ARD-Deutschlandtrend:
Koalition nach vier Monaten im Ansehenstief
Freitag, 05. September 2025, 12:05 Uhr
Die Bundesregierung ist bereits vier Monate nach Regierungsstart im ersten Ansehenstief. Zur Arbeit der schwarz-roten Koalition insgesamt äußert sich nur gut jeder Fünfte zufrieden, im Osten nur halb so viele. Zum Vergleich...
Die im Dezember 2021 gestartete und später gescheiterte Ampelkoalition hatte im April 2022 einen mehr als doppelt so großen Bevölkerungsrückhalt in Deutschland. Die Koalitionsleistungen finden allein bei den Unions-Anhängern mehrheitlich Anerkennung, wie schon im August überwiegt nicht nur in den Reihen der Opposition, sondern auch unter den SPD-Anhängern die Kritik.
Die Zweifel der Bundesbürger zielen auf die Arbeit beider Koalitionspartner. Aber auch deren Umgang miteinander überzeugt nur jeden Sechsten. Weiter zurückhaltend fällt die Bewertung der Koalitionsspitzen von Union und SPD aus. Kanzler Merz wie Vizekanzler Klingbeil finden Zuspruch bei rund jedem Dritten. Allein Verteidigungsminister Pistorius zieht mehrheitlich Lob auf sich, Außenminister Wadephul immerhin mehr positive als negative Urteile.
Kein Stimmungsumschwung in der Bevölkerung, Sachvertrauen für Union und SPD unter Druck
Das Versprechen eines raschen Stimmungsumschwungs in der Bevölkerung erfüllt die neue Koalition bisher nicht: Die Sorgen der Bundesbürger zum Wirtschaftsstandort, zum eigenen Wohlstand, zum möglichen Arbeitsplatzverlust und zu Geldproblemen im Alter sind gegenüber dem Jahresbeginn faktisch unverändert. Entsprechend bleibt das Vertrauen in Union wie SPD, anstehende Probleme auf den Feldern der Wirtschafts-, Steuer- und Rentenpolitik lösen zu können, unter Druck. Im Vergleich zur Bundestagswahl verbessert sich die Union allein in der Außen- und Verteidigungspolitik, die SPD – und dies auch nur minimal – lediglich auf dem Feld der sozialen Gerechtigkeit. Von der Opposition sticht die AfD mit durchgängig deutlichen Kompetenzgewinnen seit Februar hervor. Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen lässt sie in der Zuwanderungspolitik erstmals die Union hinter sich. Dagegen hat das Sachvertrauen in die Grünen mit Verlust der Regierungsrolle in der zuvor von Baerbock und Habeck vertretenen Außen- und Wirtschaftspolitik nachgelassen, ebenso in der Verteidigungspolitik. Auf anderen Feldern halten die Grünen etwa ihre Vertrauensniveaus zur Bundestagswahl, ebenso die Linken, die auf dem Feld der sozialen Gerechtigkeit leicht Federn lassen.
Unterstützung von Reformideen
Der Herbst soll laut Bundesregierung im Zeichen von Reformen stehen. Von bisherigen Ideen und Vorschlägen zum Umgang mit wirtschafts-, sozialpolitischen und auch haushaltspolitische Herausforderungen finden Steuerentlastungen, z.B. von Überstundenzuschlägen, aber auch für Einkommen von im Rentenalter weiterarbeitenden Erwerbstätigen großen Zuspruch. Zugleich bestehen auf der einen Seite deutliche Sympathien für Steuererhöhungen auf hohe Einkommen und größere Erbschaften, und zwar bis in die Reihen der Union hinein, auf der anderen Seite für schärfere Bürgergeld-Sanktionen bei mehrfachem Fehlverhalten. Weniger euphorisch werden Pläne zur Umstellung der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit begrüßt. Forderungen u.a. von Wirtschaftsministerin Reiche zu einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren stoßen wählerübergreifend auf Ablehnung.
Grafik (Foto: infratest dimap, im Auftrag der ARD)
Sonntagsfrage: AfD verkürzt Rückstand auf Union
In der Sonntagsfrage verharrt die Union bei 27 Prozent (+/-0). Die AfD verkürzt den Rückstand auf die Union und erzielt mit 25 Prozent (+1) einen neuen Bestwert. Die SPD liegt mit 14 Prozent (+1) leicht besser, die Partei der Grünen mit 11 Prozent (-1) etwas schlechter als zuletzt. Die Linke käme wie im Vormonat auf 10 Prozent. Andere Parteien, darunter das BSW mit 4 Prozent (+1) und die FDP mit 3 Prozent (-1), wären derzeit ohne Chance auf einen Parlamentseinzug.
