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Wie weiter in Krimderode?

Montag, 15. Januar 2007, 07:30 Uhr
Nordhausen (nnz). Vor fast zwei Jahren stand es in der nnz zu lesen: „Die Baumaßnahmen im Nordhäuser Stadtteil Krimderode werden voraussichtlich im Sommer 2006 beginnen“. Das sagte damals Klaus-Dieter Heber vom Kinderheim Frohe Zukunft. Nun schreiben wir das Jahr 2007. Von einem Kinderhospiz ist in Krimderode nichts zu sehen. Die nnz auf Spurensuche.

"Frohe Zukunft?" (Foto: nnz) "Frohe Zukunft?" (Foto: nnz)

Natürlich hat sich auf dem Gelände der ehemalige Grundschule einiges verändert. Die evangelische Grundschule ist eingezogen. Leben wurde dem alten Gebäude eingehaucht. Doch was ist mit dem Kinderhospiz? Diese Frage stellte die nnz Stephan Masch, dem die Leitung für Projektmanagement, Presse & Kommunikation übertragen worden war. „Wir können mit den Bauarbeiten in Krimderode erst loslegen, wenn wir eine ordentliche Summe Geld zusammenhaben.“ Wer die Internetseite der Stiftung verfolgt, der weiß, das bislang rund 600.000 Euro an Spenden zusammengekommen sind. Selbst die groß anlegte PR-Kampagne mit einem öffentlich-rechtlichen Radiosender soll nicht den erhofften Erfolg gebracht haben. Eine Million – so die Vision von Masch, Heber und Co, zerplatzte wie eine Seifenblase. Der Leiter Projektmanagement, Presse und Kommunikation resümiert einen Betrag von 442.000 Euro.

Das Hospiz braucht noch „mindestens 700.000 bis 800.000 Euro“, bevor die ersten Bagger im Nordhäuser Ortsteil anrollen können. „Unter 1,7 Millionen Euro auf dem Spendenkonto werden wir nicht loslegen“, konstatiert Masch gegenüber der nnz. In der Summe sollen es ja 4,8 Millionen Euro sein, die zum Bau und zur Anschubfinanzierung der Betreibung notwendig sind. Baubeginn also offen.

In der Nähe von Leipzig ist man allerdings schon weiter. Das Kinderhospiz Bärenherz soll bis Ende 2007 im Süden von Leipzig im Kees`schen Park in Markkleeberg gebaut werden. Dies teilte der Geschäftsführer der MIB Investitionsgesellschaft Kees´scher Park mit. Dem Entschluss ging ein Architektenwettbewerb im Rahmen eines Gutachterverfahrens voraus. Sieben Architektenbüros im Raum Leipzig und Berlin konnten Gestaltungsvorschläge für die Parkanlage und speziell für das Hospiz entwickeln. Eine unabhängige Jury – besetzt unter anderem mit Vertretern der oberen Denkmalschutzbehörde, dem Oberbürgermeister Markkleebergs, Dr. Bernd Klose – hat den Entwurf des Leipziger Architektenbüros Weis & Volkmann gekürt. Dieses setzte das Kinderhospiz am besten im Kontext zu Tradition und Geschichte des Parks um. „Damit wäre es die einzige Einrichtung dieser Art in Mitteldeutschland. Der Bau wird schätzungsweise 1,3 Millionen Euro kosten und auf 12 Plätze ausgelegt sein. Der Baubeginn wird das erste Quartal 2007 angestrebt“, ist im Internet zu lesen.

Auch in Krimderode soll Platz für zwölf schwerkranke Kinder sein. Zusammen mit den Familienangehörigen kommt man auf 50 bis 60 Personen, die einen Platz finden sollen. Für Stephan Masch ist die Kombination mit der evangelischen Grundschule keine schlechte Variante, will heißen, seitens des Kinderhospiz Mitteldeutschland wird ein Neubau auf dem Schulgelände favorisiert. Man könne in vielen Bereichen zusammenarbeiten, Geschwister der kranken Kinder könnten hier mit unterrichtet werden.

Eigentlich alles klar, wären da neben der Finanzierung nicht auch noch die Probleme mit der Baugenehmigung. Die ist nicht so problemlos zu erhalten. Inge Klaan (CDU), die zuständige Dezernentin in der Nordhäuser Stadtverwaltung, macht es deutlich: Noch ist nicht geklärt, ob es sich um eine Bebauung im Innen- oder im Außenbereich handelt. Bei Letzterem würde wieder die bestehende Trinkwasserschutzzone einen Strich durch die Rechnung machen. Das Problem scheint derart kompliziert zu sein, dass selbst das Landesverwaltungsamt als höhere Genehmigungsbehörde mit ins Boot geholt werden muss.

Für die Macher des Kinderhospiz Mitteldeutschland wird es eng. Geld muss rangeschafft werden, die Genehmigungen müssen her, eventuell muss das gesamte Konzept „umgestrickt“ werden, wie es Inge Klaan ausdrückte.
Autor: nnz

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