nnz-online

Forschung mit Feuer

Freitag, 12. Januar 2007, 16:12 Uhr
Nordhausen (nnz). Ein wohl deutschlandweit einzigartiges Projekt hat seine Heimat in einem Container gefunden. Bei bis zu 1.000 Grad Hitze wird hier Material geprüft. Einige Feuerwehrmänner testeten die Anlage schon heute auf ihre Tauglichkeit. nnz durfte mit ins Feuer schauen.


Für die Kameraden war das sichere Branderlebnis hervorragend. „Hier konnten wir sehr gut sehen, wie wir ein Feuer unter Kontrolle bringen“, resümieren die Männer der Berufsfeuerwehr Nordhausen. Bis zu 1.000 Grad Celsius können im Brandcontainer locker erreicht werden. Ab sofort befindet sich dieser Außenposten des August Kramer Instituts auf dem Gelände des Brand- und Katastrophenschutzes.

Professor Dr. Gerd Mühlenbeck hat hier sein Revier. Er will in Zusammenarbeit mit dem TÜV hier die Tanks von Erdgasfahrzeugen auf ihre Tauglichkeit testen. Vom Kraftfahrzeugbundesamt sind solche Versuche vorgeschrieben, denn im Falle eines Unfalls soll der Gastank kontrolliert abbrennen und nicht explodieren. Das hätte nämlich fatale Folgen für die Fahrzeuginsassen. „Desweiteren wollen wir mit regionalen Unternehmen wie Knauf zusammenarbeiten und die Brandwiderstandsprüfungen für beispielsweise Gipskartonplatten durchführen.“ Sagte Professor Mühlenbeck der nnz.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt soll die Flammendurchschlagsicherheit von Maschinen sein. Bei einer Staubexplosion könnte zum Beispiel in einer Mühle ein Apparat aufgehen und das könnte zu einer Sekundärexplosion führen. „Eine große Katastrophe für jedes Unternehmen“, so Mühlenbeck. Mit Versuchen im Brandcontainer lassen sich Möglichkeiten finden, um die Sicherheit zu erhöhen.

Professor Gerd Mühlenbeck freut sich über die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis Nordhausen. In Zukunft werden Feuerwehren die Forschungsstätte zu Übungszwecken mitnutzen können. Die zukünftigen Ausbilder auf der Anlage, Kameraden der Berufsfeuerwehr Nordhausen, nahmen gestern und heute an einer Schulung der Herstellerfirma teil. Sechs Männer schlugen sich wacker im stickigen und heißen Container. Sie werden gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen bald mit Kameraden der freiwilligen Feuerwehren trainieren. Gerd Jung ist sich sicher, daß das für alle ein besonderes und lehrreiches Erlebnis wird. „Die Kameraden können hier einmal das Durchzünden von Rauchgasen bei Temperaturen um 550 Grad Celsius erleben und lernen, einen Brandprozeß komplett zu analysieren.“ Sagte er der nnz.

„Eine solche Zusammenarbeit zwischen einer Forschungseinrichtung und den Feuerwehren ist einmalig in Deutschland“ berichtete Professor Mühlenbeck. Für den Studiengang Stoff- und Flächenrecycling bringt die Anlage viele neue Möglichkeiten für Forschungen zur recyclinggerechten Produktentwicklung. Die Wiederverwertbarkeit von Rohstoffen wird heute schon beim Produktionsprozeß immer wichtiger. Den Standort in Nordhausen erachtet er als ideal. In der Mitte Deutschlands werden sich viele Unternehmen für die Testmöglichkeiten des Instituts an der Fachhochschule interessieren.
Autor: wf

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de