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Szenische Lesung an der Hochschule

Circus. Freiheit. Gleichschaltung.

Freitag, 07. November 2025, 08:59 Uhr
Szene aus: Der Clown und die Zirkusreiterin (Foto: Studio 44) Szene aus: Der Clown und die Zirkusreiterin (Foto: Studio 44)
„Der Clown und die Zirkusreiterin“ – Zu dieser szenischen Lesung zum Thema Circus im Nationalsozialismus wird demnächst in das Audimax der Hochschule eingeladen...

Ziel der Nazis war es, alle Circusdarbietungen den nationalsozialistischen Idealen zu unterwerfen. Es sollte keinen „rein arischen Circus“ geben. Circus wurde gezielt als Propagandamittel der Nazis eingesetzt. Jüdische Circusse wurden enteignet; viele Artisten und Artistinnen in Konzentrationslagern inhaftiert und umgebracht. Es gab eine schnelle Abfolge verheerender Erlasse, u.a. mussten alle Direktoren und Direktorinnen einen „Ariernachweis“ erbringen und die „Teilnahme von Juden an Darbietungen der deutschen Kultur“ wurde verboten.

Der jüdischen Artistin Irene Bento erteilten die Nazis 1939 ein Berufsverbot. Sie wurde im Circus Adolf Althoff versteckt und überlebte. In der 40minütigen Lesung werden die Zuschauerinnen und Zuschauer mit den Mitteln der Artistik, des Theaters und der Livemusik zwischen der Traumwelt Circus und den Grauen des Nationalsozialismus hin- und hergerissen.

Das weitestgehend unbekannte Schicksal der vielen Opfer verdeutlicht eindrucksvoll die Auswirkungen der nationalsozialistischen Einflussnahme. Circus als Kunstform, die damals Massen erreichte, wurde von den NazionalsozialistInnen als wichtiges Propagandamittel instrumentalisiert. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Dokumentation des Lebens von Irene Danner. Sie heiratete den Clown Peter Bento und wurde im Circus Adolf Althoff versteckt. So war es ihr und ihren Kindern möglich, sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung zu retten. Das Publikum taucht mit der Performance immer wieder in die bunte Glitzerwelt des Circus ein um im nächsten Augenblick mit der bitteren Realität der Circusse im Nationalsozialismus konfontriert zu werden.

In einer gelungenen Mischung aus Artistik am Trapez, Pantomime, Seiltanz sowie Jonglage und Livemusik verzaubern die circensischen Passagen die Zuschauer*innen. Das Ensemble (Roxana Küwen, Moritz Grenz, Florent Lestage, Michael Richter, Jonas Ellermann, Ines Rosemann) schafft einen sehr emotionalen Zugang zu dem Thema „Circus im Nationalsozialismus“ und formuliert mit dem Stück ein entschlossenes „Nie wieder!“, das dazu ermutigt immer da Einzugreifen, wo Unrecht geschieht und die Menschlichkeit verletzt wird.

Das Ensemble CiNS, Circus im Nationalsozialismus, der Zirkusschule Seifenblase zeigt ihre Performance „Circus.Freiheit.Gleichschaltung“ über das Leben der verfolgten jüdischen Circusartistin Irene Bento. Organisiert wird der Auftritt durch den Verein studio44 in Kooperation mit der Hochschulsozialarbeit der Hochschule Nordhausen.

CiNS sind Artisten und Circuspädagogen, sie reisen mit Circussen und wollen die bisher kaum aufgearbeitete Geschichte des Circus im Nationalsozialismus sichtbar machen. Die begleitende Ausstellung geht von Begegnungen und Erzählungen mit unterschiedlichen Circusartistinnen und Artisten aus, Circushistorikern und Überlebenden aus. Im ersten Teil der Ausstellung werden die Vorgänge der Gleichschaltung und „Arisierung“, die tiefgreifende Veränderungen der gesamten Circuswelt zur Folge hatten, dargestellt. Der unterschiedliche Umgang der Circusse ist dabei ein zentraler Punkt. Der zweite Teil der Ausstellung befasst sich mit der Verfolgung und Vernichtung von jüdischen ArtistInnen und Circussen.

Die Lesung findet am 12. November um 19.00 Uhr im Audimax statt. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie des Thüringer Landesprogrammes für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit „Denk bunt“ des Thüringer Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie gefördert.
Autor: red

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