Invasiver Riesen-Bärenklau in Nordhausen
Fünf Exemplare pro hundert Meter Zorge
Samstag, 12. Juli 2025, 09:04 Uhr
Mindestens 32 Exemplare des als invasiv eingestuften Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum) zählte nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg gestern an der Zorge, zwischen der Brücke Grimmelallee/An der Bleiche und der Brücke Hesseröder Straße mitten in Nordhausen. Das sind etwa 600 Meter...
Auch am von Spaziergängern gern aufgesuchten Zorgeufer unweit des Badehauses in Nordhausen blüht der Riesen-Bärenklau. (Foto: B. Schwarzberg)
Mehrere von ihnen blühen und fruchten gerade. Anderswo im Gebiet um Nordhausen sind es ungleich mehr. Dabei wollten sich Stadt und Landkreis Nordhausen und auch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz schon seit Jahren der Bekämpfung der auch für die menschliche Gesundheit gefährlichen Art widmen. Den Kampf gegen den Riesen-Bärenklau scheint man jedoch, legt man die Realität zugrunde, aufgegeben zu haben.
So erschienen in der nnz bereits am 03.08.2020, am 23.06.2021 und am 25.06.2023 Beiträge, in denen u.a. auf die Zuständigkeiten für die Bekämpfung hingewiesen wurde.
Am 03.08.2020 schrieb die nnz unter der Überschrift Expertenrunde im Landratsamt, dass es ein Treffen der Unteren Naturschutzbehörde mit Vertretern aus den Städten und Gemeinden im Landkreis Nordhausen gegeben habe. Demnach ging es um die Eindämmung und die Kontrolle der invasiven Art:
Seitens der Städte und Gemeinden erfolgen Zuarbeiten über Standorte und Ausmaße der Vorkommen des Riesenbärenklaus. Diese dienen für die lokalen Behörden als Überblick und sie werden ebenso an die Fachbehörde der Thüringer Landesanstalt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) zur weiteren Festlegung von Managementmaßnahmen weitergeleitet. Für den September ist ein weiterer Termin vorgesehen, hierbei sollen konkrete Bekämpfungsmaßnahmen für die kommenden Jahre erörtert, geplant und dann ab dem Jahr 2021 umgesetzt werden, erklärte Martin Taeger, Fachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde.
https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=278877
Am 23.06.2021 stellte die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung klar, dass die Untere Naturschutzbehörde für die Eindämmung der Ausbreitung von invasiven Pflanzenarten, wie bspw. den Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) zuständig sei.
https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=293671
Von der erwähnten, ab 2021 geplanten aktiven Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen, über die die Öffentlichkeit im August 2020 informiert wurde, war in diesem Beitrag nichts zu lesen, lediglich davon, dass die Untere Naturschutzbehörde alles Weitere in die Wege leiten werde. Was damals genau in die Wege geleitet wurde, wäre interessant zu erfahren.
Noch einmal zwei Jahre später, am 25.06.2023, erschien in der nnz nochmals ein Beitrag zur Verantwortlichkeit bei der Bekämpfung der Art:
Demnach sei außerhalb von Naturschutzgebieten oder anderen naturschutzfachlich hochwertigen Flächen... der Grundstückseigentümer für die Bekämpfung des Riesenbärenklaus verantwortlich.
https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=329679
Betrachtet man heute, also mehrere Jahre später, jedoch die stellenweise geradezu gigantischen Bestände des Riesen-Bärenklaus zwischen Branderode und Nordhausen, so scheint es bis jetzt trotz, oder auch wegen der offenbar etwas verwirrenden Verantwortlichkeiten keine wirksame Zurückdrängung des Riesen-Bärenklaus gegeben zu haben.
