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Wegen Kritik an Stadt Nordhausen nach miesem Ranking

Bürgerliste Südharz attackiert NUV

Dienstag, 15. Juli 2025, 12:58 Uhr
Als "Gegendarstellung zur Kritik des NUV-Vorstandes" bezeichnet der Fraktionschef der Bürgerliste Südharz, Marko Rossmann, das Statement der Bügerbewegung zum nnz-Artikel von gestern...

Mit Verwunderung nehme ich die jüngsten Aussagen des Nordthüringer Unternehmerverbandes, insbesondere von Herrn Niels Neu, zur Entwicklung des Landkreises Nordhausen zur Kenntnis.
Zunächst sei angemerkt: Die Ergebnisse des Prognos-Zukunftsatlas spiegeln eine langfristige Entwicklung wider, deren Ursachen komplex sind und keineswegs allein in der Verantwortung der Kommunalpolitik der letzten Jahre liegen. Wer hier „personelle Konsequenzen“ im Rathaus Nordhausen fordert, sollte sich selbstkritisch fragen, welche eigenen Beiträge die regionale Wirtschaft in den vergangenen Jahren zur Standortsicherung und Fachkräftebindung geleistet hat.

Es ist zudem höchst bezeichnend, wenn man sich mangels belastbarer Sachargumente hinter den Ergebnissen einer überregionalen Standardstudie verstecken muss, um populistisch gegen die Verwaltung zu polemisieren – anstatt faktenbasiert zu analysieren oder konstruktiv an tragfähigen Lösungsansätzen mitzuwirken.

1. Wirtschaft trägt Mitverantwortung für den Standort

Der NUV macht es sich schlicht weg zu einfach, wenn er versucht die Verantwortung ausschließlich bei Stadtverwaltung und Stadtrat abzuladen. Die Wirtschaft ist elementarer Teil der regionalen Entwicklung – und ja, nicht nur die Stadtverwaltung sondern auch die regionalen wirtschaftlichen Interessenverbände waren in der Vergangenheit eher zurückhaltend anstatt proaktiv, wenn es darum ging, gemeinsam mit der öffentlichen Hand wirtschaftsfördernde Projekte zu entwickeln oder aktiv Nachwuchs zu fördern.

2. Hochschule Nordhausen als Schlüsselpartner wird ignoriert

Besonders befremdlich ist die Pauschalkritik an der Hochschule Nordhausen. Gerade hier zeigen Projekte wie Wasserstoff-Entwicklung, angewandte Sozialarbeit oder regenerative Energieforschung sehr wohl Strahlkraft. Das Problem ist weniger die Hochschule, sondern vielmehr, dass die Wirtschaft es bislang versäumt hat, diese Kompetenzen stärker in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. Die Schuld hier auf Verwaltung oder Hochschule zu schieben, greift zu kurz.

3. Falsche Akzente bei der Fachkräftekritik

Der Vorwurf, Fachkräftezuwanderung aus bestimmten Ländern bringe keinen Erfolg, ist nicht nur pauschalierend, sondern gefährlich spaltend. Die Realität ist: Nordhausen braucht qualifizierte Zuwanderung. Ohne sie wird es weder Fachkräfte noch ein Ende der negativen Auswirkungen der aktuellen Demographieentwicklung geben. Wer integrationspolitisches Versagen feststellt, sollte zunächst in die eigenen Betriebe schauen: Haben wir ausreichende Willkommenskultur? Bieten wir faire Einstiegsbedingungen? Diese Fragen bleiben von Herrn Neu unbeantwortet.

4. Keine pauschale Verunglimpfung von Verwaltungsmitarbeitern

Die Forderung nach „personellen Konsequenzen“ in der Verwaltung zeugt von fehlender Sachlichkeit. Langjährig tätige Verwaltungsmitarbeiter pauschal als Problem zu brandmarken, ist populistisch und demotiviert die Menschen, die tagtäglich unter teils schwierigen Bedingungen arbeiten. Es wäre zielführender, konstruktive Kritik zu üben und sich an echten Zukunftsprojekten zu beteiligen, statt mit dem Finger zu zeigen.

