Landrat Jendricke erläuterte die Finanzlage seines Landkreises
Kreishaushalt Nordhausen gestern, heute und morgen
Freitag, 18. Juli 2025, 19:00 Uhr
Als Johanna von Koczian einst sang "Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann. Das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein hatte sie auf gar keinen Fall den Haushalt des Landkreises Nordhausen im Sinn. Denn der gestaltet sich etwas komplizierter, als Koczians Mann es behauptete …
Landrat Matthias Jendricke erläutert Haushaltszahlen. Im Vordergrund seine Pressesprecherin Jessica Piper (Foto: oas)
Im Pressegespräch zum Kreishaushalt früher, heute und später ging es am Vormittag aber erst einmal um die Bewertung der katastrophalen Ergebnisse beim Ranking der Landkreise in Punkto Wirtschaftsentwicklung. Dort war der Landkreis auf einem fünftletzten Platz von 400 deutschlandweiten Bewerbern gelandet. Matthias Jendricke freute sich heute darüber, mit seiner Kritik gleich nach der Veröffentlichung des Desasters eine breite Diskussion angeschoben zu haben, auch wenn ihm nicht alle Wortmeldungen dabei gefielen. Es sei längst überfällig, dass ein Austausch in Gang kommt, wer für Wirtschaftsförderung zuständig ist und wo sie seit Jahren schlecht gelaufen ist.
Aus des Landrats Sicht eindeutig in der Verwaltung der Kreisstadt, die zu wenig tut, um als Oberzentrum wahrgenommen zu werden. Wo ist die Agenda für das Oberzentrum?, fragte der Landrat. Wo soll das enden, wenn die Stadt immer nur bemüht ist, Aufgaben loszuwerden? Es bedürfe eines konkreten Ansprechpartners, den es aber nicht gäbe. Er warnte davor, dass die Kreisstadt demnächst unter die Vierzigtausendeinwohner-Marke fallen könnte, was den Kampf um die Anerkennung als Oberzentrum zusätzlich erschweren würde. Jendricke versteht nicht, warum es beispielsweise keine Kampagnen gäbe, Studenten nach Nordhauen zu locken. Statt ehemals fast 3.000 Studierender in Nordhauen sind es derzeit gerade noch 1.800. Er räumte allerdings auch ein, dass deutlich mehr für junge Leute geboten werden müsste. Veranstaltungen wie das Lichterfest abzusagen sei ebenso wenig hilfreich bei der Vermarktung einer attraktiven, lebendigen Stadt wie die ungenügende Bereitstellung von Wohnbauland.
Zum leidigen Thema Industriegebiet Goldene.Aue führte Jendricke gerade Gespräche mit dem Zuständigen bei der Landesentwicklungsgesellschaft. Ergebnis gibt es keins, obwohl man in Erfurt schon längst in der angestrebten Größe der Unternehmen Abstriche machte; die Ansiedlungszahl im sauteuer erschlossenen und hergerichteten Indisústriegebiet bleibt auch nach fünfzehn Jahren Vermarktung weiterhin eine glatte Null. Inzwischen ist der SPD-Politiker Jendricke so weit, dass er es begrüßen würde, wenn Rüstungsbetriebe sich in der Goldenen Aue ansiedeln würden. Denn in dieser Branche werde in den nächsten Jahren das Geld vom Bund ausgegeben, hier sei ein Boom zu erwarten.
Zum Haushalt der Kreisverwaltunh
Zufällig ist Matthias Jendricke in diesem Jahr zehn Jahre im Amt und pünktlich zu diesem Jubiläum hat der Landkreis den Zustand der Bedarfszuweisungen vom Land endlich abgeschüttelt. Das war ein steiniger und schmerzlicher Weg, nicht wirklich selbst entscheiden zu können, wofür die Zuweisungen ausgegeben werden durften, doch ganz offensichtlich hat der Landkreis das Beste daraus gemacht und trotz (oder gerade wegen) der Beschränkungen eine Menge Investitionen getätigt. Die Fehlbeträge sind komplett abgebaut worden, die Schulden des Kreises auf unter zehn Millionen Euro reduziert und das Investitionsvolumen wurde erhöht. Der Landrat versäumte an dieser Stelle nicht seinem Kämmerer Torsten Kaun zu danken, der mit seinem Team vieles umsetzen konnte von den Dingen, die Jendricke selbst durch seine politischen und persönlichen Kontakte an Förderobjekten aufgetan hatte. Das Beispiel des Neubaus des Humboldt-Gymnasiums führte Jendricke an, um zu belegen, wie durch eine klar strukturierte Herangehensweise große Projekte gestemmt werden konnten. Allerdings, so der Wermutstropfen, müssten nun die Eigenmittel für Förderprojekte wieder selbst aufgebracht werden, da die Bedarfszuweisungen ausgelaufen seien.
