Sozialer Frieden in Gefahr
Montag, 11. Dezember 2006, 08:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Die künftige Kaltmiethöhe der Kosten der Unterkunft (KdU) werden neben der Haushaltsdiskussion zur nächsten Kreistagssitzung erneut im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Sollten die Mitglieder des Nordhäuser Kreistages - entgegen den Erwartungen der betroffenen Menschen - diese Kosten senken, dann wäre der soziale Frieden in diesem Landkreis auf das Gröblichste gefährdet. So schätzen es unter anderem die Fachleute ein, die sich auf dem Wohnungsmarkt auskennen.
Die nnz hat bei der Wohnungsbaugenossenschaft eG Südharz nachgefragt. Die Genossenschaft ist der größte Vermieter in Nordthüringen. Mehrere Hundert der rund 6.000 Mitglieder sind Langzeitarbeitslose. Das sind hunderte Familien, die von einer Senkung der KdU betroffen wären. Doch wohin sollen die Menschen ziehen? Von den zigtausenden Euro an Umzugskosten ganz zu schweigen! Aktuell sind an den Standorten Nordhausen, Ilfeld/Niedersachwerfen, Heringen und Bleicherode 46 voll sanierte Wohnungen leer stehend. Bei den teilsanierten Wohnungen sind es ganze 12 WE - das sind 0,7 Prozent. Kleine Wohnungen gibt es am Markt eigentlich nicht, auch nicht bei privaten Vermietern.
Wenn es zu einer eventuellen Senkung von derzeit 4,20 Euro auf 3,80 Euro bzw. zur Streichung der 10%igen Öffnungsklausel kommen würde, dann hätte das verheerende Auswirkungen auf die Menschen, die sich einst auf Wohnraum zu sozialen Mieten verlassen hatten, warnen Sozialverbände. Ausgenommen, nur 50 Mitglieder der Genossenschaft müssten sich in den kommenden sechs Monaten nach neuem Wohnraum umsehen, dann wird allein schon deutlich, dass der größte Vermieter in Nordthüringen diesen Wohnraum einfach nicht zur Verfügung hat.
Für Carola Franke, die Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Nordhausen mbH (SWG), sind weniger die Zahlen wichtig, sie möchte den Verantwortlichen im Kreistag eher die sozialen Auswirkungen der Reduzierung klar machen. Es würde zu einer Stigmatisierung der Empfänger von Arbeitslosengeld II kommen. Und Übrigens: Wohnungen zu einem Kaltmietpreis von unter 4 Euro gäbe es im SWG-Bestand gleichsam nicht.
Auch bei der Sollstedter Wohnungsbaugesellschaft sind derartige Wohnungen nicht vorhanden. Geschäftsführerin Heike Winkler verweist in ihrer Argumentation auf die Leerstandsquote von zwei Prozent in Sollstedt.
Für die Wohnungswirtschafter könnte das Szenario so aussehen: Hunderte Betroffene und ihre Familien müssten sich nach neuem Wohnraum umsehen, manche zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit. Sie müssten der Arbeits-gemeinschaft immer wieder nachweisen, dass es keinen entsprechenden Wohnraum für sie gibt. Die Stimmung könnte sich extrem aufheizen. Ob das politisch gewollt ist, diese Frage müssen sich die Kreistagsmitglieder schon stellen.
Übrigens: In unseren Nachbarkreisen liegen die Kaltmieten bei den Kosten der Unterkunft über den bisherigen im Landkreis Nordhausen. Im Kyffhäuserkreis sind es 4,35 Euro, im Landkreis Eichsfeld 4,89 Euro und im Unstrut-Hainich-Kreis 5,11 Euro. Noch einmal zur Erinnerung: Im Landkreis Nordhausen sind es 4,20 Euro.
Autor: nnzDie nnz hat bei der Wohnungsbaugenossenschaft eG Südharz nachgefragt. Die Genossenschaft ist der größte Vermieter in Nordthüringen. Mehrere Hundert der rund 6.000 Mitglieder sind Langzeitarbeitslose. Das sind hunderte Familien, die von einer Senkung der KdU betroffen wären. Doch wohin sollen die Menschen ziehen? Von den zigtausenden Euro an Umzugskosten ganz zu schweigen! Aktuell sind an den Standorten Nordhausen, Ilfeld/Niedersachwerfen, Heringen und Bleicherode 46 voll sanierte Wohnungen leer stehend. Bei den teilsanierten Wohnungen sind es ganze 12 WE - das sind 0,7 Prozent. Kleine Wohnungen gibt es am Markt eigentlich nicht, auch nicht bei privaten Vermietern.
Wenn es zu einer eventuellen Senkung von derzeit 4,20 Euro auf 3,80 Euro bzw. zur Streichung der 10%igen Öffnungsklausel kommen würde, dann hätte das verheerende Auswirkungen auf die Menschen, die sich einst auf Wohnraum zu sozialen Mieten verlassen hatten, warnen Sozialverbände. Ausgenommen, nur 50 Mitglieder der Genossenschaft müssten sich in den kommenden sechs Monaten nach neuem Wohnraum umsehen, dann wird allein schon deutlich, dass der größte Vermieter in Nordthüringen diesen Wohnraum einfach nicht zur Verfügung hat.
Für Carola Franke, die Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Nordhausen mbH (SWG), sind weniger die Zahlen wichtig, sie möchte den Verantwortlichen im Kreistag eher die sozialen Auswirkungen der Reduzierung klar machen. Es würde zu einer Stigmatisierung der Empfänger von Arbeitslosengeld II kommen. Und Übrigens: Wohnungen zu einem Kaltmietpreis von unter 4 Euro gäbe es im SWG-Bestand gleichsam nicht.
Auch bei der Sollstedter Wohnungsbaugesellschaft sind derartige Wohnungen nicht vorhanden. Geschäftsführerin Heike Winkler verweist in ihrer Argumentation auf die Leerstandsquote von zwei Prozent in Sollstedt.
Für die Wohnungswirtschafter könnte das Szenario so aussehen: Hunderte Betroffene und ihre Familien müssten sich nach neuem Wohnraum umsehen, manche zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit. Sie müssten der Arbeits-gemeinschaft immer wieder nachweisen, dass es keinen entsprechenden Wohnraum für sie gibt. Die Stimmung könnte sich extrem aufheizen. Ob das politisch gewollt ist, diese Frage müssen sich die Kreistagsmitglieder schon stellen.
Übrigens: In unseren Nachbarkreisen liegen die Kaltmieten bei den Kosten der Unterkunft über den bisherigen im Landkreis Nordhausen. Im Kyffhäuserkreis sind es 4,35 Euro, im Landkreis Eichsfeld 4,89 Euro und im Unstrut-Hainich-Kreis 5,11 Euro. Noch einmal zur Erinnerung: Im Landkreis Nordhausen sind es 4,20 Euro.