Vermehrt sich im Landkreis Nordhausen nahezu ungebremst: Der invasive Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) an der Wieda zwischen Woffleben und Gudersleben. (Foto: B. Schwarzberg)
Bei einer Fahrt auf der B4 von Nordhausen in Richtung Niedersachswerfen beispielsweise, leuchten einem von der Zorge her schon von weitem die riesigen, aktuell blühenden Riesengewächse entgegen. Zwischen Woffleben und Gudersleben beginnen sie sich in Straßengräben und auf Brachflächen anzusiedeln. Man sieht den Riesen-Bärenklau auch an der Zorge in Woffleben und ebenso im Naturschutzgebiet Sattelköpfe zwischen Woffleben und Gudersleben:
Zu hunderten bevölkern sie die Ränder des ausgetrockneten Flussbetts der Wieda von der Straße Woffleben-Hörningen in Richtung Igelsumpf. Es fallen am dort mittlerweile sogar durch Schilder gekennzeichnetem Naturschutzgebiet mehrere Exemplare des Riesen-Bärenklaus an der Wieda auf, denen die Dolden in den vergangenen Tagen abgeschlagen worden sein müssen. Ein Gefühl von Dilettantismus drängt sich hier auf: Denn nicht immer wurden die teils blühenden, teils bereits fruchtenden Dolden auch von der Fläche entfernt. So können die Früchte trotz Abschlagens der Dolden ausreifen, ausfallen und für Nachkommen sorgen.
Auch erfolgte die Entfernung der Dolden nicht konsequent: Mehrere aktuell blühende Exemplare sind auf dem Gebiet des Naturschutzgebiets noch nachweisbar. Ganz zu schweigen von den großen Bärenklau-Teilpopulationen, am anderen, außerhalb des NSG befindlichen Wiedaufers, von denen ein permanenter Eintrag der Früchte nicht nur ins NSG, sondern auch in Richtung Zorge und damit Nordhausen erfolgen dürfte.
So jedenfalls ist der Riesen-Bärenklau nicht zu bekämpfen: Denn neben dem Potenzial fruchtender Dolden können Exemplare, deren Dolden noch während der Blütezeit entfernt wurden, ihre Zweijährigkeit verlieren und erneut austreiben. Daher wäre es sinnvoller, die im Frühjahr austreibenden Exemplare zeitnahe und am besten mehrmals abzumähen, was gerade im Stadtgebiet von Nordhausen wichtig wäre, da dort die Gefahr des Kontakts mit den Pflanzen besonders groß ist.
Unter dem Eindruck der ungebremsten Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus veröffentlichte ich am 11.07.2024 in der nnz unter dem Titel Invasive Art auf dem Vormarsch einen Artikel über Bestände mit hunderten Exemplaren von Heracleum mantegazzianum zwischen Obersachswerfen und Niedersachswerfen an Sachsengraben und Wieda und setzte mich mit der naturschutzfachlichen und gesundheitslichen Bedrohung durch die aus dem Kaukasus stammende Art auseinander. https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=349881
Dass es nun auch in der Stadt Nordhausen selbst wachsende Bestände des durch Fucocumarine stark giftigen, schleimhautreizenden Doldengewächses gibt, ist nicht verwunderlich: Die unzähligen Früchte der Art sind schwimmfähig und werden über Sachsengraben, Wieda oder Zorge in die Kreisstadt getragen, wo sie keimen und zu neuen Pflanzen heranwachsen. Man müsste also zeitgleich gegen die Pflanzen an den nordwestlich der Stadt befindlichen Fließgewässern und in Nordhausen selbst vorgehen. Alles andere wäre lediglich eine symptomatische Bekämpfung. So. als wenn man bei einem Tumorleiden die randlichen Metastasen herausschneidet, die primäre Geschwulst aber wuchern lässt.
An der Zorge in Nordhausen passieren nicht selten Spaziergänger die wachsenden Riesen-Bärenklau-Bestände. Bei versehentlicher Berührung oder bei Stürzen droht hier eine unmittelbare und schwerwiegende Gesundheitsgefahr. Beim Betrachten der Riesen-Bärenklau-Exemplare im Kernstadtgebiet reibt man sich auch deshalb verwundert die Augen, weil hier die zorgebegleitenden Wiesen gemäht, aber selbst junge, einjährige, also erst im nächsten Jahr blühende Pflanzen nicht mit entfernt wurden.