Satte 81 Millionen Euro wurden dem Landkreis in der Zeit der Bedarfszusweisungen vom Freistaat bereitgestellt. Geld, dass den Haushalt stabilisierte und Investitionen ermöglichte. Unvergessen, wie die Feuerwehren des gesamten Landkreises in dieser Zeit ausgestattet und erneuert wurden. Zeiten, in denen der Innenminister Thüringens (und zufällig Parteifreund Jendrickes) gefühlt wöchentlich in einer Wache des Landkreises auftauchte, um Förderbescheide oder gleich ganze Fahrzeuge und Ausrüstung zu übergeben.
Der Vermögenshaushalt des Kreises ist von ehemals 68,18 Millionen Euro im Jahre 2015 auf nun 275,76 Millionen Euro gestiegen. Stolz ist Jendricke darauf, dass es kein Haushaltssicherungskonzept mehr geben muss. Er warnt aber auch, dass es im Gegenzug keinerlei finanzielle Rücklagen mehr gibt und der Haushalt 2025 eine Punktlandung werden muss. Eine Abweichung von 1,53 Prozent erlaubt der Gesetzgeber und die ist schnell erreicht, wenn beispielsweise unverhofft wochenlang exotische Schlangen versorgt werden müssen. Doch auch Tariferhöhungen und höhere Kosten bei den sozialen Trägern sind nicht immer kalkulierbar. Wir versuchen es hinzubekommen, ohne eine Haushaltssicherungskonzept bemühen zu müssen, gibt der Verwaltungschef seinen Leuten als Maßgabe vor.
Kontinuierlich gestiegen sind die Kosten im Verwaltungshaushalt. Besonders in der Sparte soziale Sicherung explodierten sie regelrecht und sind inzwischen so hoch, wie vor wenigen Jahren noch der gesamte Haushalt war. Die Einnahmen steigen logischerweise nicht so rasant. Dafür müssen wir uns immer wieder bewegen, immer wieder Förderanträge stellen, auch wenn diese ein oder zweimal abgelehnt werden. Spätestens beim dritten Mal aber können wir hoffen, das Ziel zu erreichen., umreißt der Landrat seine Strategie bei Förderanträgen. Wenn die Fördersummen 60 Prozent überschreiten, wird es schon lohnenswert, sie zu bekommen. Bei Radwegen sind es gar 90 Prozent Förderung von Bund und Land und Jendricke hofft, aus dem Sondervermögen der Bundesregierung einiges in den Kreis lotsen zu können. Von den 100 Milliarden könnten seiner Schätzung nach 3 Milliarden in Thüringen ankommen. Wie die dann verteilt werden ist offen, aber der Landkreis Nordhausen will vorbereitet sein und hat mit dem Ausbau des Berufsschulstandorts Morgenröte und der Schwimmhalle Sollstedt schon Projekte, die in dieses Investitionsschema passen könnten. Auch über die Thüringer Aufbaubank werde demnächst eine Milliarde Euro als Kredite in der Schuldendiensthilfe (ohne Zinsen und Tilgung) verteilt. Auch hier soll ein ordentliches Stückchen vom Kuchen für den Kreis abgeschnitten werden. In Punkto Ausgaben bleibt der größte Brocken die Schulneubauten und -renovierungen.
Sollte die Landesregierung einen Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 beschließen, so wolle sich der Landkreis gerne anschließen und ebenfalls einen Doppelhaushalt erstellen. Der bedürfe dann mit Sicherheit später noch eines Nachtragshaushalts. Siehe die oben genannten Unwägbarkeiten in der Haushaltsplanung.
