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Spektakel am Schlachtberg

Fryheit!

Sonntag, 07. September 2025, 10:50 Uhr
In Bad Frankenhausen wurde gestern Geschichte geschrieben, wieder einmal. 500 Jahre nach der letzten großen Schlacht im Bauernkrieg kamen die Haufen noch einmal auf der Anhöhe am Rand des Kyffhäuser zusammen...

Zum 500. Jubiläum des Bauernkrieges wurde die entscheidende Schlacht bei Bad Frankenhausen am Ort des Geschehens noch einmal nachgestellt (Foto: agl) Zum 500. Jubiläum des Bauernkrieges wurde die entscheidende Schlacht bei Bad Frankenhausen am Ort des Geschehens noch einmal nachgestellt (Foto: agl)

Anno Domini 1525 herrscht Unruhe im Reich, allerorten erhebt sich der niedere Stand. Die Bauern fordern jene Rechte ein, die sie von altersher gewohnt waren, die in der neuen Ordnung dieser zunehmend nachmittelalterlichen Welt aber immer mehr dahinschwinden. Die Reformation ist in vollem Lauf, es liegt Veränderung in der Luft, vielleicht sogar Revolution.

Doch die kommt nicht ohne Waffengewalt und Blutzoll. Was später "Bauernkrieg" genannt wird, dürfte eher eine disparate Kaskade an Aufständen aller Art gewesen sein. Mancher "Haufen" kommt zusammen, um Recht zu fordern, andere ziehen plündernd durch die Lande und rauben Klöster und Kirchen aus, mancher schon mit dem Wort vom "wahren Glauben" auf den Lippen, ein Vorgeschmack auf die Religionskriege, die da noch kommen werden. Recht, Reformation, Revolution - wie weit der Aufstand gehen soll, darüber herrscht unter den Bauern selten Einigkeit.

Seinen Höhepunkt findet der Bauernkrieg Mitte Mai 1525 an einem Hang vor den Toren der kleinen Stadt Bad Frankenhausen. 500 Jahre später werden die Geschehnisse dieses Tages noch einmal nachgestellt. Zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres kam man gestern auf eben jenem Hügel zusammen, der heute "Schlachtberg" heißt.

Wagenburgmentalität
Rund 14.000 Menschen sollen damals an der Auseinandersetzung teilgenommen haben, 8.000 auf Seiten der Bauern, 6.000 auf Seite der fürstlichen Heere. Ganz so viel Volk tummelt sich dieser Tage nicht in Bad Frankenhausen, aber mit etwa 500 Schaustellern - enthusastische Laien und aufwendig gewandete Profis gleichermaßen - konnte man das Geschehen zumindest nachzeichnen.

Damals vor 500 Jahren lagert in Frankenhausen ein Bauernhaufen, bedrängt durch die Truppen Phillips von Hessen. An den Mauern hat man die Fürsten zurückdrängen können, der Erfolg macht Mut, man zieht hinaus vor die Stadt. Die feste Wagenburg erhält bald Verstärkung, unter Rufen von „Freyheit“ und der Regenbohnenfahne (ja, die gab es damals schon) ziehen die Mühlhäuser heran, begleitet vom Prediger Thomas Müntzer.

Einmarsch der sächsischen Landsknechte (Foto: agl) Einmarsch der sächsischen Landsknechte (Foto: agl)

Der Geistliche war einst gut bekannt mit Luther, sucht aber nicht wie der allein die Reformation der Kirche, sondern die Revolution der gesellschaftlichen Ordnung. Ganz soweit wollen hier nicht alle gehen, unter den Anführern der Bauernhaufen herrscht Uneinigkeit.

