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Schneller, aber demnächst teurer

Sonntag, 10. Dezember 2006, 08:12 Uhr
Nordhausen (nnz). Bei der Deutschen Bahn gelten von diesem Morgen an neue Fahrpläne. nnz informiert über weitere, damit zusammenhängende Neuerungen.


Bei der Deutschen Bahn gelten ab heute neue Fahrpläne. Mit dem Wechsel werden die Fahrzeiten auf vielen Strecken verkürzt. Auf viel genutzten Strecken wird das ICE-Angebot verdichtet. Der Stundentakt von Hamburg nach Berlin wird über Leipzig bis nach München ausgedehnt. Von München nach Köln fahren künftig zum Beispiel ebenfalls ICEs im Stundentakt. Auch von Köln nach München wird eine morgendliche ICE-Sprinter-Verbindung eingerichtet, die besonders schnell, aber zuschlagpflichtig ist. Der bestehende Sprinter von Hamburg nach Köln bekommt einen neuen Halt in Duisburg.

Außerdem kommen Reisende von und nach München 35 Minuten eher ans Ziel. Nach dem Berliner Hauptbahnhof wird auch die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen München und Nürnberg ab heute voll ins bundesweite Taktsystem eingebunden. Das soll das Reisen quer durch die Republik beschleunigen.

Die Erwartungen an diese jüngste Paradestrecke in Bayern sind hoch. Nach dem Ausbau für 3,6 Milliarden Euro rauschen die ICE seit Ende Mai mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde über die neue Trasse - das ließ die Fahrtzeit von München nach Nürnberg bereits um 25 Minuten schrumpfen. Künftig soll es aber nochmals 15 Minuten schneller in gut einer Stunde gehen. Denn ab Sonntag gilt auf einem weiteren Abschnitt Tempo 200 statt wie bisher Tempo 160. Und die Auswirkungen reichen bis in den Norden: Von München nach Hannover schmilzt die Reisezeit um 25 Minuten auf 4:12 Stunden. Nach Frankfurt/Main geht es im neuen Fahrplan mit 3:10 Stunden künftig 30 Minuten schneller.

Die Beschleunigung auf den Hauptstrecken sei attraktiv, heißt es auch bei Fahrgastvertretern. „Jeder kommt gern schnell ans Ziel, nicht nur Geschäftsreisende“, sagt der Vorsitzende des Verbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Doch abseits der Schnelltrassen werde das Fernzug-Angebot vielfach weiter ausgedünnt. Und wo statt IC-Zügen nur Regionalbahnen fahren, gebe es keine Speisewagen und Möglichkeiten zur Sitzplatzreservierung. Ein Beispiel: Auf der Mitte-Deutschland-Verbindung von Düsseldorf über das Ruhrgebiet und Kassel nach Weimar wird fast die Hälfte der Züge gestrichen, weil sich das Angebot für die Bahn angeblich nicht rechnet.

Wie dem „Handelsblatt“ zu entnehmen ist, ist der Fernverkehr inzwischen wirtschaftlich wieder zu einem Zugpferd des bundeseigenen Konzerns geworden. Bis Ende Oktober stieg die Zahl der Fahrgäste um drei Prozent auf 94,8 Millionen. Die Auslastung blieb mit 43,9 Prozent stabil, obwohl das Platzangebot vergrößert wurde. Im neuen Jahr sollen auch ohne den Schub einer Fußball-WM die Sitze gut gefüllt werden. Das Bonusprogramm für Stammkunden mit Prämien vom Genussgutschein bis zur Pauschalreise wurde gerade erweitert. Und um ganz neue Kunden anzusprechen, locken seit Freitag 29-Euro-Billigtickets beim Kaffeeröster Tchibo.

Bei den regulären Preisen müssen die Fahrgäste allerdings zum Jahreswechsel wieder mehr berappen. Fahrkarten im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden werden um 3,9 Prozent teurer. Tickets für ICE, Intercity und Eurocity kosten künftig im Schnitt 5,6 Prozent mehr, wobei die Mehrwertsteueranhebung von 16 auf 19 Prozent enthalten ist. Der Verkehrsclub Deutschland warnte schon, neu gewonnene Kunden wieder an das Auto zu verlieren. „Wer pendeln muss, wird weiter den Zug nehmen“, meint Pro-Bahn-Chef Naumann. „Aber vielleicht nicht mehr bei der nächsten Urlaubsreise.“
Autor: js

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