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Wir wollen euch kämpfen sehen

Mittwoch, 13. Dezember 2006, 07:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Derbytime im Albert-Kuntz-Sportpark am Samstag. Für die in letzter Zeit arg gebeutelten Nordhäuser kommt es am Samstag gegen Erzrivalen Sondershausen knüppeldick. Braun, Ciesla und vermutlich auch Klaus müssen beim Spiel des Jahres verletzungsbedingt passen. Die statistischen Werte hat Klaus Verkouter für die nnz aufbereitet.


Die wiederholt in einheimischen Pressemeldungen veröffentlichte Städte-Sprachschöpfung „Nord- und Sondershausen“ gefällt mir ausnahmsweise nur, wenn damit die Rangfolge von Wacker und Eintracht ausgedrückt werden soll. Die sieht aber in der Tabelle der Thüringenliga gegenwärtig umgekehrt aus. Also wäre doch Sonders- gegen Nordhausen richtiger. Außerdem wollen wir als Lokalpatrioten, dass Nordhausen ausgeschrieben wird und eben nicht unsere „kleineren“ Nachbarn. Nach der Sprachspielerei zum Fußballspiel.

Wieder herrscht Derby-Stimmung im Südharz, schon bevor die Eintracht aus Sondershausen im Albert-Kuntz-Sportpark aufläuft. Vielleicht ist es nicht ganz die knisternde Spannung wie in der Vergangenheit. Dafür sind die Wacker-Anhänger in Moment von ihrer Mannschaft, für die manche buchstäblich ihr letztes Hemd geben würden, etwas enttäuscht. Schließlich steht man im Moment auf Platz 8 und ist schon 7 Punkte vom BSV Eintracht entfernt. Eigentlich lautete ein Ziel, am Ende vor Sondershausen zu stehen. Wenn das noch verwirklicht werden soll, ist wohl oder übel ein Dreier am Sonnabend erforderlich.

Die feste Überzeugung von einem Sieg kann jeder Spieler aus der Historie der Begegnungen beider Vereine gewinnen.

Der SC Schwarzburg-Sondershausen war einer der Vorgänger aus der Anfangszeit des Sondershäuser Fußballs. Am 22. September 1917 brachte die „Nordhäuser Zeitung“ einen Vorbericht zum Spiel gegen diesen Gegner:

„Morgen Nachmittag ½3 findet auf dem Wacker-Sportplatz am Kurhaus ein Fußball-Wettspiel statt. Es stehen sich die 1. Mannschaften des Sportklubs ‚Schwarzburg’ Sondershausen und die der hiesigen Sport-Vereinigung ‚Wacker-Mars’ im Wettkampf gegenüber. Beide Mannschaften verfügen über gute Kräfte, es steht daher ein interessanter Wettkampf in Aussicht.“

Auch am letzten Spieltag der Thüringenliga vor der Winterpause ist das der Fall, schließlich stehen in beiden Reihen gute Fußballer. Schön wäre es natürlich aus Nordhäuser Sicht, wenn unsere Kicker ihr Leistungspotential wieder einmal abriefen und sogar der Pressebericht nach dem damaligen Spiel zuträfe. Der las sich nämlich so:

„Bei dem am Sonntag auf dem Wackersportplatz stattgefundenen Fußball-Wettspiel siegten unsere Blau-Weißen überlegen mit 6:1 Toren. Halbzeit 3:1.“
Für Wacker-Mars kickten damals in der Verbandsklasse Kyffhäusergau diese wackeren jungen Männer: Bartholomäus, Becker, Bornkessel, Engelhardt, K. und W. Fullmann, Glub,
Hartleb, Hatzky, Leutsch und Semmrau.

Nach 1945 trafen beide Vereine, wenn auch unter verschiedenen Namen, 16 Spielzeiten im Kampf um Punkte aufeinander (davon einmal gegen die 2. Mannschaft des BSV).

In den bisherigen 15 Heimspielen gab es 10 Nordhäuser Siege, 4 Unentschieden und erst eine Niederlage (2001 in der NOFV-Oberliga).

Am 7. April 1990 spielten die Nordhäuser erstmals vor eigenem Publikum wieder unter dem traditionellen Namen Wacker. Die Ansetzer wollten es so, dass der fußballerische „Erzfeind“ Glückauf Sondershausen im Albert-Kuntz-Sportpark antreten musste. Vor 4000 Zuschauern (das waren mehr als die 2679 in den bisherigen 8 Heimspielen dieser Saison zusammen – was sich am 17. Spieltag noch ändern könnte) vollzog der damals 91-jährige Fritz Sennewald, der vor Jahrzehnten selbst für den 1. SV Wacker 05 aktiv war, den Ehrenanstoß.

Auch unser heutiger Trainer Uwe Etzrodt, damals in der gegnerischen Elf spielend, konnte den 1:0-Sieg des FSV Wacker 90 Nordhausen nicht verhindern. Diese Truppe erkämpfte den knappen Erfolg: Sahlbach; Decker, Hilbig, Boegelsack, J. Ludwig; Kramer, Dubrownui, Gogsch; Bondar, Görke (ab 57. Torschütze Heider ), M. Ludwig. Wacker stieg am Ende der Saison in die noch existierende DDR-Liga auf.

An einen Aufstieg in diesem Spieljahr ist nach den relativ schwachen Ergebnissen der letzten Wochen nicht mehr zu denken. Die Wacker-Fans dürfen dagegen Kampfgeist bis zum Abpfiff erwarten. Das sollte die Mannschaft den treuen Anhängern schuldig sein.

Und wenn noch ein Wunsch für den Weihnachtsmann offen ist , dann lautet der: Bitte einen möglichst erfolgreichen Jahresabschluss.
K. Verkouter
Autor: osch

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