Schließlich rücken die fürstlichen Truppen an, eine Armee aus schneller Reiterei, bunt gekleideten und schwer geharnischten Landsknechten und moderner Feldartillerie. Das Söldnerheer schließt die Wagenburg ein, die Belagerung beginnt. Einhundert Jahre zuvor, in den Hussitenkriegen im heutigen Tschechien, waren die mobilen Befestigungen Angst und Schrecken der Ritterheere und den aufständischen Böhmen gelang es mehrfach, die Armeen des Adels empfindlich zu schlagen.

Auch bei Frankenhausen vertrauen die Bauern auf ihre hölzerne Burg, doch die Zeit ist eine andere. Schlecht ausgerüstet und mit wenig Pulver kann man dem Beschuss nichts entgegensetzen. Als schließlich auch Georg von Sachsen eintrifft und die Zahl der Angreifer erdrückend wird, macht sich Panik breit. Viele Bauern versuchen zu fliehen und werden an Ort und Stelle niedergemacht. Die Straße, die vom "Schlachtberg" hinabführt, heißt nicht umsonst bis heute "Blutrinne".

Nach mehreren Angriffswellen fällt die Wagenburg. Thomas Müntzer, der sich im Schlachtgetümmel nach Bad Frankenhausen abgesetzt hatte, wird gefangen genommen und alsbald dem Scharfrichter übergeben. Um die 6.000 Bauern bleiben auf dem Feld, unter den Söldnern der adeligen Herren soll es gerade einmal sechs Verluste gegeben haben.

Der Bauernkrieg endet blutig, hinterlässt aber tiefe Spuren in der sich ändernden Gesellschaft des 16. Jahrhunderts. Und noch viel mehr Blut wird vergossen, ehe die religiösen Spannungen beigelegt sind und noch mehr Zeit wird vergehen, ehe sich das Ständesystem auflöst und Bauern wie Bürger tatsächlich frei sind.

Für die Bauern und Müntzer geht die Schlacht übel aus (Foto: agl) Für die Bauern und Müntzer geht die Schlacht übel aus (Foto: agl)

Gemächliches Spektakel mit viel Aufwand
Doch die Zeit schreitet voran und 500 Jahre später kann sich Himmel und Volk der schrecklichen Ereignisse in relativer Ungezwungenheit erinnern. Der Publikumsandrang gestern war groß, auch wenn sich die Massen auf dem weitläufigen Gelände gut verliefen. Zahlreiche Stände luden zum flanieren und schlemmen ein, ehe das Schlachtspektakel nach 14 Uhr seinen Anfang nahm.

Wie bei einer echten Schlacht wohl auch verlief dabei nicht immer alles nach Plan. Die Feldartillerie der Schwarzpulverkanoniere feuerte lange bevor die Reiterei das Feld betrat, historisch nicht eben korrekt und so auch nicht gedacht, aber für Publikum und Kanoniere sicher nicht ohne Unterhaltungswert. Auch die Feuerwehr, die schnell Glutnester auf dem von der Sonne ausgedörrtem Feld löscht, wird eher nicht Teil des historischen Panoramas gewesen sein. Die flammende Reder Müntzers hätte derweil von etwas Anachronismus profitiert, ohne Mikrofon hörte allein der Bauernhaufen, was der berühmte Prediger zu sagen hatte.

Von der Sonne gebraten wurde auch das Publikum, während man sich auf dem Schlachtfeld Zeit ließ, um Aufstellung zu nehmen. Etwas mehr Dynamik im Geschehen hätte dem Spektakel sicher gut getan, aber wann kommt man hierzulande schon einmal dazu, etwas derartiges überhaupt zu erleben?

Die knappe Antwort: zumindest heute noch einmal. Nach der gestrigen Premiere wird die Schlacht bei Bad Frankenhausen am Sonntagnachmittag ein zweites Mal nachgestellt. Ab 14 Uhr ziehen die Bauernhaufen ein, der Beginn der Schlacht ist für 15.30 Uhr angedacht, wenn alles nach Plan verläuft.

Weitere Informationen zu Parkmöglichkeiten und Tickets finden sich hier.
Angelo Glashagel
Autor: red

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