Alle genauen Zahlen und Entwicklungen der Finanzen im Landkreis in den letzten Jahren können Sie der angefügten. pdf-Datei detailliert entnehmen.
Olaf Schulze
Haushaltsentwicklung des Landkreises Nordhausen
Autor: osch
Landrat Matthias Jendricke erläutert Haushaltszahlen. Im Vordergrund seine Pressesprecherin Jessica Piper (Foto: oas)
Im Pressegespräch zum Kreishaushalt früher, heute und später ging es am Vormittag aber erst einmal um die Bewertung der katastrophalen Ergebnisse beim Ranking der Landkreise in Punkto Wirtschaftsentwicklung. Dort war der Landkreis auf einem fünftletzten Platz von 400 deutschlandweiten Bewerbern gelandet. Matthias Jendricke freute sich heute darüber, mit seiner Kritik gleich nach der Veröffentlichung des Desasters eine breite Diskussion angeschoben zu haben, auch wenn ihm nicht alle Wortmeldungen dabei gefielen. Es sei längst überfällig, dass ein Austausch in Gang kommt, wer für Wirtschaftsförderung zuständig ist und wo sie seit Jahren schlecht gelaufen ist.
Aus des Landrats Sicht eindeutig in der Verwaltung der Kreisstadt, die zu wenig tut, um als Oberzentrum wahrgenommen zu werden. Wo ist die Agenda für das Oberzentrum?, fragte der Landrat. Wo soll das enden, wenn die Stadt immer nur bemüht ist, Aufgaben loszuwerden? Es bedürfe eines konkreten Ansprechpartners, den es aber nicht gäbe. Er warnte davor, dass die Kreisstadt demnächst unter die Vierzigtausendeinwohner-Marke fallen könnte, was den Kampf um die Anerkennung als Oberzentrum zusätzlich erschweren würde. Jendricke versteht nicht, warum es beispielsweise keine Kampagnen gäbe, Studenten nach Nordhauen zu locken. Statt ehemals fast 3.000 Studierender in Nordhauen sind es derzeit gerade noch 1.800. Er räumte allerdings auch ein, dass deutlich mehr für junge Leute geboten werden müsste. Veranstaltungen wie das Lichterfest abzusagen sei ebenso wenig hilfreich bei der Vermarktung einer attraktiven, lebendigen Stadt wie die ungenügende Bereitstellung von Wohnbauland.
Zum leidigen Thema Industriegebiet Goldene.Aue führte Jendricke gerade Gespräche mit dem Zuständigen bei der Landesentwicklungsgesellschaft. Ergebnis gibt es keins, obwohl man in Erfurt schon längst in der angestrebten Größe der Unternehmen Abstriche machte; die Ansiedlungszahl im sauteuer erschlossenen und hergerichteten Indisústriegebiet bleibt auch nach fünfzehn Jahren Vermarktung weiterhin eine glatte Null. Inzwischen ist der SPD-Politiker Jendricke so weit, dass er es begrüßen würde, wenn Rüstungsbetriebe sich in der Goldenen Aue ansiedeln würden. Denn in dieser Branche werde in den nächsten Jahren das Geld vom Bund ausgegeben, hier sei ein Boom zu erwarten.
Zum Haushalt der Kreisverwaltunh
Zufällig ist Matthias Jendricke in diesem Jahr zehn Jahre im Amt und pünktlich zu diesem Jubiläum hat der Landkreis den Zustand der Bedarfszuweisungen vom Land endlich abgeschüttelt. Das war ein steiniger und schmerzlicher Weg, nicht wirklich selbst entscheiden zu können, wofür die Zuweisungen ausgegeben werden durften, doch ganz offensichtlich hat der Landkreis das Beste daraus gemacht und trotz (oder gerade wegen) der Beschränkungen eine Menge Investitionen getätigt. Die Fehlbeträge sind komplett abgebaut worden, die Schulden des Kreises auf unter zehn Millionen Euro reduziert und das Investitionsvolumen wurde erhöht. Der Landrat versäumte an dieser Stelle nicht seinem Kämmerer Torsten Kaun zu danken, der mit seinem Team vieles umsetzen konnte von den Dingen, die Jendricke selbst durch seine politischen und persönlichen Kontakte an Förderobjekten aufgetan hatte. Das Beispiel des Neubaus des Humboldt-Gymnasiums führte Jendricke an, um zu belegen, wie durch eine klar strukturierte Herangehensweise große Projekte gestemmt werden konnten. Allerdings, so der Wermutstropfen, müssten nun die Eigenmittel für Förderprojekte wieder selbst aufgebracht werden, da die Bedarfszuweisungen ausgelaufen seien.
