Ein Gespenst namens Angst
Dienstag, 22. Januar 2002, 18:14 Uhr
Bleicherode/Wipperdorf (nnz). In einer Wipperdorfer Gaststätte trafen sich heute Mitarbeiter der Deusa International mit Vertretern der Gewerkschaft. Fotografieren war verboten.
Das erinnerte heute doch schon ein wenig an ganz schlimme Zeiten. Da sitzen vorwiegend gestandene Männer, erfahrene Bergleute in einem Raum und haben Angst. Sie haben Angst davor, in der nnz oder vom MDR-Fernsehen abgelichtet zu werden. Angst vor ihrem Geschäftsführer, der einigen der Kollegen in den zurückliegenden Tagen neue Arbeitsverträge aufgedrückt hat? Bei einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent greift die Führungsetage von Deusa zum Manchester-Kapitalismus. Statt bisher 38 Stunden sollen die Kumpel jetzt 42 Stunden pro Woche arbeiten. Als Dank dafür gibt es für die mehr Stunden weniger Geld in der Lohntüte als bei den 36 Stunden. Die Eckpunkte der neuen Verträge sollen darüber hinaus den Wegfall von Sonderzahlungen vorsehen.
Für die Gewerkschaft IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) ein nicht hinnehmbarer Zustand. Als die ersten 26 Deusa-Mitarbeiter bereits unterschrieben hatten, wurde in Erfurt sofort reagiert, eine schnellere Information seitens des Betriebsrates hätte man sich schon gewünscht. In einer Gaststätte in Wipperdorf wurde den Kollegen der derzeitige Stand erläutert und davor gewarnt, die neuen Verträge zu unterzeichnen. Denn immer noch gilt der 1996 ausgehandelte Haustarifvertrag. Der läuft bis zum 30. Juni dieses Jahres. Eine solche Arroganz und Ignoranz gegenüber Verträgen hat der IG-BCE-Bezirksleiter Jürgen Heising bisher noch nicht erlebt. Auf bisherige Gesprächsangebote habe die Unternehmensführung überhaupt noch nicht reagiert. Nachdem die Öffentlichkeit informiert wurde, sehe der Gewerkschafter jetzt erste Rauchzeichen in Bleicherode aufsteigen.
Komme der Arbeitgeber seinen vertraglichen Pflichten nicht nach, dann werde er verklagt, bis er nicht mehr geradeaus blicken könnte. Sollte es in den kommenden Tagen doch zu Gesprächen zwischen den Tarifparteien kommen, dann werde die Gewerkschaftsseite mit Forderungen an den Verhandlungstisch ziehen. So müssten die bereits abgeschlossenen Tarifverträge zur Seite gelegt werden und für die Mehrarbeitszeit müsse es mehr Geld geben.
Ob die Geschäftsleitung um Robert Kerl zum Einlenken bereit ist, das kann momentan noch bezweifelt werden. Nach nnz-Informationen soll er vor Wochen bereits getönt haben, dass die Deusa in spätestens zwei Jahren zur gewerkschaftsfreien Zone erklärt wird.
Autor: nnz
Das erinnerte heute doch schon ein wenig an ganz schlimme Zeiten. Da sitzen vorwiegend gestandene Männer, erfahrene Bergleute in einem Raum und haben Angst. Sie haben Angst davor, in der nnz oder vom MDR-Fernsehen abgelichtet zu werden. Angst vor ihrem Geschäftsführer, der einigen der Kollegen in den zurückliegenden Tagen neue Arbeitsverträge aufgedrückt hat? Bei einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent greift die Führungsetage von Deusa zum Manchester-Kapitalismus. Statt bisher 38 Stunden sollen die Kumpel jetzt 42 Stunden pro Woche arbeiten. Als Dank dafür gibt es für die mehr Stunden weniger Geld in der Lohntüte als bei den 36 Stunden. Die Eckpunkte der neuen Verträge sollen darüber hinaus den Wegfall von Sonderzahlungen vorsehen. Für die Gewerkschaft IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) ein nicht hinnehmbarer Zustand. Als die ersten 26 Deusa-Mitarbeiter bereits unterschrieben hatten, wurde in Erfurt sofort reagiert, eine schnellere Information seitens des Betriebsrates hätte man sich schon gewünscht. In einer Gaststätte in Wipperdorf wurde den Kollegen der derzeitige Stand erläutert und davor gewarnt, die neuen Verträge zu unterzeichnen. Denn immer noch gilt der 1996 ausgehandelte Haustarifvertrag. Der läuft bis zum 30. Juni dieses Jahres. Eine solche Arroganz und Ignoranz gegenüber Verträgen hat der IG-BCE-Bezirksleiter Jürgen Heising bisher noch nicht erlebt. Auf bisherige Gesprächsangebote habe die Unternehmensführung überhaupt noch nicht reagiert. Nachdem die Öffentlichkeit informiert wurde, sehe der Gewerkschafter jetzt erste Rauchzeichen in Bleicherode aufsteigen.
Komme der Arbeitgeber seinen vertraglichen Pflichten nicht nach, dann werde er verklagt, bis er nicht mehr geradeaus blicken könnte. Sollte es in den kommenden Tagen doch zu Gesprächen zwischen den Tarifparteien kommen, dann werde die Gewerkschaftsseite mit Forderungen an den Verhandlungstisch ziehen. So müssten die bereits abgeschlossenen Tarifverträge zur Seite gelegt werden und für die Mehrarbeitszeit müsse es mehr Geld geben.
Ob die Geschäftsleitung um Robert Kerl zum Einlenken bereit ist, das kann momentan noch bezweifelt werden. Nach nnz-Informationen soll er vor Wochen bereits getönt haben, dass die Deusa in spätestens zwei Jahren zur gewerkschaftsfreien Zone erklärt wird.
