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JS-Special: Lkw-Überholverbot auf A 38?

Sonntag, 20. Januar 2002, 10:12 Uhr
Nordhausen (nnz). In Goslar trifft man letzte Vorbereitungen für den 40. Deutschen Verkehrsgerichtstag, zu dem in der kommenden Woche mehr als 1500 Verkehrsexperten erwartet werden. Was wird in diesem Jahr empfohlen?


Im vergangenen Jahr empfahlen die Teilnehmer u.a. ein Verbot der Kuhfänger, die vornehmlich an Geländewägen angebracht sind und diesen Fahrzeugen ein teilweise martialisches Aussehen verleihen, bei Unfällen aber die Gefahr für Personen wesentlich erhöhen. Der Gesetzgeber ist dieser Empfehlung inzwischen gefolgt. Diesmal wird es vor allem um die Überlegung gehen, ob ein generelles Überholverbot für Lkw's auf Autobahnen empfohlen werden soll. Der Ruf danach komme vielen Pkw-Fahrern leicht über die Lippen und je schneller ein solcher Fahrer unterwegs ist, je öfter und leichter komme es zu Gefährdungssituationen, deren Ursachen durchweg den Lkw-Fahrern zugeschoben wird. Die Experten sehen das Problem: „Es muss geprüft werden, ob ein generelles Lkw-Überholverbot auf zweistreifigen Autobahnen zu mehr Verkehrssicherheit führen kann“, sagt dazu Rainer Hillgärtner vom Auto Cluc Europa (ACE). Seine Organisation befürchte andernfalls eine weitere dramatische Zunahme der Lastwagen-Unfälle. Auch der ADAC hält die Diskussion um das Laster-Überholverbot für richtig. „Man muss das aber differenziert betrachten“, sagt Chef-Jurist Eckhart Jung. „Es gibt neuralgische Strecken und Unfallschwerpunkte, wo Überholverbote zweckmäßig wären“. Auf dreispurigen Autobahnen lehne seine Organisation ein Überholverbot allerdings ab.

Für „weltfremd und schikanös“ hält der „Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung“ (BGL), ein flächendeckendes Überholverbot auf allen Autobahnen. „Das wäre grober Unfug“, so BGL-Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt. „Es wäre zum Beispiel nicht einzusehen, dass ein schneller (leerer) Lkw nachts auf freier Strecke hinter einem langsameren (beladenen) Fahrzeug herfahren müsste. An Steilstücken kriecht dann die ganze Kolonne hinter einem Schleicher her“. Und die oft abenteuerlichen Verhaltensweisen von Dränglern unter den Pkw-Fahrern würden noch schlimmere Formen annehmen, wenn sich neben rechts fahrenden Lkw-Kolonnen links auch noch Pkw-Schlangen bilden würden. Vielfach entstehen Komplikationen nur deshalb, weil Pkw-Fahrer nur zu oft für das Verhalten von Brummi-Fahrern keinerlei Verständnis haben und oft genug ihr eingebildetes Vorrecht mit der Lichthupe erzwingen wollen, statt einmal mehr den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Allerdings räumt auch der BGL ein, dass ein Überholverbot zu bestimmten Zeiten auf zweispurigen Autobahnen den Verkehrsfluss fördern könnte. „Es darf aber niemand glauben, dass es dann links sehr viel schneller ginge als Tempo 100“ sagt Schmidt. Auf Überholverbotsstrecken komme zudem auf Autofahrer ein weiteres Problem zu: „An Ein- und Ausfahrten stehen sie dann vor einer rollenden Wand aus Lkw“. Auf den Autobahnen im Bundesgebiet seien etwa 500 000 deutsche und zusätzlich bis zu 150 000 ausländische Lastwagen unterwegs. Statt eines pauschalen Überholverbots plädiert der ADAC für „intelligente Lösungen“ mit variablen Vorschriften. Die bevorzuge auch das Bundesverkehrsministerium, sagt Sprecher Michael Zirpel. „Die Zukunft gehört modernen Verkehrsbeeinflussungsanlagen, über die je nach Verkehrssituation Tempobeschränkungen, aber auch zeitweilige Überholverbote für Lkw verhängt werden können“.

Die Ursachen für Verkehrsprobleme durch Lkw-Kolonnen sind nach Ansicht des Güterverkehrsverbandes durch Überholverbote nicht zu beseitigen. Problem sei die Überalterung vieler Autobahnen, so BGL-Hauptgeschäftsführer Schmidt. Trotz Bemühungen um mehr Bahntransporte nehme der Güterverkehr auf den Straßen ständig zu. Dem seien zweistreifige Autobahnen nicht mehr gewachsen. Insofern zeichnet sich aber ab, dass die im Bau befindliche zweistreifige A38 nach ihrer Fertigstellung diesen Problemen kaum gerecht werden wird.
Autor: nnz

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