Im Naturschutzgebiet Sattelköpfe wurden Blüten- und Fruchtstände abgeschlagen: Die Fruchtstände wurden jedoch nicht entfernt, die Früchte können weiter ausreifen. (Foto: B. Schwarzberg)
Die einfachste Bekämpfungsmaßnahme ist, wie bereits erwähnt, die sachgemäße Entfernung der Fruchtstände und deren Entsorgung über den Restmüll, der verbrannt werden sollte. Da der Riesen-Bärenklau meist zweijährig ist, die Pflanze also normalerweise nach der Fruchtbildung abstirbt, würde es reichen, die Fruchtstände nur viele Jahre und entlang der Flüsse im Gebiet solange zu entfernen, bis der Samenvorrat im Boden erschöpft ist. Das Wichtigste hierbei sind Konsequenz und ein langer Arten. Die Fruchtstände sollten jedoch nicht zu früh entfernt werden, da die Pflanze ansonsten, siehe oben, zur Mehrjährigkeit angeregt werden könnte.
Über weitere Bekämpfungsmaßnahmen des EU-weit als invasiv eingestuften Riesen-Bärenklaus wurde vielfach publiziert.
Wie wirksam die konsequente Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus sein kann, bewiesen die Enthusiasten des Villenparks Hohenrode in Nordhausen ab 2010: Damals bevölkerten alljährlich noch hunderte Exemplare des imposanten Gewächses dessen Wiesen und Säume. Mittels Ausgraben, vor allem aber konsequenter Mahd austreibender Pflanzen und Entfernung von Blüten- und Fruchtständen wurde er innerhalb weniger Jahre zu fast einhundert Prozent vernichtet. Erscheint heute mal noch irgendwo eine Pflanze, so erfolgt ihre sofortige Entfernung.
Nach der jahrelangen Betonung von Verantwortlichkeiten und diversen Expertenkonferenzen wäre es nun an der Zeit, im Interesse von Mensch und Natur auch an Zorge, Wieda und Sachsengraben etwas Wirksames gegen den sich immer weiter ausbreitenden Riesen-Bärenklau zu unternehmen und den Worten Taten folgen zu lassen. Im Landkreis Nordhausen bleiben da noch viele Fragen offen, zum Beispiel, wie mit den geradezu gigantischen Beständen der Art an den Fließgewässern umzugehen ist und wer die Bekämpfung konkret zu organisieren hat. Vielleicht kann sich der Landkreis Nordhausen hierzu bei Amtsbrüdern und -schwestern im Landkreis Greiz informieren. Auf dessen Homepage heißt es:
"Die Untere Naturschutzbehörde führt ein Register mit den bekannten Standorten und koordiniert die Bekämpfung. Außerhalb von Schutzgebieten ist in erster Linie der Eigentümer des Flurstücks für die Beseitigung verantwortlich. Gegebenenfalls müssen die Städte und Gemeinden in ihren Hoheitsgebieten auf die Bürger zugehen und die Entfernung des Riesenbärenklaus ordnungsrechtlich anweisen. An Gewässern erster Ordnung wird eine Koordinierung mit den Flussmeistereien stattfinden; an Gewässern zweiter Ordnung entsprechend mit den Gewässerunterhaltungsverbänden. Im Wald wird die Bekämpfung mit Thüringen-Forst abgesprochen."
Betrachtet man bei uns die weiter wachsenden Riesen-Bärenklau-Bestände und stellt sie den offiziell abrufbaren Publikationen der Behörden gegenüber, kommen jedoch Zweifel darüber auf, ob sie dem Problem gewachsen sind. Wenn wir nicht einmal dieses verhältnismäßig kleine menschgemachte Problem lösen können: Wie erst wollen wir die wirklich großen Probleme lösen?
