Aufholprozess stagniert
Donnerstag, 14. Dezember 2006, 09:23 Uhr
Nordhausen (nnz). Wie weit klafft die Schere zwischen Ost und West noch auseinander? Konnten die neuen Länder den Abstand zum ehemaligen Bundesgebiet in den letzten Jahren verkürzen? Und wo ordnet sich der Freistaat Thüringen im Ranking der Regionen ein? Mit einer vergleichenden Betrachtung zwischen den alten und neuen Bundesländern sowie Thüringen versucht die IHK Erfurt eine Antwort auf diese Fragen zu finden.
Gut 16 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt die Realität in Deutschland ein eher uneinheitliches Bild. Noch hat sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Ost- und Westländer nicht vollständig angeglichen, bilanziert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Zu Beginn der neunziger Jahre wäre die ostdeutsche Wirtschaft dem Westen noch mit großen Schritten hinterher geeilt. So habe das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner 1991 mit 9.442 Euro gerade einmal 43 Prozent, fünf Jahre später (1996) aber bereits 68 Prozent des Westwertes erreicht.
Bis 2005 wären dann nur noch geringe Fortschritte verzeichnet und im vergangenen Jahr lediglich 70 Prozent des westdeutschen Niveaus erzielt worden. Eine wesentliche Verbesserung ließe also weiter auf sich warten, da das gesamtwirtschaftliche Wachstum in den letzten beiden Jahren wieder unter dem Durchschnitt der alten Bundesländer gelegen habe.
Entsprechend der Entwicklung der ostdeutschen Regionen verlief auch der Aufholprozess in Thüringen, erklärt Grusser. Der Freistaat wäre 1991 bei einem Wert des Westniveaus von 30 Prozent gestartet und hätte die-sen bis 1996 verdoppelt. 2005 sei Thüringen mit einem Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von 19.047 Euro dann auf zwei Drittel des westdeutschen Durchschnitts gekommen. Ähnlich sehe es beim Produktivitätsvergleich aus. Thüringen erreicht hier mit 44.649 Euro je Erwerbstätigen nur etwa 74 Prozent des Westniveaus, so Grusser.
Die Gründe für die nach wie vor bestehende Produktivitätslücke würden vor allem in der unterschiedlichen Branchen- und Unternehmensstruktur zwischen Ost und West liegen. Thüringen, wie auch die übrigen neuen Länder, wäre vorwiegend von kleinen und mittelständischen Betrieben geprägt, deren wirtschaftliche Betätigung stark auf die regionalen Märkte gerichtet sei. Bei Betrachtung der einzelnen Branchen weist der Freistaat insbesondere im industriellen Sektor Fortschritte in der Angleichung der Wirtschaftsstruktur auf, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Mit einem Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 24 Prozent bewege sich Thüringen durchaus schon auf dem Niveau Westdeutschlands.
Die Bauwirtschaft entwickle sich analog zur Struktur Ostdeutschlands und käme auf einen Anteil von 6 Prozent, immer noch 2 Prozent mehr als in den alten Ländern. Jeweils ein Viertel der Bruttowertschöpfung des Frei-staates entfalle auf die unternehmensnahen bzw. öffentlichen und privaten Dienstleister. Dabei sei der öffentliche Sektor aufgrund der Personalüberhänge des behördlichen Dienstes im Vergleich zum ehemaligen Bundesgebiet noch überdimensioniert, während sich der unternehmensnahe Sektor mit einem Beitrag von 24 Prozent zur Bruttowertschöpfung unter dem Durchschnitt der neuen Bundesländer (26 Prozent) und den alten Ländern (30 Prozent) einordnet.
Trotz der eher negativ anmutenden Statistiken gibt es auch Erfolgsergebnisse, berichtet Grusser. Die östlichen Regionen hätten in den vergangenen Jahren keinesfalls die Hände in den Schoß gelegt. Die Investitionsquote, der Anteil der Investitionen an den Gesamtausgaben der Länderhaushalte, wäre 2005 im Osten Deutschlands doppelt so hoch wie im Westen gewesen. Der Freistaat bewege sich dabei mit einem Wert von rund 18 Prozent nur unwesentlich unter dem ostdeutschen Durchschnitt.
