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Aufschwung geht weiter

Mittwoch, 20. Dezember 2006, 08:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Wann gab es das schon einmal? Die „Wirtschaftsweisen“ der Erfurter Industrie- und Handelskammer geben sich optimistisch – selbst für das kommenden Jahr. Trotz Mehrwertsteuerschock! Die Einzelheiten mit einem einzigen Klick.


Die Wirtschaft läuft rund und es geht weiter aufwärts. Mit Rückenwind starten die Unternehmer in das neue Jahr. Das Konjunkturbarometer steht auf Schönwetter. Die Ausgangslage für die nächsten Monate ist günstig und vieles spricht dafür, dass sich der Aufschwung fortsetzt. Die Signale nehmen zu, dass das Tempo zwar gedrosselt wird, der Motor aber keineswegs stoppt. Gründe für die konjunkturelle Stärke sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt vor allem in stabilen Exportgeschäften und einer erhöhten Investitionstätigkeit. Die Mehrwertsteuererhöhung wird den Aufschwung also nicht abwürgen, sondern die Wirtschaft nur vorübergehend belasten. Für das Jahr 2007 rechnet die IHK Erfurt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 bis 2,0 Prozent.

„Auch im nächsten Jahr gibt es wieder Gewinner und Verlierer“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. So würde sich die Industrie immer mehr zu einem Musterschüler entwickeln und den Konjunkturverlauf stabilisieren. „Nach vorläufigen Berechnungen der IHK liegt der Industrieumsatz im ablaufenden Jahr mit ca. 26,8 Milliarden Euro um rund 9 Prozent über dem Vorjahresniveau und markiert damit den höchsten Wert seit 1991“, berichtet Grusser. Besonders die Binnennachfrage habe kräftig zugelegt und sich zur Konjunkturstütze gemausert.

Damit hätten die Zuwachsraten der Inlandsumsätze fast das Niveau der Auslandsgeschäfte erreicht.
Besonders zuversichtlich präsentierten sich die Investitionsgüterhersteller, von denen laut jüngster Konjunkturbefragung der Kammer fast die Hälfte auf prall gefüllte Auftragsbücher und ausgelastete Kapazitäten verweisen kann.
Auch die Bauwirtschaft habe 2006 endlich die konjunkturelle Trendwende geschafft und den rigorosen Stellenabbau gestoppt.

Noch keinen Grund zum Jubeln hätten dagegen die konsumabhängigen Branchen. Einzelhändler, Gastronomen, Hoteliers und private Dienstleister befürchteten weitere Einbußen. „Allein die Steuererhöhungen werden den Verbrauchern im Jahresverlauf rund 24 Milliarden Euro Kaufkraft entziehen – das sind fast 300 Euro pro Bundesbürger“, warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Diskrepanz zwischen Konsumlaune und schmalem Geldbeutel werde also nicht geringer.

Am Arbeitsmarkt würden die positiven Konjunktursignale bisher jedoch nur sehr zaghaft ankommen. Einzig in der Industrie reichten die bestehenden Kapazitäten immer öfter nicht mehr aus und wurden 2006 über 2.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Jedes vierte Unternehmen plane auch für das nächste Jahr weitere Investitionen.

„Der Aufschwung ist in der Verlängerung und seine Chancen dürfen nicht leichtfertig verspielt werden“, fordert Grusser. Die Unternehmer sähen ihre wirtschaftliche Zukunft keinesfalls nur rosarot, sondern durchaus auch mit Risiken behaftet. „Mit einer Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners bremsen Union und SPD sich oft gegenseitig und verhindern damit auch stärkere Wachstumsimpulse“, so Grusser.

Vor allem in den Bereichen Bürokratieabbau, Lockerung des Kündigungsschutzes sowie bei der Senkung der Lohnnebenkosten gebe es noch viel zu tun. „Dreht die Koalition in Berlin an den falschen Stellschrauben, kann sich das konjunkturell günstige Klima schnell wieder verschlechtern und das Tempo der Wirtschaft abflachen.“
Autor: nnz

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