Dem Thema Riesen-Bärenklau sollte sich übrigens auch der Naturschutzbeirat widmen.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg
Auch am von Spaziergängern gern aufgesuchten Zorgeufer unweit des Badehauses in Nordhausen blüht der Riesen-Bärenklau. (Foto: B. Schwarzberg)
Mehrere von ihnen blühen und fruchten gerade. Anderswo im Gebiet um Nordhausen sind es ungleich mehr. Dabei wollten sich Stadt und Landkreis Nordhausen und auch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz schon seit Jahren der Bekämpfung der auch für die menschliche Gesundheit gefährlichen Art widmen. Den Kampf gegen den Riesen-Bärenklau scheint man jedoch, legt man die Realität zugrunde, aufgegeben zu haben.
So erschienen in der nnz bereits am 03.08.2020, am 23.06.2021 und am 25.06.2023 Beiträge, in denen u.a. auf die Zuständigkeiten für die Bekämpfung hingewiesen wurde.
Am 03.08.2020 schrieb die nnz unter der Überschrift Expertenrunde im Landratsamt, dass es ein Treffen der Unteren Naturschutzbehörde mit Vertretern aus den Städten und Gemeinden im Landkreis Nordhausen gegeben habe. Demnach ging es um die Eindämmung und die Kontrolle der invasiven Art:
Seitens der Städte und Gemeinden erfolgen Zuarbeiten über Standorte und Ausmaße der Vorkommen des Riesenbärenklaus. Diese dienen für die lokalen Behörden als Überblick und sie werden ebenso an die Fachbehörde der Thüringer Landesanstalt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) zur weiteren Festlegung von Managementmaßnahmen weitergeleitet. Für den September ist ein weiterer Termin vorgesehen, hierbei sollen konkrete Bekämpfungsmaßnahmen für die kommenden Jahre erörtert, geplant und dann ab dem Jahr 2021 umgesetzt werden, erklärte Martin Taeger, Fachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde.
https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=278877
Am 23.06.2021 stellte die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung klar, dass die Untere Naturschutzbehörde für die Eindämmung der Ausbreitung von invasiven Pflanzenarten, wie bspw. den Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) zuständig sei.
https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=293671
Von der erwähnten, ab 2021 geplanten aktiven Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen, über die die Öffentlichkeit im August 2020 informiert wurde, war in diesem Beitrag nichts zu lesen, lediglich davon, dass die Untere Naturschutzbehörde alles Weitere in die Wege leiten werde. Was damals genau in die Wege geleitet wurde, wäre interessant zu erfahren.
Noch einmal zwei Jahre später, am 25.06.2023, erschien in der nnz nochmals ein Beitrag zur Verantwortlichkeit bei der Bekämpfung der Art:
Demnach sei außerhalb von Naturschutzgebieten oder anderen naturschutzfachlich hochwertigen Flächen... der Grundstückseigentümer für die Bekämpfung des Riesenbärenklaus verantwortlich.
https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=329679
Betrachtet man heute, also mehrere Jahre später, jedoch die stellenweise geradezu gigantischen Bestände des Riesen-Bärenklaus zwischen Branderode und Nordhausen, so scheint es bis jetzt trotz, oder auch wegen der offenbar etwas verwirrenden Verantwortlichkeiten keine wirksame Zurückdrängung des Riesen-Bärenklaus gegeben zu haben.