Satte 81 Millionen Euro wurden dem Landkreis in der Zeit der Bedarfszusweisungen vom Freistaat bereitgestellt. Geld, dass den Haushalt stabilisierte und Investitionen ermöglichte. Unvergessen, wie die Feuerwehren des gesamten Landkreises in dieser Zeit ausgestattet und erneuert wurden. Zeiten, in denen der Innenminister Thüringens (und zufällig Parteifreund Jendrickes) gefühlt wöchentlich in einer Wache des Landkreises auftauchte, um Förderbescheide oder gleich ganze Fahrzeuge und Ausrüstung zu übergeben.
Der Vermögenshaushalt des Kreises ist von ehemals 68,18 Millionen Euro im Jahre 2015 auf nun 275,76 Millionen Euro gestiegen. Stolz ist Jendricke darauf, dass es kein Haushaltssicherungskonzept mehr geben muss. Er warnt aber auch, dass es im Gegenzug keinerlei finanzielle Rücklagen mehr gibt und der Haushalt 2025 eine Punktlandung werden muss. Eine Abweichung von 1,53 Prozent erlaubt der Gesetzgeber und die ist schnell erreicht, wenn beispielsweise unverhofft wochenlang exotische Schlangen versorgt werden müssen. Doch auch Tariferhöhungen und höhere Kosten bei den sozialen Trägern sind nicht immer kalkulierbar. Wir versuchen es hinzubekommen, ohne eine Haushaltssicherungskonzept bemühen zu müssen, gibt der Verwaltungschef seinen Leuten als Maßgabe vor.
Kontinuierlich gestiegen sind die Kosten im Verwaltungshaushalt. Besonders in der Sparte soziale Sicherung explodierten sie regelrecht und sind inzwischen so hoch, wie vor wenigen Jahren noch der gesamte Haushalt war. Die Einnahmen steigen logischerweise nicht so rasant. Dafür müssen wir uns immer wieder bewegen, immer wieder Förderanträge stellen, auch wenn diese ein oder zweimal abgelehnt werden. Spätestens beim dritten Mal aber können wir hoffen, das Ziel zu erreichen., umreißt der Landrat seine Strategie bei Förderanträgen. Wenn die Fördersummen 60 Prozent überschreiten, wird es schon lohnenswert, sie zu bekommen. Bei Radwegen sind es gar 90 Prozent Förderung von Bund und Land und Jendricke hofft, aus dem Sondervermögen der Bundesregierung einiges in den Kreis lotsen zu können. Von den 100 Milliarden könnten seiner Schätzung nach 3 Milliarden in Thüringen ankommen. Wie die dann verteilt werden ist offen, aber der Landkreis Nordhausen will vorbereitet sein und hat mit dem Ausbau des Berufsschulstandorts Morgenröte und der Schwimmhalle Sollstedt schon Projekte, die in dieses Investitionsschema passen könnten. Auch über die Thüringer Aufbaubank werde demnächst eine Milliarde Euro als Kredite in der Schuldendiensthilfe (ohne Zinsen und Tilgung) verteilt. Auch hier soll ein ordentliches Stückchen vom Kuchen für den Kreis abgeschnitten werden. In Punkto Ausgaben bleibt der größte Brocken die Schulneubauten und -renovierungen.
Sollte die Landesregierung einen Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 beschließen, so wolle sich der Landkreis gerne anschließen und ebenfalls einen Doppelhaushalt erstellen. Der bedürfe dann mit Sicherheit später noch eines Nachtragshaushalts. Siehe die oben genannten Unwägbarkeiten in der Haushaltsplanung.
Alle genauen Zahlen und Entwicklungen der Finanzen im Landkreis in den letzten Jahren können Sie der angefügten. pdf-Datei detailliert entnehmen.
Olaf Schulze
Haushaltsentwicklung des Landkreises Nordhausen
