Film über Jahrhundertbau
Dienstag, 12. Dezember 2006, 18:42 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Jahrhundertbauwerk!,Ein Schritt ins nächste Jahrtausend!…, stets war die DDR-Propaganda voller Superlative, wenn von Erich Honeckers einzigartigem Prestigeobjekt, dem Aushängeschild für die DDR-Wirtschaftskraft die Rede war: dem Mit-Bau an der längsten Gasleitung der Welt. Jetzt kommt ein Film dazu ins Fernsehen...
Alles war gigantisch, einmalig. Die Trassenbauer waren Revolutionäre im Blauhemd und Helden der Arbeit. Der Bau selbst eine Barrikade im Klassenkampf, ein Beweis für die ewige Freundschaft zur Sowjetunion und dem unaufhaltsamen Siegeszug des Sozialismus.
1974 wurde das Unternehmen Drushba-Trasse (Trasse der Freundschaft) in der DDR offiziell verkündet. Als beispielloses Großunternehmen von der Sowjetunion konzipiert, miterrichtet von den Kunden. Fast 5.000 Kilometer mussten die 1,42 Meter dicken Rohrleitungen vom Eismeer bis an die Westgrenze der Ukraine in die Erde, über Berge und Flüsse, gelegt werden. Bei Hitze und Frost. Straßen wurden gebaut, Wohnhäuser, Verdichterstationen… Der bei weitem größte Anteil an Gas sollte für harte Devisen in den Westen fließen, vor allem in die Bundesrepublik Deutschland.
Für die sozialistischen Bruderländer, besonders die DDR, war die Trasse eher eine milliardenschwere Investition in die Zukunft. Das Imperium von Schalck-Golodkowski besorgte Devisen für modernste Ausrüstung und Maschinen; auch die Milliardenkredite von Franz Josef Strauß halfen indirekt das Bauwerk des Jahrhunderts zu finanzieren. Ein Fass ohne Boden. Erst 1993 wurde Honeckers Prestigeprojekt beendet, drei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. Heute, mit dem weltweiten Kampf um die Energieressourcen, gewinnt das Erdgasgeschäft immer mehr an Bedeutung.
Für die meisten der 25.000 DDR-Trassenbauer waren die Jahre im Wilden Osten ein Erlebnis. Es war Abenteuer, Pioniergeist und Raus aus der engen DDR, auch einfach mal gutes Geld verdienen. Die Propaganda war eher lästig, was zählte war die Arbeit. Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. In der knappen Freizeit das legendäre Feiern mit den Kumpels – und die Mädels, die wenigen… Ein Gefühl von Freiheit, doch über vieles musste auch geschwiegen werden: Unfälle und auch die Eindrücke von einem rückständigen Land passten nicht ins Bild.
Etliche Leute aus dem Landkreis Nordhausen waren auch dabei, bei der großen Energieschlacht. Bekannt bei den Trassenkumpel waren auch Nordhäuser Spezialitäten. Tabakwaren, Doppelkorn und natürlich die legendären Universal Bagger aus dem NOBAS Werk.
In jeder Beziehung war die Trasse beispiellos, als Lebenserfahrung, als Bauwerk und als Politikum. Der Film versucht, ein realistisches Bild zu zeichnen, von dieser zuweilen heroisch verklärten Zeit. Hilfe und Unterstützung für die Filmemacher bei der Realisierung des Filmes gab es auch durch Michael Samel aus Herreden, damals Baumaschinist an der Jahrhunderttrasse…
Honeckers Jahrhundertbau - Die DDR-Erdgastrasse
Ein Film von Hajo Obuchoff und Jürgen Ast
Erstsendung im rbb: 14.12.2006, 20.15 Uhr
Infos über die DDR Erdgastrasse gibt es auch unter: www.erdgastrasse.de
Autor: nnzAlles war gigantisch, einmalig. Die Trassenbauer waren Revolutionäre im Blauhemd und Helden der Arbeit. Der Bau selbst eine Barrikade im Klassenkampf, ein Beweis für die ewige Freundschaft zur Sowjetunion und dem unaufhaltsamen Siegeszug des Sozialismus.
1974 wurde das Unternehmen Drushba-Trasse (Trasse der Freundschaft) in der DDR offiziell verkündet. Als beispielloses Großunternehmen von der Sowjetunion konzipiert, miterrichtet von den Kunden. Fast 5.000 Kilometer mussten die 1,42 Meter dicken Rohrleitungen vom Eismeer bis an die Westgrenze der Ukraine in die Erde, über Berge und Flüsse, gelegt werden. Bei Hitze und Frost. Straßen wurden gebaut, Wohnhäuser, Verdichterstationen… Der bei weitem größte Anteil an Gas sollte für harte Devisen in den Westen fließen, vor allem in die Bundesrepublik Deutschland.
Für die sozialistischen Bruderländer, besonders die DDR, war die Trasse eher eine milliardenschwere Investition in die Zukunft. Das Imperium von Schalck-Golodkowski besorgte Devisen für modernste Ausrüstung und Maschinen; auch die Milliardenkredite von Franz Josef Strauß halfen indirekt das Bauwerk des Jahrhunderts zu finanzieren. Ein Fass ohne Boden. Erst 1993 wurde Honeckers Prestigeprojekt beendet, drei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. Heute, mit dem weltweiten Kampf um die Energieressourcen, gewinnt das Erdgasgeschäft immer mehr an Bedeutung.
Für die meisten der 25.000 DDR-Trassenbauer waren die Jahre im Wilden Osten ein Erlebnis. Es war Abenteuer, Pioniergeist und Raus aus der engen DDR, auch einfach mal gutes Geld verdienen. Die Propaganda war eher lästig, was zählte war die Arbeit. Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. In der knappen Freizeit das legendäre Feiern mit den Kumpels – und die Mädels, die wenigen… Ein Gefühl von Freiheit, doch über vieles musste auch geschwiegen werden: Unfälle und auch die Eindrücke von einem rückständigen Land passten nicht ins Bild.
Etliche Leute aus dem Landkreis Nordhausen waren auch dabei, bei der großen Energieschlacht. Bekannt bei den Trassenkumpel waren auch Nordhäuser Spezialitäten. Tabakwaren, Doppelkorn und natürlich die legendären Universal Bagger aus dem NOBAS Werk.
In jeder Beziehung war die Trasse beispiellos, als Lebenserfahrung, als Bauwerk und als Politikum. Der Film versucht, ein realistisches Bild zu zeichnen, von dieser zuweilen heroisch verklärten Zeit. Hilfe und Unterstützung für die Filmemacher bei der Realisierung des Filmes gab es auch durch Michael Samel aus Herreden, damals Baumaschinist an der Jahrhunderttrasse…
Honeckers Jahrhundertbau - Die DDR-Erdgastrasse
Ein Film von Hajo Obuchoff und Jürgen Ast
Erstsendung im rbb: 14.12.2006, 20.15 Uhr
Infos über die DDR Erdgastrasse gibt es auch unter: www.erdgastrasse.de
