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IHK Konjunkturumfrage

Herbstzeit für die Nordhäuser Wirtschaft

Dienstag, 11. November 2025, 19:06 Uhr
Der Himmel grau, die Stimmung mies, unter den Nordhäuser Unternehmern herrscht Novemberdepression - so ließen sich die Ergebnisse der dritten Konjunkturumfrage in diesem Jahr interpretieren. Es gibt aber auch Lichtblicke…

Drei mal im Jahr bietet die Industrie- und Handelskammer den Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit, ihren Puls zu überprüfen, zur Herbstumfrage musste man jetzt konstatieren, dass der Blutdruck eher verhalten ist. „In Nordhausen ist man traditionell etwas pessimistischer eingestellt als im Rest Thüringens, aber die Zahlen zeigen schon, dass es der Wirtschaft ingesamt nicht gut geht“, sagt Christian Böduel, der Leiter der regionalen Dependance der IHK. Im Vergleich zur Umfrage im Frühjahr sehe man Seitwärtsbewegungen sowohl in Richtung Optimismus wie auch Pessimismus.

Um die Verschiebungen festzustellen, wird eine Punktesystem genutzt, dass im langjährigen Durchschnitt bei 101 Zählern liegt, in Nordhausen kommt man derzeit auf magere 63 Punkte, acht weniger als zu Beginn des Jahres. Damit nähert sich die Region dem historischen Tiefpunkt der Stimmungslage, den man während der Corona-Pandemie erreicht hatte.

Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen noch 67 Prozent der Befragten als gut oder befriedigend, im Frühjahr kam man hier auf 75 Prozent. Eine schlechtere Geschäftslage sehen 33 Prozent der Umfrageteilnehmer und hier ein erster Lichtblick: im vergangenen Herbst lag dieser Wert mit 48 Prozent noch deutlich höher.

Ulrich Schlegel und Christian Böduel vor der Geschäftsstelle der IHK in Nordhausen (Foto: agl) Ulrich Schlegel und Christian Böduel vor der Geschäftsstelle der IHK in Nordhausen (Foto: agl)

Unternehmer Ulrich Schlegel sieht Licht am Horizont, die Maßnahmen der neuen Regierung würden langsam greifen, nachhaltigen politischen Schaden könne man nicht innerhalb eines Jahres ungeschehen machen. Gemünzt ist die Einschätzung vor allem auf die Autoindustrie, als „verlängerte Werkbank“ bekomme Thüringen den Einbruch dieser tragenden Säule der deutschen Wirtschaft besonders zu spüren.

Für die kommenden 12 Monate rechnet die Mehrheit von 61 Prozent der Befragten eher mit negativen Entwicklungen für ihre Unternehmen, im Frühjahr waren nur 45 Prozent negativ gestimmt. Positiv betrachtet werden kann die Beschäftigungsentwicklung, wirklich Stellen abbauen will kaum jemand. Die demographischen Aussichten seien klar erkennbar, meint Böduel, gute Leute lässt man eher nicht gehen und so geben 83 Prozent an, ihr Personal stabil halten zu wollen.

Zurückhaltung üben die Nordhäuser Unternehmen im Investitionsbereich, man hält das Geld lieber zusammen, 75 Prozent geben an, in den kommenden Monaten keine Investitionen zu planen. Aber immerhin: im Frühjahr lag dieser Wert noch bei 85 Prozent.

Als größte Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung werden die Energie- und Rohstoffpreise betrachtet, zu Jahresbeginn waren der Spitzenreiter noch die allgemeinen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die nun auf Platz drei landen. Auch dies sei ein Zeichen für wachsendes Vertrauen in die politischen Veränderungen, meint man bei der IHK. Die Unternehmen warteten allerdings auch darauf, dass Maßnahmen wie die angekündigte Senkung der Energiepreise umgesetzt würden und es nicht allein bei Worten bleibe, so Böduel. Kritisch betrachtet werden die Vorstöße zur Erhöhung des Mindestlohns, ergänzt Schlegel, die Lohnnebenkosten stünden am Ende auf jeder Rechnung mit drauf, was alle Preise nach oben treibe, so der Unternehmer.

Vorsichtig optimistisch ist man mit Blick auf das Nordhäuser Industriegebiet, die jüngsten Aktivitäten der „Task Force“ hätten zumindest gezeigt, dass die Region geschlossen auftreten kann, so IHK-Leiter Böduel, zudem gebe es konkrete Anzeichen dafür, dass sich etwas auf der Brache tun könnte. Die Aussage ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, „sehr konkret“ wurde es beim Industriegebiet in der Vergangenheit leider schon zu oft, ohne das sich etwas getan hätte.

Zu guter Letzt möchte die IHK daran erinnern, dass die Wahl der Vollversammlung ansteht. Die Teilnahme der Mitglieder ist noch bis zum 27. November möglich, sowohl digital wie auch auf Papier.
Angelo Glashagel
Autor: red

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