"Mein Vater, der Massenmörder"
Montag, 08. Januar 2007, 13:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Eine interessante und nachdenkenswerte Veranstaltung wird in diesem Monat in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora angeboten. Die nnz mit Einzelheiten.
Das Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) hat, auf Initiative der Antifaschistischen Aktion und mit der Unterstützung des DGB, Beate Niemann nach Nordhausen eingeladen. "Ich will diese Verbrechereltern nicht!" sagt Beate Niemann am Ende des Films in die Kamera. Sie steht am Grab von Frau Leon und sieht aus als würde sie nun zerbrechen.
Die Zuschauer sind mit Beate Niemann auf die Suche nach den Verbrechen der Eltern, den Verbrechen eines Gestapobeamten und seiner treu zu ihm und seiner "Arbeit" stehenden Frau, gegangen. 1947 wurde Bruno Sattler verschleppt und landete nach einer Geheimverhandlung, Zeit seines Lebens, in einem DDR-Gefängnis. Für seine Familie, auch für seine Tochter Beate, ist er das unschuldige Opfer des DDR-Regiemes. Im Alter von 55 Jahren beginnt Beate Niemann, geborene Sattler, die Vergangenheit ihres Vaters aufzurollen. Sie will ihn rehabilitieren, doch was sie herausfindet, kann und will nicht in das Bild passen, das ihr so oft und so lang vermittelt wurde.
Bruno Sattler, ihr Vater, war Massenmörder in treuen Diensten des NS-Regimes. Die großen Nazi-Verbrechen werden zu "kleinen" Familiengeschichten. Die deutsche Geschichte ist in vielen Büchern nach zu schlagen, in vielen Museen zu besichtigen. Die Alltagsgeschichten der deutschen Familien, sie sind noch nicht erzählt.
Beate Niemann wuchs mit Mutters Lebenslüge auf. Kein Fest wurde fröhlich gefeiert, weil der "arme unschuldige Vater" doch im DDR-Gefängnis saß. Ihre Freunde haben sie nicht zu dieser Suche geraten. "Weil sie zerbrechen könnte" - aber auch, weil Beate Niemann bei ihrem gründlichen Aktenstudium immer wieder auf Namen von Verwandten ihrer Freunde stößt.
In ihrem Buch Mein guter Vater und in dem Dokumentarfilm, über ihre Arbeit, thematisiert sie nicht nur die Geschichte ihres Vaters, sondern sie spricht auch über die Probleme einer Tochter, die sich nach Spuren der Verbrechen ihrer Eltern aufmacht. Viele Menschen scheuen sich vor diesem schmerzhaften Schritt in der eigenen Vergangenheit bzw. der ihrer Familie nach ehemaligen NS-Tätern und Täterinnen zu suchen. Gerade auch aus diesem Grund stellt die Arbeit von Beate Niemann einen enorm wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus dar.
Es wird eine Dokumentation von Yoash Tatari, gezeigt. Ein Jahr lang hat der Dokumentarfilmer und dreifache Grimme-Preisträger sie auf ihrer Suche und ihrer Arbeit in Archiven, auf Friedhöfen, an den Tatorten des Vaters begleitet. Der Film ist so eindringlich und rasant erzählt, dass kaum Zeit bleibt, Beate Niemanns jeweils neue und immer wieder ungeheuerliche Erkenntnis zu verarbeiten. Diese Wirkung hat der Autor beabsichtigt. Mit seiner geschickten Montage gibt Yoash Tatari Einblicke in die Verbrecherkarriere des Bruno Sattler, buchstäblich Schlag auf Schlag, eben so unvermittelt und brutal, wie die Tochter sie erlebt. Der Film hat keinen Kommentar. Beate Niemann und ihre Gesprächspartner erzählen.
Im Anschluss wird es die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion mit Frau Niemann geben.
Die Veranstaltung findet am 16. Januar 2007,
in der Gedenkstätte Mittelbau Dora statt. Beginn ist 18.00 Uhr.
Autor: nnzDas Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) hat, auf Initiative der Antifaschistischen Aktion und mit der Unterstützung des DGB, Beate Niemann nach Nordhausen eingeladen. "Ich will diese Verbrechereltern nicht!" sagt Beate Niemann am Ende des Films in die Kamera. Sie steht am Grab von Frau Leon und sieht aus als würde sie nun zerbrechen.
Die Zuschauer sind mit Beate Niemann auf die Suche nach den Verbrechen der Eltern, den Verbrechen eines Gestapobeamten und seiner treu zu ihm und seiner "Arbeit" stehenden Frau, gegangen. 1947 wurde Bruno Sattler verschleppt und landete nach einer Geheimverhandlung, Zeit seines Lebens, in einem DDR-Gefängnis. Für seine Familie, auch für seine Tochter Beate, ist er das unschuldige Opfer des DDR-Regiemes. Im Alter von 55 Jahren beginnt Beate Niemann, geborene Sattler, die Vergangenheit ihres Vaters aufzurollen. Sie will ihn rehabilitieren, doch was sie herausfindet, kann und will nicht in das Bild passen, das ihr so oft und so lang vermittelt wurde.
Bruno Sattler, ihr Vater, war Massenmörder in treuen Diensten des NS-Regimes. Die großen Nazi-Verbrechen werden zu "kleinen" Familiengeschichten. Die deutsche Geschichte ist in vielen Büchern nach zu schlagen, in vielen Museen zu besichtigen. Die Alltagsgeschichten der deutschen Familien, sie sind noch nicht erzählt.
Beate Niemann wuchs mit Mutters Lebenslüge auf. Kein Fest wurde fröhlich gefeiert, weil der "arme unschuldige Vater" doch im DDR-Gefängnis saß. Ihre Freunde haben sie nicht zu dieser Suche geraten. "Weil sie zerbrechen könnte" - aber auch, weil Beate Niemann bei ihrem gründlichen Aktenstudium immer wieder auf Namen von Verwandten ihrer Freunde stößt.
In ihrem Buch Mein guter Vater und in dem Dokumentarfilm, über ihre Arbeit, thematisiert sie nicht nur die Geschichte ihres Vaters, sondern sie spricht auch über die Probleme einer Tochter, die sich nach Spuren der Verbrechen ihrer Eltern aufmacht. Viele Menschen scheuen sich vor diesem schmerzhaften Schritt in der eigenen Vergangenheit bzw. der ihrer Familie nach ehemaligen NS-Tätern und Täterinnen zu suchen. Gerade auch aus diesem Grund stellt die Arbeit von Beate Niemann einen enorm wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus dar.
Es wird eine Dokumentation von Yoash Tatari, gezeigt. Ein Jahr lang hat der Dokumentarfilmer und dreifache Grimme-Preisträger sie auf ihrer Suche und ihrer Arbeit in Archiven, auf Friedhöfen, an den Tatorten des Vaters begleitet. Der Film ist so eindringlich und rasant erzählt, dass kaum Zeit bleibt, Beate Niemanns jeweils neue und immer wieder ungeheuerliche Erkenntnis zu verarbeiten. Diese Wirkung hat der Autor beabsichtigt. Mit seiner geschickten Montage gibt Yoash Tatari Einblicke in die Verbrecherkarriere des Bruno Sattler, buchstäblich Schlag auf Schlag, eben so unvermittelt und brutal, wie die Tochter sie erlebt. Der Film hat keinen Kommentar. Beate Niemann und ihre Gesprächspartner erzählen.
Im Anschluss wird es die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion mit Frau Niemann geben.
Die Veranstaltung findet am 16. Januar 2007,
in der Gedenkstätte Mittelbau Dora statt. Beginn ist 18.00 Uhr.