Autor: psgDie im Dezember 2021 gestartete und später gescheiterte Ampelkoalition hatte im April 2022 einen mehr als doppelt so großen Bevölkerungsrückhalt in Deutschland. Die Koalitionsleistungen finden allein bei den Unions-Anhängern mehrheitlich Anerkennung, wie schon im August überwiegt nicht nur in den Reihen der Opposition, sondern auch unter den SPD-Anhängern die Kritik.
Die Zweifel der Bundesbürger zielen auf die Arbeit beider Koalitionspartner. Aber auch deren Umgang miteinander überzeugt nur jeden Sechsten. Weiter zurückhaltend fällt die Bewertung der Koalitionsspitzen von Union und SPD aus. Kanzler Merz wie Vizekanzler Klingbeil finden Zuspruch bei rund jedem Dritten. Allein Verteidigungsminister Pistorius zieht mehrheitlich Lob auf sich, Außenminister Wadephul immerhin mehr positive als negative Urteile.
Kein Stimmungsumschwung in der Bevölkerung, Sachvertrauen für Union und SPD unter Druck
Das Versprechen eines raschen Stimmungsumschwungs in der Bevölkerung erfüllt die neue Koalition bisher nicht: Die Sorgen der Bundesbürger zum Wirtschaftsstandort, zum eigenen Wohlstand, zum möglichen Arbeitsplatzverlust und zu Geldproblemen im Alter sind gegenüber dem Jahresbeginn faktisch unverändert. Entsprechend bleibt das Vertrauen in Union wie SPD, anstehende Probleme auf den Feldern der Wirtschafts-, Steuer- und Rentenpolitik lösen zu können, unter Druck. Im Vergleich zur Bundestagswahl verbessert sich die Union allein in der Außen- und Verteidigungspolitik, die SPD – und dies auch nur minimal – lediglich auf dem Feld der sozialen Gerechtigkeit. Von der Opposition sticht die AfD mit durchgängig deutlichen Kompetenzgewinnen seit Februar hervor. Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen lässt sie in der Zuwanderungspolitik erstmals die Union hinter sich. Dagegen hat das Sachvertrauen in die Grünen mit Verlust der Regierungsrolle in der zuvor von Baerbock und Habeck vertretenen Außen- und Wirtschaftspolitik nachgelassen, ebenso in der Verteidigungspolitik. Auf anderen Feldern halten die Grünen etwa ihre Vertrauensniveaus zur Bundestagswahl, ebenso die Linken, die auf dem Feld der sozialen Gerechtigkeit leicht Federn lassen.
Unterstützung von Reformideen
Der Herbst soll laut Bundesregierung im Zeichen von Reformen stehen. Von bisherigen Ideen und Vorschlägen zum Umgang mit wirtschafts-, sozialpolitischen und auch haushaltspolitische Herausforderungen finden Steuerentlastungen, z.B. von Überstundenzuschlägen, aber auch für Einkommen von im Rentenalter weiterarbeitenden Erwerbstätigen großen Zuspruch. Zugleich bestehen auf der einen Seite deutliche Sympathien für Steuererhöhungen auf hohe Einkommen und größere Erbschaften, und zwar bis in die Reihen der Union hinein, auf der anderen Seite für schärfere Bürgergeld-Sanktionen bei mehrfachem Fehlverhalten. Weniger euphorisch werden Pläne zur Umstellung der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit begrüßt. Forderungen u.a. von Wirtschaftsministerin Reiche zu einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren stoßen wählerübergreifend auf Ablehnung.
Grafik (Foto: infratest dimap, im Auftrag der ARD)
Sonntagsfrage: AfD verkürzt Rückstand auf Union
In der Sonntagsfrage verharrt die Union bei 27 Prozent (+/-0). Die AfD verkürzt den Rückstand auf die Union und erzielt mit 25 Prozent (+1) einen neuen Bestwert. Die SPD liegt mit 14 Prozent (+1) leicht besser, die Partei der Grünen mit 11 Prozent (-1) etwas schlechter als zuletzt. Die Linke käme wie im Vormonat auf 10 Prozent. Andere Parteien, darunter das BSW mit 4 Prozent (+1) und die FDP mit 3 Prozent (-1), wären derzeit ohne Chance auf einen Parlamentseinzug.