5. Wir brauchen gemeinsame Lösungen – keinen öffentlichen Schlagabtausch

Als Stadtrat der Stadt Nordhausen und Kreistagsmitglied des Landkreises Nordhausen halte ich es für dringend notwendig, die aktuelle Diskussion um den Standort Nordhausen konstruktiv und sachlich zu führen. Die alleinige Schuldzuweisung an die Stadtverwaltung greift zu kurz und verkennt die bestehenden strukturellen Möglichkeiten.
5.1 Primäre Maßnahme: Stärkere Nutzung der Wirtschaftsförderung des Landkreises
Nordhausen ist nicht nur Oberzentrum, sondern auch Kreisstadt. Daher ist es folgerichtig, die bestehenden Strukturen der Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordhausen als primäre Anlaufstelle und koordinierende Instanz für die Wirtschaftsförderung im gesamten Kreisgebiet – einschließlich der Stadt Nordhausen – zu nutzen und gezielt auszubauen, anstatt, wie von einigen Fraktionen im Stadtrat gefordert, zusätzlich eine separate Personalstelle „Wirtschaftsförderung“ bei der Stadtverwaltung zu schaffen, die mit einer neuen Person besetzt werden müsste und angesichts der erforderlichen Dotierung erhebliche zusätzliche Kosten für den städtischen Haushalt verursachen würde.
Der Landrat hat Herrn Droescher erst kürzlich öffentlich als Leiter der Wirtschaftsförderung und somit zum „Vermittler zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik“ benannt. Diese Funktion kann dazu beitragen, personelle Engpässe bzw. Doppelfunktionen einzelner Personen in den Kommunen und somit auch in der Stadt Nordhausen kurzfristig auszugleichen und wirtschaftliche Anliegen gebündelt zu bearbeiten, ohne die Ressourcen auf kommunaler Ebene doppelt vorzuhalten. Eine enge Verzahnung von Stadtverwaltung, Landkreis und Unternehmerschaft (beispielsweise über den NUV) ist hierbei unerlässlich.
5.2 Alternative Maßnahme: Gründung einer Wirtschaftsförderung Nordhausen GmbH
Sollte sich mittelfristig herausstellen, dass die vom Landrat angepriesenen Wirtschaftsförderung des Landkreises die Anforderungen an eine moderne, proaktive Standortpolitik nicht in ausreichendem Maße erfüllen kann, muss die Gründung einer eigenständigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Wirtschaftsförderung Nordhausen GmbH“ geprüft werden.
Diese Gesellschaft könnte nach dem Vorbild ähnlicher Konstruktionen in den Nachbarlandkreisen von der Stadt Nordhausen, dem Landkreis Nordhausen und dem Unternehmerverband gemeinsam getragen werden, um:
 professionelle Standortvermarktung sicherzustellen
 direkte Ansprache von Investoren und Fachkräften zu ermöglichen
 Innovations- und Gründungsprojekte zu begleiten
 Synergieeffekte zwischen Stadt und Umland zu schaffen
Auch Großstädte wie Frankfurt am Main setzen bereits seit 1987 mit der Gründung der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH erfolgreich auf das Modell einer kommunalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft.
Ziel bleibt jedoch klar: bestehende Strukturen sollen effizient genutzt werden, bevor neue, zusätzliche Strukturen aufgebaut werden.

6. Warum das alleinige Vertrauen auf die LEG Thüringen nicht ausreicht

Auch wenn die LEG Thüringen als 100-prozentige Landesgesellschaft seit 1992 vielfältige Aufgaben in Wirtschaftsförderung, Fachkräftegewinnung und Infrastrukturentwicklung übernimmt, ist es aus kommunalverwaltungsrechtlicher Sicht fragwürdig, sich ausschließlich auf deren Aktivitäten zu verlassen. Die LEG agiert überregional – sie unterstützt Kommunen landesweit z. B. beim Flächenmanagement, bei der Investorensuche oder dem Breitbandausbau kann sie lokale Bedarfe, wie spezifische Projekte, bestehende Schulterschlusspflichten oder kurzfristige Anliegen von Stadt und Unternehmern, nicht mit derselben Präzision und Flexibilität bearbeiten, wie es eine kommunale oder kreisnahe Wirtschaftsförderung tun kann.
Daher ist es auch nicht zielführend, wie es in der Vergangenheit häufig von der Stadtverwaltung praktiziert wurde, die LEG als Schutzbehauptung ins Feld zu führen, um Kritik an der eigenen Wirtschaftsförderung abzuwehren. Vielmehr erscheint es mir als Stadtrat eindeutig geboten, die LEG als starken Partner einzubinden – ergänzt um eine schnelle, lokal verankerte Steuerungsinstanz, etwa über Herrn Droescher beim Landratsamt. Nur durch dieses Zusammenspiel aus überregionaler Kompetenz und lokaler Handlungskraft können wir in Nordhausen kurzfristig wie langfristig wirkungsvolle Impulse setzen – und verhindern, dass die LEG als bequeme Ausrede statt als echte Unterstützung missverstanden wird.

7. Fazit

Wir brauchen in Nordhausen keine weiteren Schaufensterprojekte, sondern eine funktionierende, schlagkräftige Wirtschaftsförderung, die Verantwortung zwischen Stadt, Landkreis und Unternehmerschaft klar verteilt und endlich Ergebnisse liefert.
Die Bürgerliste Südharz wird sich konsequent für pragmatische Lösungen statt Symbolpolitik einsetzen.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Marko Rossmann
Autor: red

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