So zeichne sich die staatliche Bildungs- und Forschungsinfrastruktur inzwischen durch eine hohe Leistungsfähigkeit und fachliche Vielfalt aus. Beim Auf- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sei das überregionale Straßennetz deutlich erweitert und Schienen sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen saniert worden.
Autor: nnzGut 16 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt die Realität in Deutschland ein eher uneinheitliches Bild. Noch hat sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Ost- und Westländer nicht vollständig angeglichen, bilanziert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Zu Beginn der neunziger Jahre wäre die ostdeutsche Wirtschaft dem Westen noch mit großen Schritten hinterher geeilt. So habe das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner 1991 mit 9.442 Euro gerade einmal 43 Prozent, fünf Jahre später (1996) aber bereits 68 Prozent des Westwertes erreicht.
Bis 2005 wären dann nur noch geringe Fortschritte verzeichnet und im vergangenen Jahr lediglich 70 Prozent des westdeutschen Niveaus erzielt worden. Eine wesentliche Verbesserung ließe also weiter auf sich warten, da das gesamtwirtschaftliche Wachstum in den letzten beiden Jahren wieder unter dem Durchschnitt der alten Bundesländer gelegen habe.
Entsprechend der Entwicklung der ostdeutschen Regionen verlief auch der Aufholprozess in Thüringen, erklärt Grusser. Der Freistaat wäre 1991 bei einem Wert des Westniveaus von 30 Prozent gestartet und hätte die-sen bis 1996 verdoppelt. 2005 sei Thüringen mit einem Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von 19.047 Euro dann auf zwei Drittel des westdeutschen Durchschnitts gekommen. Ähnlich sehe es beim Produktivitätsvergleich aus. Thüringen erreicht hier mit 44.649 Euro je Erwerbstätigen nur etwa 74 Prozent des Westniveaus, so Grusser.
Die Gründe für die nach wie vor bestehende Produktivitätslücke würden vor allem in der unterschiedlichen Branchen- und Unternehmensstruktur zwischen Ost und West liegen. Thüringen, wie auch die übrigen neuen Länder, wäre vorwiegend von kleinen und mittelständischen Betrieben geprägt, deren wirtschaftliche Betätigung stark auf die regionalen Märkte gerichtet sei. Bei Betrachtung der einzelnen Branchen weist der Freistaat insbesondere im industriellen Sektor Fortschritte in der Angleichung der Wirtschaftsstruktur auf, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Mit einem Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 24 Prozent bewege sich Thüringen durchaus schon auf dem Niveau Westdeutschlands.
Die Bauwirtschaft entwickle sich analog zur Struktur Ostdeutschlands und käme auf einen Anteil von 6 Prozent, immer noch 2 Prozent mehr als in den alten Ländern. Jeweils ein Viertel der Bruttowertschöpfung des Frei-staates entfalle auf die unternehmensnahen bzw. öffentlichen und privaten Dienstleister. Dabei sei der öffentliche Sektor aufgrund der Personalüberhänge des behördlichen Dienstes im Vergleich zum ehemaligen Bundesgebiet noch überdimensioniert, während sich der unternehmensnahe Sektor mit einem Beitrag von 24 Prozent zur Bruttowertschöpfung unter dem Durchschnitt der neuen Bundesländer (26 Prozent) und den alten Ländern (30 Prozent) einordnet.
Trotz der eher negativ anmutenden Statistiken gibt es auch Erfolgsergebnisse, berichtet Grusser. Die östlichen Regionen hätten in den vergangenen Jahren keinesfalls die Hände in den Schoß gelegt. Die Investitionsquote, der Anteil der Investitionen an den Gesamtausgaben der Länderhaushalte, wäre 2005 im Osten Deutschlands doppelt so hoch wie im Westen gewesen. Der Freistaat bewege sich dabei mit einem Wert von rund 18 Prozent nur unwesentlich unter dem ostdeutschen Durchschnitt.
So zeichne sich die staatliche Bildungs- und Forschungsinfrastruktur inzwischen durch eine hohe Leistungsfähigkeit und fachliche Vielfalt aus. Beim Auf- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sei das überregionale Straßennetz deutlich erweitert und Schienen sowie Ver- und Entsorgungseinrichtungen saniert worden.
