können sich die teuren, großen Wohnungen im Stadtzentrum oder in attraktiven Lagen einfach nicht mehr leisten. Eine Stadt ist aber nur dann kinderfreundlich, wenn sie auch familienfreundlichen und bezahlbaren Wohnraum bietet.

​Was ist mit den Jugendlichen?
​Und blicken wir auf unsere älteren Kinder: Wo sollen Nordhausens Jugendliche hin? Es mangelt an sicheren, kostenlosen und gut erreichbaren Treffpunkten und sinnvollen Freizeitangeboten abseits der Vereine. Der Mangel an Perspektiven im Jugendbereich ist nicht minder besorgniserregend und zeigt, dass das Engagement nicht nur bei den Kleinsten endet, sondern alle Altersgruppen betrifft.
Wir fordern Antworten – Bevor die Lichter ausgehen
​Als Mutter und Erzieherin frage ich mich: Wenn Nordhausen Kindergärten mit Herzblut und hoher Qualität schließt, weil angeblich kein Bedarf ist, warum bilden wir dann überhaupt noch Erzieherinnen und Erzieher in der Region aus? Wir riskieren, dass diese Fachkräfte in andere Landkreise abwandern, wo sie gebraucht werden. Das ist keine nachhaltige Zukunftsvorsorge.

​Die Auszeichnung als „Kinderfreundliche Kommune“ darf kein PR-Gag bleiben. Sie muss mit Leben gefüllt werden. Wir fordern vom Stadtrat und der Verwaltung:
  • Eine sofortige Aussetzung der Schließungspläne bis alternative, kreative Lösungen zur Erhaltung aller Kitas gefunden sind.
  • ​Transparente Kriterien für Schließungen, die nicht nur auf Zahlen, sondern auf pädagogischer Qualität und sozialer Vernetzung basieren.
  • ​Echte Investitionen in attraktive Spielplätze und die Schaffung von bezahlbarem Familienwohnraum.
  • ​Eine ernsthafte Beteiligung von Eltern, Erziehern und Kindern, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht.

​​Die Zukunft unserer Kinder steht auf dem Spiel. Jetzt ist nicht die Zeit für Schnellschüsse, sondern für Mut zur Investition in die nächste Generation.
N.L. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt)
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Autor: red

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