Vermehrt sich im Landkreis Nordhausen nahezu ungebremst: Der invasive Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) an der Wieda zwischen Woffleben und Gudersleben. (Foto: B. Schwarzberg)
Bei einer Fahrt auf der B4 von Nordhausen in Richtung Niedersachswerfen beispielsweise, leuchten einem von der Zorge her schon von weitem die riesigen, aktuell blühenden Riesengewächse entgegen. Zwischen Woffleben und Gudersleben beginnen sie sich in Straßengräben und auf Brachflächen anzusiedeln. Man sieht den Riesen-Bärenklau auch an der Zorge in Woffleben und ebenso im Naturschutzgebiet Sattelköpfe zwischen Woffleben und Gudersleben:
Zu hunderten bevölkern sie die Ränder des ausgetrockneten Flussbetts der Wieda von der Straße Woffleben-Hörningen in Richtung Igelsumpf. Es fallen am dort mittlerweile sogar durch Schilder gekennzeichnetem Naturschutzgebiet mehrere Exemplare des Riesen-Bärenklaus an der Wieda auf, denen die Dolden in den vergangenen Tagen abgeschlagen worden sein müssen. Ein Gefühl von Dilettantismus drängt sich hier auf: Denn nicht immer wurden die teils blühenden, teils bereits fruchtenden Dolden auch von der Fläche entfernt. So können die Früchte trotz Abschlagens der Dolden ausreifen, ausfallen und für Nachkommen sorgen.
Auch erfolgte die Entfernung der Dolden nicht konsequent: Mehrere aktuell blühende Exemplare sind auf dem Gebiet des Naturschutzgebiets noch nachweisbar. Ganz zu schweigen von den großen Bärenklau-Teilpopulationen, am anderen, außerhalb des NSG befindlichen Wiedaufers, von denen ein permanenter Eintrag der Früchte nicht nur ins NSG, sondern auch in Richtung Zorge und damit Nordhausen erfolgen dürfte.
So jedenfalls ist der Riesen-Bärenklau nicht zu bekämpfen: Denn neben dem Potenzial fruchtender Dolden können Exemplare, deren Dolden noch während der Blütezeit entfernt wurden, ihre Zweijährigkeit verlieren und erneut austreiben. Daher wäre es sinnvoller, die im Frühjahr austreibenden Exemplare zeitnahe und am besten mehrmals abzumähen, was gerade im Stadtgebiet von Nordhausen wichtig wäre, da dort die Gefahr des Kontakts mit den Pflanzen besonders groß ist.
Unter dem Eindruck der ungebremsten Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus veröffentlichte ich am 11.07.2024 in der nnz unter dem Titel Invasive Art auf dem Vormarsch einen Artikel über Bestände mit hunderten Exemplaren von Heracleum mantegazzianum zwischen Obersachswerfen und Niedersachswerfen an Sachsengraben und Wieda und setzte mich mit der naturschutzfachlichen und gesundheitslichen Bedrohung durch die aus dem Kaukasus stammende Art auseinander. https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=349881
Dass es nun auch in der Stadt Nordhausen selbst wachsende Bestände des durch Fucocumarine stark giftigen, schleimhautreizenden Doldengewächses gibt, ist nicht verwunderlich: Die unzähligen Früchte der Art sind schwimmfähig und werden über Sachsengraben, Wieda oder Zorge in die Kreisstadt getragen, wo sie keimen und zu neuen Pflanzen heranwachsen. Man müsste also zeitgleich gegen die Pflanzen an den nordwestlich der Stadt befindlichen Fließgewässern und in Nordhausen selbst vorgehen. Alles andere wäre lediglich eine symptomatische Bekämpfung. So. als wenn man bei einem Tumorleiden die randlichen Metastasen herausschneidet, die primäre Geschwulst aber wuchern lässt.
An der Zorge in Nordhausen passieren nicht selten Spaziergänger die wachsenden Riesen-Bärenklau-Bestände. Bei versehentlicher Berührung oder bei Stürzen droht hier eine unmittelbare und schwerwiegende Gesundheitsgefahr. Beim Betrachten der Riesen-Bärenklau-Exemplare im Kernstadtgebiet reibt man sich auch deshalb verwundert die Augen, weil hier die zorgebegleitenden Wiesen gemäht, aber selbst junge, einjährige, also erst im nächsten Jahr blühende Pflanzen nicht mit entfernt wurden.
Im Naturschutzgebiet Sattelköpfe wurden Blüten- und Fruchtstände abgeschlagen: Die Fruchtstände wurden jedoch nicht entfernt, die Früchte können weiter ausreifen. (Foto: B. Schwarzberg)
Die einfachste Bekämpfungsmaßnahme ist, wie bereits erwähnt, die sachgemäße Entfernung der Fruchtstände und deren Entsorgung über den Restmüll, der verbrannt werden sollte. Da der Riesen-Bärenklau meist zweijährig ist, die Pflanze also normalerweise nach der Fruchtbildung abstirbt, würde es reichen, die Fruchtstände nur viele Jahre und entlang der Flüsse im Gebiet solange zu entfernen, bis der Samenvorrat im Boden erschöpft ist. Das Wichtigste hierbei sind Konsequenz und ein langer Arten. Die Fruchtstände sollten jedoch nicht zu früh entfernt werden, da die Pflanze ansonsten, siehe oben, zur Mehrjährigkeit angeregt werden könnte.
Über weitere Bekämpfungsmaßnahmen des EU-weit als invasiv eingestuften Riesen-Bärenklaus wurde vielfach publiziert.
Wie wirksam die konsequente Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus sein kann, bewiesen die Enthusiasten des Villenparks Hohenrode in Nordhausen ab 2010: Damals bevölkerten alljährlich noch hunderte Exemplare des imposanten Gewächses dessen Wiesen und Säume. Mittels Ausgraben, vor allem aber konsequenter Mahd austreibender Pflanzen und Entfernung von Blüten- und Fruchtständen wurde er innerhalb weniger Jahre zu fast einhundert Prozent vernichtet. Erscheint heute mal noch irgendwo eine Pflanze, so erfolgt ihre sofortige Entfernung.
Nach der jahrelangen Betonung von Verantwortlichkeiten und diversen Expertenkonferenzen wäre es nun an der Zeit, im Interesse von Mensch und Natur auch an Zorge, Wieda und Sachsengraben etwas Wirksames gegen den sich immer weiter ausbreitenden Riesen-Bärenklau zu unternehmen und den Worten Taten folgen zu lassen. Im Landkreis Nordhausen bleiben da noch viele Fragen offen, zum Beispiel, wie mit den geradezu gigantischen Beständen der Art an den Fließgewässern umzugehen ist und wer die Bekämpfung konkret zu organisieren hat. Vielleicht kann sich der Landkreis Nordhausen hierzu bei Amtsbrüdern und -schwestern im Landkreis Greiz informieren. Auf dessen Homepage heißt es:
"Die Untere Naturschutzbehörde führt ein Register mit den bekannten Standorten und koordiniert die Bekämpfung. Außerhalb von Schutzgebieten ist in erster Linie der Eigentümer des Flurstücks für die Beseitigung verantwortlich. Gegebenenfalls müssen die Städte und Gemeinden in ihren Hoheitsgebieten auf die Bürger zugehen und die Entfernung des Riesenbärenklaus ordnungsrechtlich anweisen. An Gewässern erster Ordnung wird eine Koordinierung mit den Flussmeistereien stattfinden; an Gewässern zweiter Ordnung entsprechend mit den Gewässerunterhaltungsverbänden. Im Wald wird die Bekämpfung mit Thüringen-Forst abgesprochen."
Betrachtet man bei uns die weiter wachsenden Riesen-Bärenklau-Bestände und stellt sie den offiziell abrufbaren Publikationen der Behörden gegenüber, kommen jedoch Zweifel darüber auf, ob sie dem Problem gewachsen sind. Wenn wir nicht einmal dieses verhältnismäßig kleine menschgemachte Problem lösen können: Wie erst wollen wir die wirklich großen Probleme lösen?
Dem Thema Riesen-Bärenklau sollte sich übrigens auch der Naturschutzbeirat widmen.
Bodo Schwarzberg
